Russlands reifenbezogene Produktion sinkt um 10,3 % auf 19,7 Millionen Stück
Russische Betriebe produzierten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 19,7 Millionen Reifen, Reifendecken und Gummischläuche, 10,3 % weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren betrug das Minus rund 21 %, während Chinas Anteil an den Reifenimporten auf 70 % stieg.
Produktion fällt unter 20 Millionen Stück
Russische Betriebe produzierten in den ersten sechs Monaten 2026 insgesamt 19,7 Millionen Reifen, Reifendecken und Gummischläuche. Das geht aus Daten von Rosstat hervor, über die Rambler Auto berichtete. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025, als rund 22 Millionen Stück hergestellt wurden, sank die Produktion um 10,3 %.
Die Zahlen sprechen für eine anhaltende Schwäche der russischen Reifenindustrie und nicht nur für eine kurzfristige Unterbrechung. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 ging die Produktion um rund 21 % zurück. In den vergangenen vier Jahren schrumpfte die Herstellung von Reifen, Reifendecken und Gummischläuchen insgesamt um 36 %.
Die statistische Kategorie ist breiter als der Markt für Autoreifen. Rosstat fasst Reifen, Reifendecken und Gummischläuche zusammen, sodass sich die Entwicklung bei Pkw-Reifen nicht isoliert ermitteln lässt. Die Daten liefern dennoch einen Maßstab für die Aktivität in der gesamten russischen Reifenindustrie und bei verwandten Gummierzeugnissen.
Ausstoß bleibt deutlich unter früheren Werten
Die Produktion im ersten Halbjahr 2026 lag außerdem deutlich unter den rund 30 Millionen Stück des Jahres 2022. Dieser Vergleich ist relevant, weil damals bereits mehrere ausländische Hersteller den russischen Markt verlassen hatten. Dadurch veränderten sich die Eigentümer- und Lieferantenstrukturen der heimischen Industrie.
Der Rückgang von rund 22 Millionen Stück im ersten Halbjahr 2025 auf 19,7 Millionen ein Jahr später entspricht in der zusammengefassten Rosstat-Kategorie einem Minus von mehr als 2 Millionen Stück. Für russische Werke können niedrigere Mengen eine geringere Kapazitätsauslastung und höhere Fixkosten je Produkt bedeuten. Auch Lieferanten von Gummimischungen, technischen Textilien, Industrieruß und anderen Vorprodukten könnten betroffen sein, ihre Entwicklung wird in den verfügbaren Daten jedoch nicht beziffert.
Die Statistik nennt weder einzelne Hersteller noch Auslastungsquoten der Werke oder das Verhältnis zwischen Ersatzreifen und Lieferungen an Fahrzeugmontagebetriebe. Eine Aufschlüsselung nach Pkw-, Lkw-, Bus- oder Spezialreifen fehlt ebenfalls. Daher lässt sich nicht feststellen, welche Endmärkte den Rückgang hauptsächlich verursacht haben.
Chinesische Anbieter bauen Importanteil aus
Rambler Auto führt einen großen Teil des Branchenrückgangs der vergangenen Jahre auf die Expansion chinesischer Hersteller in Russland zurück. Ihr Anteil an den Reifenimporten stieg von 38 % auf 70 %. Chinesische Unternehmen sind damit zur wichtigsten Quelle importierter Reifen geworden und verschärfen den Wettbewerb für heimische Produzenten im Ersatzgeschäft und in anderen Vertriebskanälen.
Die Verbindung aus sinkender Inlandsproduktion und einem höheren chinesischen Importanteil dürfte die Debatte über Schutzmaßnahmen verstärken. In Russland gibt es Vorschläge für restriktive Zölle auf chinesische Reifen. Das Ausgangsmaterial nennt jedoch weder einen Zollsatz noch einen Einführungstermin oder eine endgültige regulatorische Entscheidung. Schutzmaßnahmen könnten die lokale Fertigung stützen, würden aber die Beschaffungsmöglichkeiten russischer Händler und Käufer einschränken.
Hersteller und Investoren müssen nun beobachten, ob sich die Produktion nach dem Rückgang im ersten Halbjahr stabilisiert und ob die Handelspolitik das Wettbewerbsverhältnis verändert. Importeure und Händler sollten zugleich ihre Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen prüfen, die inzwischen 70 % der Reifenimporte ausmachen. Wegen der breiten Rosstat-Kategorie sind detailliertere Produktions- und Handelsdaten nötig, um zu klären, ob sich Pkw-Reifen genauso entwickeln wie der Gesamtmarkt.