Russlands Weinproduktion sinkt, Nachfrage verlagert sich nach Chile, Südafrika und Argentinien
Russlands Produktion von Still- und Schaumwein sank im ersten Halbjahr 2026 um 12,6 % beziehungsweise 14 %. Während heimische Marken Nachfrage verloren, legte der Absatz von Wein aus Argentinien, Chile, Südafrika und Moldau zweistellig zu.
Produktion fällt nach drei Wachstumsjahren
Russlands Weinproduktion ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich geschrumpft und hat damit eine dreijährige Wachstumsphase beendet. Nach von Kommersant zitierten Daten der Alkohol- und Tabakaufsicht wurden von Januar bis Juni 15,44 Millionen Dekaliter Stillwein produziert, 12,6 % weniger als im Vorjahr. Die Schaumweinproduktion sank um 14 % auf 6,16 Millionen Dekaliter, die von Likörwein um 31,6 % auf 441.100 Dekaliter.
Der Rückgang folgte auf ein starkes Jahr 2025, in dem die Produktion von Stillwein um 13,6 %, von Schaumwein um 7,7 % und von Likörwein um 12,7 % gestiegen war. Die Hersteller hatten ihre Mengen in Erwartung eines weiter wachsenden Konsummarktes erhöht, doch die Nachfrage blieb hinter diesen Erwartungen zurück. Laut Alexej Solowjow vom Prüflabor der Weinstadt Bely Mys gingen die Kellereien mit hohen Beständen in das Jahr 2026. WineRetail-Leiter Alexander Stawzew erklärte, mehrere große Unternehmen hätten ihre Produktion anschließend für mindestens zwei Monate eingestellt.
Auch regulatorische Maßnahmen belasteten die Produktion. Die Alkohol- und Tabakaufsicht setzte am 9. April 2026 die Lizenz des Sankt Petersburger Herstellers ZAO Sparkling Wines aus, der die Marke Lev Golitsyn produziert. Die Behörde sah staatliche Standards als nicht erfüllt an. Erst am 6. Juli konnte das Unternehmen die Produktion wieder aufnehmen.
Höhere Preise schwächen die Binnennachfrage
Der Einzelhandelsabsatz von Stillwein sank in den ersten sechs Monaten laut Alkohol- und Tabakaufsicht um 2,7 % auf 26,38 Millionen Dekaliter. Der Absatz von Schaumwein stieg dagegen um 3,9 % auf 9,99 Millionen Dekaliter. Da ein weiterer Lageraufbau teuer und riskant ist, richten die Hersteller ihre Produktion nun enger an laufenden Bestellungen aus.
Die Bezahlbarkeit ist zum entscheidenden Engpass geworden. Rosstat bezifferte den durchschnittlichen Einzelhandelspreis für Stillwein im Juni auf 726,7 Rubel je Liter, 8,9 % mehr als ein Jahr zuvor. Ladoga-Präsident Weniamin Grabar sieht den für Massenkunden akzeptablen Preis bei 300 bis 400 Rubel je Flasche, doch Produkte in diesem Segment sind schwer zu finden. Alexander Lipilin vom Weinhandel Fort erklärte, eine vor zwei Jahren 500 Rubel teure Flasche koste heute etwa 1.000 Rubel. Verbraucher kaufen daher seltener Wein oder wechseln zu Cocktails mit vergleichsweise günstigem Gin, Rum, Whisky oder Aperitifs.
Staatliche Maßnahmen konnten den Rückgang nicht verhindern. Das Landwirtschaftsministerium bezifferte die Förderung von Weinbau und Weinherstellung für 2025 und 2026 auf jeweils 4 Milliarden Rubel. Die 2023 deutlich erhöhten Zölle auf Wein aus von Russland als unfreundlich eingestuften Staaten liegen nun bei 25 %, mindestens aber bei 2 $ je Liter. Marktteilnehmer sagten Kommersant, die positive Wirkung der Zölle sei Anfang 2026 weitgehend ausgelaufen, während der geringere Wettbewerb die Einkaufspreise russischer Weine steigen ließ.
Käufer wenden sich alternativen Lieferländern zu
Nach Schätzungen von Marktteilnehmern sank die Einzelhandelsnachfrage nach russischen Stillweinmarken im Halbjahr um 4,9 %. Ihr Anteil am Stillweinabsatz fiel demnach von 60,2 % auf 59,5 %, bei Schaumwein von 71,7 % auf 70,9 %. Das Landwirtschaftsministerium nennt leicht abweichende Werte: 59,3 % für russischen Stillwein, ein Plus von 0,02 Prozentpunkten, und 71,21 % für Schaumwein, ein Minus von 0,35 Punkten.
Alternative ausländische Lieferländer gewannen an Boden. Der Absatz argentinischen Stillweins stieg um 30,8 % auf 266.470 Dekaliter, der von moldauischem Wein um 28,8 % auf 133.100 Dekaliter, der von chilenischem Wein um 20 % auf 1,33 Millionen Dekaliter und der von südafrikanischem Wein um 10,2 % auf 978.030 Dekaliter. Bei Schaumwein verzeichneten Produkte aus Moldau, Serbien und Argentinien ebenfalls deutliche Zuwächse. Italienische Weine eroberten Marktanteile zurück und steigerten ihren Absatzanteil von 21,6 % auf 22,5 %.
Die Kosten setzen russische Kellereien zusätzlich unter Druck. Branchenvertreter verwiesen auf teurere Pflanzenschutzmittel, Kredite und Komponenten sowie auf Arbeitskräftemangel und Probleme bei der Kraftstoffversorgung. Die landesweite Weinernte stieg laut Landwirtschaftsministerium im vergangenen Jahr um 5,2 % auf 955.000 Tonnen, doch einzelne Regionen einschließlich der Krim meldeten Rückgänge. Spätfröste auf der Taman-Halbinsel und bei Sewastopol führten zudem zu Engpässen bei bestimmten weißen Rebsorten für Schaumwein.