Saudi-Arabien plant KI-gestützte Kamelstadt für mehr als 11 Milliarden Riyal
Saudi-Arabien hat in Qaryat al-Ulya eine intelligente Industriestadt für Kamele mit Investitionen von mehr als 11 Milliarden Saudi-Riyal angekündigt. Das rund 20 Millionen m² große Gelände soll bis zu 150.000 Kamele sowie Verarbeitung, Tiermedizin, Forschung und digitale Bestandsführung bündeln.
Tierhaltungs- und Verarbeitungszentrum für 11 Milliarden Riyal
Saudi-Arabien hat den Bau einer intelligenten Industriestadt für Kamele im Gouvernorat Qaryat al-Ulya angekündigt. Mehr als 11 Milliarden Saudi-Riyal sollen einen der kulturell wichtigsten Viehsektoren des Landes modernisieren. Nach Angaben von Sabq, die sich auf die saudische Zeitung Al Eqtisadiah beruft, umfasst das Vorhaben rund 20 Millionen m² und bietet Platz für bis zu 150.000 Kamele.
Das Projekt reicht deutlich über klassische Tierhaltung hinaus. Geplant sind die Produktion von Kamelmilch, Fleisch, Leder und Haar sowie Futtermittel, Arzneimittel und Impfstoffe. Hinzu kommen wissenschaftliche Forschung und Ökotourismus. Tierhaltung, Verarbeitungsbetriebe und Forschungsinstitute an einem Standort sollen eine integrierte Wertschöpfungskette sowie neue Investitions- und Arbeitsmöglichkeiten schaffen.
KI-Überwachung und elektronische Pässe
Jedes Kamel soll mit Ortungschips und digitalen Zwillingen überwacht werden, die Gesundheits- und Leistungsdaten erfassen. Dadurch sollen Verluste sinken und die Produktqualität steigen. Elektronische Pässe dokumentieren zudem Eigentum, Krankengeschichte und genetische Informationen. Landwirte, Tierärzte und Verarbeiter erhalten damit einen gemeinsamen digitalen Datensatz für jedes Tier.
Die Stadt soll ein spezialisiertes Kamelkrankenhaus, Forschungszentren und eine Genbank zur Verbesserung der Rassen umfassen. Zu den Industrieanlagen zählen Werke für Milch- und Fleischprodukte, Seren und Impfstoffe. Eine Akademie für Kamelwissenschaften und ein Museum sollen die kommerziellen und wissenschaftlichen Aufgaben des Projekts mit dem saudischen Kulturerbe verbinden.
Forschungsziele und ein zweites Vorhaben
Zu Saudi-Arabiens Forschungsplänen gehört auch die Plattform Teryaq, die künstliche Intelligenz zur Untersuchung des Kamelgenoms einsetzt. Forschende prüfen aus Kamelen gewonnene Nanokörper für mögliche künftige Arzneimittel und biotechnologische Anwendungen. Damit reicht die wissenschaftliche Ausrichtung über eine höhere Produktivität in der Tierhaltung hinaus bis in die Pharmaindustrie und die Biowissenschaften. Einen Bauzeitplan oder Produktionsziele für die vorgesehenen Werke nennt die Quelle jedoch nicht.
Kamelhalter und Investoren warten unterdessen auf Fortschritte bei einer weiteren Kamel-Industriestadt im Gouvernorat Al-Aflaj. Das Ministerium für Umwelt, Wasser und Landwirtschaft kündigte das mehr als 15 Millionen m² große Projekt über seine Regionalstelle Riad im Vorjahr an. Vorgesehen sind standardisierte Gehege, Fachmärkte, zugelassene Schlachthöfe, tiermedizinische Einrichtungen sowie Betriebe zur Verarbeitung von Kamelfleisch, Milch, Leder und Haar.
Beide Vorhaben sollen die Ziele der Saudi Vision 2030 unterstützen und Tätigkeiten rund um Kamele zu einer größeren kommerziellen und technologiebasierten Branche ausbauen. Für Erzeuger und Verarbeiter hängt die Wirkung von der Umsetzung ab: von der Fertigstellung gemeinsamer Infrastruktur, der Verbreitung der Rückverfolgungssysteme und dem Betrieb von Werken, die standardisierte Lebensmittel, Lederwaren, Arzneimittel und Biotechnologieprodukte herstellen können.