Störungen im Schwarzen Meer halten Sonnenblumenöl trotz größerer EU-Ernte teuer
Angriffe auf ukrainische Häfen und höhere Versicherungskosten im Schwarzen Meer halten die Preise für kurzfristige Sonnenblumenlieferungen hoch. Die EU-Erzeugung von Sonnenblumensaat soll um 15,7 % auf 10,1 Millionen Tonnen steigen, doch Alternativrouten können die fehlende Seefrachtkapazität nicht vollständig ersetzen.
Logistikprobleme überwiegen die Aussicht auf eine große Ernte
Die Preise für Sonnenblumenöl dürften gestützt bleiben, weil Störungen im Schwarzmeerverkehr die Wirkung einer größeren europäischen Ernte begrenzen. L’Informatore Agrario berichtet, dass Sonnenblumen mit kurzfristiger Lieferung weiterhin hohe Preise erzielen. Damit entwickelt sich der Markt entgegen den rückläufigen Prognosen einiger Analysten für die laufende Saison. Bessere Ernteaussichten treffen auf die Unsicherheit, ob Saat und verarbeitetes Öl zuverlässig und zu vertretbaren Kosten bei den Käufern ankommen.
Der größte Druck geht von der Ukraine aus, die einen sehr bedeutenden Anteil an den weltweiten Ölexporten hat. Die fortgesetzten russischen Angriffe auf ukrainische Hafeninfrastruktur bremsen die Handelsströme. Gleichzeitig verteuern stark gestiegene Versicherungskosten auf den Schwarzmeerrouten den Seetransport und erschweren dessen Organisation. Betroffen sind neben ukrainischen Exporteuren auch Verarbeiter, Händler und Importeure, deren Beschaffungsprogramme planbare Verladetermine voraussetzen.
Alternative Korridore reichen für die Mengen nicht aus
Der Donaukorridor und andere Alternativrouten bieten ukrainischen Agrarprodukten einen Weg in den Markt. Nach Angaben von L’Informatore Agrario reicht ihre Kapazität jedoch nicht aus, um sämtliche verfügbaren Mengen aufzunehmen. Der Transport von Sonnenblumensaat zu europäischen Verarbeitungsanlagen bleibt deshalb schwierig und teuer. Dieser Engpass kann die Preise für kurzfristige Lieferungen selbst dann stützen, wenn die Produktionsprognosen auf ein größeres Gesamtangebot hindeuten. Entscheidend ist die physische Verfügbarkeit am benötigten Ort und Termin, nicht allein die rechnerische Erntemenge.
Für Ölmühlen steigt damit das Risiko unregelmäßiger Saatlieferungen und höherer Beschaffungskosten. Importeure müssen mit Unsicherheit bei Fracht, Versicherung und Zeitplanung umgehen, während Exporteure um begrenzte Logistikkapazitäten konkurrieren. Der Preisaufschlag ist daher weniger Ausdruck eines europaweiten Mangels an Sonnenblumensaat als Folge der Kosten und der mangelnden Zuverlässigkeit beim Transport von Schwarzmeerware über Häfen oder alternative Landrouten.
EU-Ernteprognose steigt auf 10,1 Millionen Tonnen
Von L’Informatore Agrario zitierte Schätzungen der Europäischen Kommission beziffern die diesjährige Erzeugung von Sonnenblumensaat in der EU-27 auf 10,1 Millionen Tonnen. In der vorigen Saison waren es 8,7 Millionen Tonnen. Der Zuwachs von 15,7 % würde die Produktion etwa 9 % über den historischen Durchschnitt heben. Grundlage sind eine Ausweitung der Anbaufläche um 4,1 %, insbesondere in Rumänien, Bulgarien und Ungarn, sowie insgesamt bessere Ertragserwartungen als in der vergangenen Saison.
In Italien dürfte die Produktion trotz größerer Anbaufläche dagegen sinken. Die Sonnenblumenfläche wird auf 113.000 Hektar geschätzt, ein Plus von 3,3 %. Wegen niedrigerer erwarteter Flächenerträge soll die Ernte jedoch um 0,8 % auf 288.000 Tonnen zurückgehen. Italien spielt innerhalb der EU nur eine geringe Rolle, doch die Zahlen zeigen, dass zusätzliche Fläche nicht automatisch mehr Saat bedeutet. Die größere EU-Ernte kann die regionale Versorgung verbessern. Ihre preisdämpfende Wirkung bleibt aber begrenzt, solange Störungen ukrainischer Häfen, teure Versicherungen und unzureichende Alternativkapazitäten die Schwarzmeerströme behindern.