Russlands Pelletproduzenten setzen auf Wärmemarkt und asiatische Käufer
Russlands Holzpelletproduktion erholt sich von ihrem Einbruch nach 2022, während die Hersteller den Inlandsabsatz ausbauen und Käufer in China, Südkorea, der Türkei und der EAWU suchen. Logistik, kommunale Kesselumrüstungen und langfristige Lieferverträge entscheiden über die Entwicklung bis 2030.
Produktion erholt sich von einem tiefen Einbruch
Russlands Holzpelletbranche richtet sich nach den sanktionsbedingten Störungen ihres exportorientierten Geschäfts auf die heimische Wärmeversorgung und Verkäufe nach Asien aus. Laut Vedomosti stieg die Produktion von 0,97 Millionen Tonnen im Jahr 2015 auf 2,8 Millionen Tonnen im Jahr 2022; von 2015 bis 2022 wurden durchschnittlich 85 % der Erzeugung exportiert. Damit hing die Auslastung der Werke stark von europäischer Nachfrage, ausländischen Zertifizierungen und der Seelogistik ab. Die Pellets entstehen vorwiegend aus Sägemehl, Hackschnitzeln und anderen Holzverarbeitungsresten. Der Markt ist deshalb sowohl mit der Aktivität der Sägewerke als auch mit den Heizkosten in Gebieten ohne Gasnetz verbunden.
Nach 2022 brach diese Handelsstruktur deutlich ein. Vedomosti zufolge sank die Produktion 2022 auf 2,07 Millionen Tonnen und 2024 auf 1,10 Millionen Tonnen, fast 61 % unter dem Höchststand von 2021. Durch ein größeres Angebot im Inland und steigende Ausfuhren nach China erholte sie sich 2025 auf 1,31 Millionen Tonnen. Von Januar bis Juni 2026 erzeugten die Unternehmen 639.000 Tonnen und damit 12,2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Die schwerste Phase des Abschwungs dürfte überwunden sein. Viele Hersteller bleiben jedoch von einmaligen Exportlieferungen und saisonalen Inlandskontrakten vor der Heizperiode abhängig, statt über stabile mehrjährige Abnahmeverträge zu verfügen.
Inlandsabsatz ersetzt einen Teil der Exporte
Das Verhältnis zwischen Auslands- und Inlandskanälen hat sich grundlegend verändert. Russland exportierte 2021 insgesamt 2,42 Millionen Tonnen oder 86,5 % seiner Pelletproduktion. Bis 2024 stabilisierten sich die Ausfuhren bei 610.000 Tonnen beziehungsweise 55,5 % der Erzeugung; geschätzte 489.000 Tonnen verblieben im Inland. Ein großer Teil versorgt Regionen außerhalb integrierter Energiesysteme. China und Südkorea bleiben für sibirische Produzenten wichtig, während die Türkei und die Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsunion als neue Absatzmärkte hinzukommen. Nach Angaben von Vedomosti kann Asien die früheren EU-Mengen kurzfristig jedoch nicht ersetzen, da russische Anbieter mit etablierten Exporteuren aus Vietnam und Indonesien konkurrieren.
Der Inlandsmarkt stößt auf ein ähnliches Hindernis: Produktion und Verbrauch liegen häufig weit auseinander. Pelletanlagen stehen vor allem bei Sägewerken im Nordwesten Russlands, in Sibirien und im Fernen Osten. Potenzielle Abnehmer befinden sich dagegen in abgelegenen Orten, die von teurem Heizöl oder Kohle abhängig sind. Transport, Umschlag, trockene Lagerung und saisonale Vorratshaltung können einen erheblichen Teil des Preisvorteils aufzehren. Am wettbewerbsfähigsten sind Projekte, bei denen Rohstoff, Produktion, Lager und Wärmebedarf in einem regionalen Versorgungssystem zusammenkommen. In Regionen mit Gasnetz können Pellets selten mit Erdgas konkurrieren; in abgelegenen Kommunen sind Heizöl, Diesel und angelieferte Kohle die maßgeblichen Alternativen.
Kesselinvestitionen bestimmen die Nachfrage bis 2030
Regionale Programme schaffen größere und besser planbare Abnehmer. In den Haushalten von 12 Regionen wurden über spezielle Staatskredite fast 8 Milliarden Rubel für die Umrüstung von Kesselanlagen auf Pellets vorgesehen. In der Republik Komi umfasst ein Programm 126 Heizwerke mit einem jährlichen Biobrennstoffbedarf von etwa 165.000 Tonnen. Ein Paket aus 25 neuen oder modernisierten Anlagen kostet rund 1,8 Milliarden Rubel, benötigt etwa 35.000 Tonnen Pellets und soll jährlich bis zu 200 Millionen Rubel Brennstoffkosten einsparen. Auch die Region Archangelsk bereitete 2025 die Inbetriebnahme von 20 Pelletheizwerken vor.
Die Nachfrage wächst über die kommunale Wärmeversorgung hinaus. Die Produktion von Brennstoffbriketts erreichte 2025 etwa 232.000 Tonnen und stieg um mehr als 20 %. Auch werkseigene Heizungen von Forstunternehmen, Gewächshäuser, Hotels und Haushalte in nicht an das Gasnetz angeschlossenen Gebieten nutzen Holzbrennstoffe. Im Basisszenario von Vedomosti steigt die Pelletproduktion bis 2030 auf 1,5-1,7 Millionen Tonnen. Das optimistische Szenario sieht 1,9-2,1 Millionen Tonnen vor, falls regelmäßige Lieferungen nach China entstehen und weitere veraltete Heizöl- und Kohlekessel auf Biobrennstoff umgestellt werden. Der Inlandsverbrauch könnte dann 50-55 % der Produktion erreichen. Dafür müssen Investitionen in Kessel, Lager, Transport und Wartung mit verlässlichen Brennstoffverträgen koordiniert werden.