Schwache spanische Traubenernte verteuert Wein und verschärft Vertragsstreit
Spaniens Weinproduktion dürfte nur knapp über 35 Millionen Hektoliter erreichen, verglichen mit mehr als 40 Millionen in einer üblichen Saison. Die Erzeuger fordern, dass höhere Weinpreise bei Produktionskosten von rund 0,60 € je Kilogramm auch die Traubenpreise anheben.
Spaniens Produktion bleibt unter dem üblichen Niveau
Spanien beendet die Weinlese mit einer der kleinsten Ernten des vergangenen Jahrzehnts. Das knappere Weinangebot verstärkt die Forderungen der Erzeuger nach besseren Vertragsbedingungen. Die Gemeinschaft der Landwirte und Viehzüchter von Almendralejo, CLYGAL, teilte COPE mit, die landesweite Produktion werde sich auf knapp über 35 Millionen Hektoliter belaufen; in einer üblichen Saison seien es mehr als 40 Millionen Hektoliter.
Die Schätzung liegt deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen. CLYGAL zufolge wurde insgesamt lediglich ein Zuwachs von 7 % verzeichnet, während die Qualität der Früchte ausgezeichnet sei. Eine Aufschlüsselung dieses Zuwachses nach Regionen oder Rebsorten legte die Organisation nicht vor. Sie betonte jedoch, dass das endgültige Volumen landesweit ungewöhnlich niedrig bleibe.
Das geringere Traubenangebot trägt laut CLYGAL bereits zu höheren Weinpreisen am Markt bei. Die Organisation verlangt, dass sich dieser Anstieg in den Vergütungen für die Winzer widerspiegelt und nicht vollständig in späteren Stufen der Lieferkette verbleibt. Besonders relevant ist dies, wenn Kellereien und Erzeuger zum Ende der Lese ihre Abrechnungen vereinbaren.
Produktionskosten verschärfen den Vertragsstreit
CLYGAL beziffert die Kosten des Traubenanbaus auf rund 0,60 € je Kilogramm. Die Organisation fordert die verarbeitende Industrie auf, ihre Angebote zu überarbeiten, damit die Betriebe rentabel wirtschaften und Verkäufe unter den Kosten vermeiden können. Sie verweist dabei auf das spanische Lebensmittelkettengesetz, das Verlustverkäufe verbietet.
Die kleinere Ernte stärkt das Argument der Erzeuger in den Preisverhandlungen, garantiert aber nicht automatisch höhere Erlöse ab Hof. Vertragszeitpunkt, Rebsorte, Qualitätsanforderungen und die Marktposition einzelner Kellereien beeinflussen, in welchem Umfang höhere Preise für Fass- oder Flaschenwein bei den Weinbergen ankommen. CLYGAL richtet den Blick deshalb auf die Differenz zwischen dem Marktwert des Weins und den Einnahmen der Primärerzeuger.
Die Organisation bezeichnet faire Preise als eine Frage des rechtmäßigen Überlebens und der Würde der Landwirte. Sie warnt, dass bei unzureichender Rentabilität Reben gerodet würden. Das hätte Folgen für Beschäftigung und Wirtschaftsleistung in Tierra de Barros, einem bedeutenden Weinbaugebiet der Extremadura.
Ausfälle in Frankreich erhöhen den Angebotsdruck
Die begrenzte spanische Ernte fällt mit einem noch stärkeren Rückgang in französischen Anbaugebieten zusammen. Dort ist die Produktion laut CLYGAL um 50 % gesunken. Ein geringeres Angebot in zwei der wichtigsten Weinländer Europas könnte den Preisdruck verstärken. Angaben zu Lagerbeständen, Verbrauch, Exporten oder einzelnen Weinkategorien liegen in der Quelle jedoch nicht vor.
Für Kellereien und Händler erhöht die Kombination aus kleiner spanischer Ernte und schwächerer französischer Produktion die Bedeutung der Beschaffung und vorhandener Bestände. Unternehmen mit vertraglich gesicherten Trauben oder verfügbaren Weinreserven könnten besser dastehen als Käufer, die auf Spotpreise angewiesen sind. Die Winzer dürften das knappe Angebot und die gemeldete ausgezeichnete Traubenqualität nutzen, um kostendeckende Preise durchzusetzen.
Über die aktuelle Lese hinaus sieht CLYGAL die Weinberge in Tierra de Barros durch anhaltende Dürre, aufgegebene Flächen und fehlende Nachfolger unter Druck. Diese Faktoren erschweren eine schnelle Erholung der Produktion nach einer schwachen Saison und erhöhen das Risiko, dass unrentable Weinberge dauerhaft aus der Erzeugung ausscheiden.
Der Verband forderte die spanische Zentralregierung und die Regionalverwaltung auf, den Markt zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Betriebe zu sichern. Kurzfristig entscheidet sich, ob höhere Weinpreise zu Traubenvergütungen oberhalb der geschätzten Produktionskosten von 0,60 € je Kilogramm führen. Langfristig müssen die Erlöse ausreichen, um weitere Rodungen in einer der etablierten spanischen Weinregionen zu verhindern.