Samsung Display und LG Display fordern von Seoul mehr Steuergutschriften und schnellere Infrastruktur
Bei einem Politikforum in der Nationalversammlung am 1. Oktober haben Samsung Display und LG Display die südkoreanische Regierung um umfangreichere Steuervorteile und einen schnelleren Ausbau der Industrieinfrastruktur für Investitionen im KI-Zeitalter gebeten. Samsung Display will den Vortragszeitraum für Steuergutschriften auf nationale Strategietechnologien von 10 auf 20 Jahre verlängern und die Befristung streichen, LG Display schlägt eine direkte Barauszahlung eines Teils der Gutschrift im Investitionsjahr vor.
Samsung Display und LG Display haben die südkoreanische Regierung aufgefordert, Steuervorteile auszuweiten und den zügigen Aufbau von Industrieinfrastruktur abzusichern. Künstliche Intelligenz habe den Display-Markt an einen Wendepunkt gebracht, dem Unternehmen mit eigenen Mitteln allein nicht gewachsen seien. Die Forderungen wurden laut Daily Hankook am 1. Oktober bei einem Politikforum im Bürogebäude der Abgeordneten der Nationalversammlung in Seoul vorgetragen; Veranstalter war der koreanische Displayindustrieverband, das Thema lautete „Display als Frage der Industriesicherheit: der von KI getriebene Vorsprung“.
Für die Panelhersteller sprachen Heo Cheol, Vizepräsident von Samsung Display, und Lee Han-koo, Gruppenleiter bei LG Display. „In einem sich rasant verändernden globalen Umfeld sind den Anstrengungen eines einzelnen Unternehmens Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, den technologischen Vorsprung zu halten und zu gewinnen“, sagte Heo Cheol. Politische Unterstützung auf nationaler Ebene sei dringend erforderlich.
Drei Forderungen von Samsung Display
Heo Cheol nannte drei Schwerpunkte: stärkere steuerliche Förderung, rechtzeitiger Infrastrukturbau sowie Unterstützung für die Entwicklung neuer Technologien bei kleinen und mittleren Unternehmen und Forschungsinstituten.
- Steuerlich fordert Samsung Display, den Vortragszeitraum für Steuergutschriften auf nationale Strategietechnologien von derzeit 10 Jahren auf 20 Jahre zu verlängern und das Programm ohne Befristung fortzuführen.
- Zudem sollen die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in ihrer Gesamtheit abzugsfähig werden, damit Unternehmen langfristige Technologieentwicklung und Anlageninvestitionen durchhalten können.
- Bei der Infrastruktur geht es um beschleunigte Genehmigungen sowie die fristgerechte Bereitstellung von Strom, Wasser und Straßen; außerdem soll der Ausbau von Strombezugsverträgen für erneuerbare Energien (PPA) aktiv gefördert werden, um die von globalen Kunden gestellten RE100-Anforderungen zu erfüllen.
- Für kleine und mittlere Unternehmen und Forschungsinstitute schlug Heo Cheol eine breitere Förderung über staatliche Forschungsprojekte vor.
LG Display drängt auf direkte Barauszahlung
LG Display richtete den Blick auf die Mechanik der Gutschrift und forderte ein System der direkten Rückzahlung für Investitionen in nationale Strategietechnologien. Bislang wird die Gutschrift als Abzug von der Körperschaftsteuer gewährt. Weil die Branche große Summen in Forschung und Produktionsanlagen bündelt, schrumpfen die Gewinne in Jahren hoher Investitionen oder es entstehen Verluste – genau dann lässt sich der Vorteil nicht unmittelbar nutzen.
„Der heutige Abzug von der Körperschaftsteuer ist gut, aber ich möchte eine direkte Rückzahlung vorschlagen: ein Teil des Vorteils wird in dem Jahr bar ausgezahlt, in dem investiert wird. Nur so lassen sich die guten Förderinstrumente für nationale Strategietechnologien wirklich nutzen“, sagte Lee Han-koo.
Regionalindex und die Frage Paju
Lee Han-koo äußerte sich auch zum Regionalförderindex, den die Regierung derzeit diskutiert. Die Ausgestaltung solle nicht nur die physische Entfernung berücksichtigen, sondern auch die Förderung benachteiligter Regionen wie Paju, wo LG Display ein Werk betreibt: Der Standort liegt an der innerkoreanischen Grenze, und die empfundene Abgeschiedenheit lässt sich nicht in Kilometern messen.
Wehrtechnik, Automobil und anorganische Displays
Über Steuern und Infrastruktur hinaus brachten die Teilnehmer Vorschläge ein: institutionelle Regelungen zum Ausbau des Ökosystems anorganischer Displays, Maßnahmen für ein Ökosystem militärischer Displays und die Stabilität der heimischen Lieferketten sowie ein Rahmen für gemeinsame Forschung über den gesamten Lebenszyklus, in dem Automobilhersteller und Panelproduzenten Leistung und Serienreife zusammen prüfen. Erörtert wurden außerdem die Zusammenarbeit mit den Abnehmerbranchen und Wege, neue Displaymärkte früh zu besetzen.
Gastgeber des Forums waren die Abgeordneten Park Jung, Lee Jae-kwan und Jeon Eun-soo. Aus der Industrie nahmen neben Heo Cheol und Lee Han-koo der Vorstandschef von Seoul Semiconductor, Lee Jung-hoon, Ahn Sang-nam, Abteilungsleiter beim koreanischen Verband der Verteidigungsindustrie, Lim Hyun-koo, Zentrumsleiter am koreanischen Automobilforschungsinstitut, und Lee Dae-eui, Executive Director bei Deloitte Consulting, teil. Die Moderation übernahm Moon Dae-kyu, Professor an der Soonchunhyang-Universität; auch Lee Jung-ik, Vizepräsident der koreanischen Gesellschaft für Informationsdisplays, war anwesend.
Park Jung und Lee Jae-kwan erklärten in ihren Eröffnungsreden, die Displayindustrie sei zu einem Gut geworden, das die Wettbewerbsfähigkeit der Hochtechnologie und die wirtschaftliche Sicherheit des Landes bestimme. Sie versprachen umfassende gesetzgeberische und politische Unterstützung für Kerntechnologien, KI-gestützte Prozessinnovation in der Produktion und die Erweiterung der Produktionsbasis.