Russlands Weizenernte übersteigt 60 Millionen Tonnen und liegt 6 Millionen höher
Russische Betriebe hatten bis zum 10. August mehr als 60 Millionen Tonnen Weizen geerntet, 6 Millionen Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Höhere Erträge stärken das Angebot, doch schwache Exporte und sinkende Inlandspreise erschweren den Absatz.
Weizenernte überschreitet 60 Millionen Tonnen
Russische Agrarbetriebe hatten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bis zum 10. August auf 14,8 Millionen Hektar mehr als 60 Millionen Tonnen Weizen geerntet. Das waren 6 Millionen Tonnen mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres und ein frühes Signal für ein reichliches Angebot aus einem der wichtigsten Weizenexportländer der Welt.
Der durchschnittliche Weizenertrag erreichte 41 Dezitonnen je Hektar beziehungsweise 4,1 Tonnen je Hektar. Die Region Krasnodar sowie die Gebiete Brjansk, Kursk und Kaliningrad erzielten mit rund 60 Dezitonnen je Hektar die höchsten Werte. Das Ministerium führte die Verbesserung auf moderne Züchtung, Düngemittel, Pflanzenschutz, digitale Technik und weitere Agrarlösungen zurück.
Gesamte Getreideernte liegt vor dem Vorjahr
Bei Getreide und Hülsenfrüchten waren 18,6 Millionen Hektar gedroschen und mehr als 72 Millionen Tonnen eingebracht. In den Föderationskreisen Südrussland, Nordwestrussland, Ural und Sibirien lief die Kampagne schneller als in der Vorsaison. Nach Angaben der Rossijskaja Gaseta hatte die Weizenernte bereits die Halbzeitmarke überschritten.
Das Tempo stützt die Erwartung einer großen russischen Ernte. Wie Kommersant berichtete, erhöhte das Analysezentrum Rusagrotrans seine Prognose für die Saison 2025/2026 auf 142,4 Millionen Tonnen Getreide, darunter 91,5 Millionen Tonnen Weizen. Zum Vergleich: Das Landwirtschaftsministerium hatte für 2025 mit 135 Millionen Tonnen Getreide und rund 90 Millionen Tonnen Weizen gerechnet. Tatsächlich wurden 2025 insgesamt 135 Millionen Tonnen neues Getreide im Bunkergewicht eingebracht, darunter 93,5 Millionen Tonnen Weizen.
Exportprobleme drücken die Inlandspreise
Eine größere Ernte führt nicht automatisch zu höheren Erlösen der Erzeuger. Von Kommersant zitierte Marktteilnehmer berichteten, dass die Getreideexporte nach Angriffen auf die Hafeninfrastruktur im Juli um 17% bis 83% zurückgingen. Experten rechneten für August nicht mit einer vollständigen Erholung der Lieferungen, wodurch sich der Absatz der neuen Ernte im Ausland erschwert.
Der langsamere Absatz trug dazu bei, dass die russischen Inlandspreise für Weizen und Gerste seit Mitte Juli um 8% bis 14,5% sanken. Gegenüber dem Vorjahr betrug das Minus 17,8% bis 20,1%. Anfang Februar 2026 hatten die Getreidepreise zwar wieder angezogen, doch eine große neue Ernte und eingeschränkte Exportkapazitäten erhöhten den Marktdruck erneut.
Großes Angebot könnte Weltmarktpreise belasten
Von Kommersant angeführte Prognosen deuten auf einen weltweiten Getreideüberschuss hin, der die internationalen Preise um 15 bis 20 $ je Tonne senken könnte. Höhere russische Erträge mindern wetterbedingte Produktionsrisiken, doch das zusätzliche Angebot kann den Wettbewerb zwischen Exporteuren verschärfen und Preisanstiege begrenzen.
Für russische Erzeuger und Händler sind deshalb Hafenkapazitäten und die Geschwindigkeit der Exporterholung ebenso wichtig wie die endgültige Erntemenge und Qualität. Importeure könnten bei einer Normalisierung der russischen Lieferungen von höherer Verfügbarkeit und niedrigeren Preisen profitieren. Bleiben die Logistikprobleme bestehen, verbleibt mehr Getreide im Inland und erhöht im weiteren Verlauf der Kampagne den Lager- und Finanzierungsdruck.