Russlands Roheisenexporte sinken um 11%, die Türkei nimmt 74% ab
Russland exportierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1,54 Millionen Tonnen Roheisen, 11% weniger als im Vorjahr, wie von Vedomosti veröffentlichte Daten zeigen. Die Türkei bezog 1,14 Millionen Tonnen und damit 74% der russischen Lieferungen.
Russische Exporte fallen auf 1,54 Millionen Tonnen
Russische Metallproduzenten exportierten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 1,54 Millionen Tonnen Roheisen. Das waren 11% weniger als im entsprechenden Zeitraum 2025, zeigen Daten von Metals & Mining Intelligence, die Vedomosti einsehen konnte. Das Ergebnis deutet auf eine schwächere Auslandsnachfrage nach diesem Grundstoff für Stahlwerke und Gießereien hin.
Beim Berichtszeitraum enthalten die bereitgestellten Angaben eine Abweichung. Der Artikeltext von Vedomosti nennt Januar bis Juni 2026, während die dazugehörige Überschrift von Januar bis Mai spricht. Exportmenge und Jahresrückgang sind in beiden Fällen identisch. Im Haupttext beziehen sich die Daten von Metals & Mining Intelligence auf das erste Halbjahr.
Russische Unternehmen verkauften weniger Roheisen im Ausland, während sich die Lieferungen stärker auf ihren größten Markt konzentrierten. Für Käufer bedeutet der Rückgang ein geringeres Volumen russischen Materials im internationalen Handel. Für Produzenten gewinnen jene Absatzländer an Bedeutung, die weiterhin große Partien abnehmen.
Die Türkei übernimmt fast drei Viertel der Lieferungen
Die Türkei war im Berichtszeitraum der größte Käufer russischen Roheisens und importierte 1,14 Millionen Tonnen. Nach den von Vedomosti zitierten Agenturdaten entsprach dies 74% sämtlicher russischer Ausfuhren. Damit nahm die Türkei den überwiegenden Teil der insgesamt 1,54 Millionen Tonnen ab.
Die Konzentration stieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 deutlich. Damals entfielen 50% der russischen Roheisenexporte auf die Türkei. Binnen eines Jahres nahm der Anteil somit um 24 Prozentpunkte zu. Russlands Handelsströme hängen nun wesentlich stärker von Einkaufsentscheidungen, Stahlproduktion und Lagerbedarf eines einzigen Marktes ab.
Türkische Importeure erhalten dadurch Zugang zu einer großen externen Quelle von Eiseneinheiten für die Stahlherstellung. Für russische Exporteure bedeutet eine Konzentration von 74% jedoch geringe Diversifizierung. Änderungen bei Nachfrage, Zahlungsbedingungen, Frachtkapazitäten oder Beschaffungspolitik in der Türkei könnten einen deutlich größeren Teil des Handels betreffen als ein Jahr zuvor.
Russland dominiert die türkische Importversorgung
Russland deckte von Januar bis Juni 2026 insgesamt 90% der türkischen Roheisenimporte, wie die von Vedomosti zitierten Daten von Metals & Mining Intelligence zeigen. Russische Lieferanten sind somit stark vom türkischen Absatzmarkt abhängig, während die Türkei bei ihren Importen weitgehend auf Russland angewiesen ist.
Im ersten Halbjahr 2025 hatte Russlands Anteil an den türkischen Roheisenimporten 75% betragen. Der Anstieg auf 90% entspricht einem Zuwachs um 15 Prozentpunkte. Zusammen mit dem höheren türkischen Anteil an den russischen Ausfuhren zeigen die Zahlen eine stärkere Konzentration in beiden Handelsrichtungen.
Zwischen russischen Produzenten und türkischen Stahlkäufern ist damit eine enge Geschäftsbeziehung entstanden. Russland liefert fast drei Viertel seiner Roheisenausfuhren in die Türkei, während diese neun Zehntel ihrer Importe aus Russland bezieht. Der Rückgang der gesamten russischen Exporte um 11% zeigt, dass die stärkere bilaterale Konzentration die schwachen Lieferungen in andere Auslandsmärkte nicht ausgleichen konnte.