Sandoz warnt vor höheren Generikapreisen und Lieferproblemen durch US-Zölle
Geplante US-Zölle von 100 % auf importierte Generika ab 2028 und von 200 % ein Jahr später könnten Anbieter zu Preiserhöhungen oder Produktrückzügen zwingen, warnt Sandoz. Die Folgen wären breit, da Generika und Biosimilars rund 90 % der in den USA eingelösten Rezepte ausmachen.
Zölle könnten auf 200 % steigen
Die geplanten US-Zölle auf importierte Generika könnten die Kosten für Patienten erhöhen und Hersteller dazu bewegen, bestimmte Medikamente nicht mehr anzubieten. Davor warnte Sandoz-Vorstandschef Richard Saynor laut einem Bericht von Capital, der sich auf CNBC beruft. Betroffen wäre ein Markt, in dem niedrige Preise und knappe Herstellermargen den Zugang zu häufig verordneten Arzneimitteln ermöglichen.
Donald Trump kündigte im Juli an, dass importierte Generika ab 2028 mit einem Zoll von 100 % belegt werden könnten. Ein Jahr später soll der Satz auf 200 % steigen. Die Maßnahme wurde als Anreiz für Pharmaunternehmen dargestellt, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Derzeit fallen Generika nicht unter die von der US-Regierung auf Grundlage von Section 232 erhobenen Pharmazölle. Eine Änderung würde jedoch ausländische Hersteller, die den US-Markt beliefern, unmittelbar treffen.
Anbieter müssen zwischen höheren Preisen und Rückzug wählen
Saynor zufolge tragen letztlich die Patienten die Zollkosten. Ein Hersteller könne ein Medikament nicht dauerhaft liefern, wenn jeder Verkauf Verluste verursacht. Den Unternehmen blieben damit zwei praktische Möglichkeiten: die Preise erhöhen oder einzelne Produkte vom Markt nehmen. Das Risiko ist beträchtlich, weil Generika und Biosimilars rund 90 % der in den USA eingelösten Rezepte ausmachen. Wegen ihrer niedrigeren Preise ist ihr Anteil an den gesamten Arzneimittelausgaben allerdings wesentlich geringer.
Die pharmazeutische Lieferkette ist zudem stark von der internationalen Produktion abhängig. Ein erheblicher Teil der Wirkstoffe für Generika stammt von außerhalb der Vereinigten Staaten. Einfuhrzölle könnten deshalb nicht nur importierte Fertigarzneimittel treffen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit eines Produktionssystems verändern, dessen Rohstoffe und Fertigungsstufen auf mehrere Länder verteilt sind.
Sandoz baut seine Biosimilar-Pipeline aus
Sandoz gehört weltweit zu den größten Herstellern von Arzneimitteln nach Ablauf des Patentschutzes. Der Schweizer Konzern erzielt rund ein Viertel seines Umsatzes in Nordamerika, einschließlich der USA und Kanadas. Bis 2035 will er den Nettoumsatz mehr als verdoppeln und eine bereinigte Gewinnmarge von über 30 % erreichen. Zugleich soll das Portfolio unter anderem in der Onkologie und Immunologie wachsen.
Bis 2040 plant Sandoz mehr als 100 Biosimilars, verglichen mit derzeit 13 verfügbaren Produkten. Das Portfolio soll außerdem rund 80 % des Wertes jener biologischen Arzneimittel abdecken, deren Patentschutz ab 2035 ausläuft; aktuell liegt dieser Anteil bei rund 50 %. Ein weiteres Potenzial sieht das Unternehmen bei GLP-1-Medikamenten gegen Diabetes und Übergewicht. In diesem Jahr erhielt Sandoz in Brasilien die Zulassung für ein Semaglutid-Generikum und wartet auf eine Genehmigung in Kanada. Semaglutid ist der Wirkstoff von Ozempic und Wegovy. Auf den großen Märkten in den USA und Europa endet die Exklusivität jedoch erst zu Beginn des nächsten Jahrzehnts. Sandoz wurde 2023 von Novartis abgespalten und muss seine Wachstumspläne nun mit der Frage verbinden, ob die künftige US-Handelspolitik eine rentable Versorgung seines größten Regionalmarktes mit preisgünstigen Arzneimitteln zulässt.