Russlands Wellpappenproduktion sinkt wegen Überkapazitäten um 1,6 %
Russland produzierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 4,216 Milliarden Quadratmeter Kisten und Kartons aus Wellpapier und Wellpappe, 1,6 % weniger als im Vorjahr. Überkapazitäten, eine schwächere Warennachfrage und sinkende Preise könnten die Branche bis Jahresende stagnieren oder um bis zu 3 % schrumpfen lassen.
Produktion sinkt nach dem Investitionsboom
Russlands Wellpappenindustrie ist in eine Phase der Stagnation eingetreten, weil die Produktionskapazitäten die Nachfrage übersteigen. Pravda.ru berichtete unter Berufung auf Rosstat, dass die Herstellung von Kisten und Kartons aus Wellpapier und Wellpappe in den ersten sechs Monaten 2026 gegenüber dem Vorjahr um 1,6 % auf 4,216 Milliarden Quadratmeter zurückging.
Das Ungleichgewicht folgt auf einen Investitionsboom, in dessen Verlauf Hersteller ihre Kapazitäten in Erwartung eines anhaltenden Wachstums des elektronischen Handels und sanktionsbedingter Einschränkungen ausbauten. Nun bietet der Markt mehr Verpackungen, als russische Kunden benötigen. Die Unternehmen konkurrieren damit um ein kleineres Auftragsvolumen und tragen zugleich die Kosten von Anlagen, die für eine stärkere Wachstumsentwicklung errichtet wurden.
Warennachfrage schwächelt, Onlinehandel wächst
Pravda.ru führt den Rückgang teilweise auf das langsamere Wachstum der realen Haushaltseinkommen und veränderte Konsumausgaben zurück. Verbraucher geben mehr für Dienstleistungen, Bildung und Reisen aus und kaufen weniger physische Waren, die bei Herstellung, Vertrieb und Verkauf Verpackungen benötigen. Die Entwicklung unterscheidet sich deutlich nach Abnehmerbranche: Im Maschinenbau sank die Verpackungsnachfrage um 6,9 %, in der Lebensmittelindustrie dagegen nur um 0,5 %.
Marktplätze und Onlinehändler bleiben das wichtigste Wachstumssegment. Laut dem Bericht stiegen die Verkäufe dort 2024–2025 im Durchschnitt um 40 %. Das verschafft Verpackungsherstellern zusätzliche Aufträge, reicht aber nicht aus, um die Nachfrageschwäche in anderen Bereichen auszugleichen oder die im vorherigen Investitionszyklus aufgebauten Kapazitäten auszulasten.
Nordwestrussland leidet besonders unter dem Überangebot
Besonders ausgeprägt ist der Druck im Föderationskreis Nordwestrussland. Die Jahresproduktion in St. Petersburg und im Leningrader Gebiet beträgt rund 450 Millionen Quadratmeter im Wert von 20 Milliarden Rubel. Drei Unternehmen stellen davon 446 Millionen Quadratmeter her, sodass fast die gesamte regionale Produktion auf wenige Anbieter entfällt. In einem stagnierenden Markt verschärft diese Konzentration den Wettbewerb um Großkunden und erhöht bei unausgelasteten Werken den Preisdruck.
Das Überangebot hat die Preise für Standardverpackungen bereits um 3 % bis 11 % gedrückt. Dieser Rückgang könnte jedoch vorübergehend sein. Der hohe Leitzins der Zentralbank und eine steigende Steuerbelastung können die Kosten erhöhen und Investitionen in die Modernisierung erschweren. Schwankende Ölpreise könnten zudem Polymerverpackungen wie Folien und Beutel verteuern und einen Teil der Nachfrage zu Karton umlenken.
Margen und neue Märkte rücken in den Mittelpunkt
Von Pravda.ru zitierte Branchenexperten erwarten bis zum Jahresende eine Stagnation oder einen leichten Rückgang um bis zu 3 %. Valery Kozlov bezeichnete die Überkapazitäten als Ausdruck eines allgemeineren Problems regionaler Märkte: Der Investitionszyklus entsprach nicht der tatsächlichen Verbrauchernachfrage. Hohe Finanzierungskosten begrenzen nun die Modernisierung, während der Preisdruck gleichzeitig die Renditen schmälert.
Für die Hersteller haben die Sicherung der Margen in spezialisierten Nischen und die Suche nach Exportmärkten in aus russischer Sicht befreundeten Ländern Priorität. Der Bericht nennt weder Zielländer noch mögliche Exportmengen. Eine Expansion ins Ausland hängt deshalb von Transportkosten, Kundenzugang und der Wettbewerbsfähigkeit russischer Verpackungen gegenüber lokalen Angeboten ab. Bis zusätzliche Nachfrage entsteht oder der Kapazitätsausbau nachlässt, dürften niedrige Auslastung und aggressiver Preiswettbewerb die inländischen Produzenten weiter belasten.
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