Russlands Kraftstoffmangel bringt mehr als 150 Tankstellen auf den Markt
In Russland wurden binnen eines Monats mehr als 150 Tankstellen zum Verkauf angeboten, da unabhängige Betreiber unter knappen Lieferungen und unwirtschaftlichen Großhandelspreisen leiden. Die Regierung hat Maßnahmen zur Preisstabilisierung gebilligt, während ein Diesel-Exportverbot zusätzliche Mengen in den Binnenmarkt lenkt.
Betreiber bieten Tankstellen zum Verkauf an
Auf Unternehmensseiten und Online-Marktplätzen sind in Russland innerhalb eines Monats mehr als 150 Anzeigen für den Verkauf von Tankstellen erschienen, berichtete Rambler Finance unter Berufung auf Iswestija. Sowohl unabhängige Eigentümer als auch große Ketten bieten Anlagen an, weil der Kraftstoffmangel die Wirtschaftlichkeit des Einzelhandels beeinträchtigt.
Tankstellen werden in den Regionen Brjansk, Wladimir, Iwanowo, Nowosibirsk, Rjasan, Samara und Tambow angeboten. Die Preise reichen von 1 Million bis 150 Millionen Rubel und hängen von Standort, Technik, Betriebsdauer und einer möglichen Franchisebindung ab. Einige Verkäufer begründen den Schritt mit Verlusten und wollen die Erlöse zur Schuldentilgung nutzen oder das Tankstellengeschäft vollständig verlassen.
Private Händler geraten durch Großhandelspreise unter Druck
Marktteilnehmer erklärten gegenüber Iswestija, dass fast 100 % der privaten Tankstellen Russlands mit Schwierigkeiten konfrontiert seien. Unabhängige Betreiber stellen 60 % aller Tankstellen im Land. Nach Angaben der Branche ist Kraftstoff derzeit nicht zu wirtschaftlich tragfähigen Großhandelspreisen verfügbar. Einigen Unternehmen bleibt damit nur die Wahl zwischen einem Verkauf und der vorübergehenden Stilllegung.
Nicht jedes Angebot hängt mit dem aktuellen Engpass zusammen. Gazprom GNP erklärte, die Verkaufsanzeigen auf der eigenen Website seien bereits vor vier Jahren veröffentlicht worden und hätten bislang keine Käufer gefunden. Branchenexperten in dem Bericht erwarten dennoch, dass Übernahmen durch landesweite Ketten zu einem Massenphänomen werden könnten, falls sich die Lage in den kommenden sechs Monaten nicht verbessert. Besonders gefragt wären Stationen an attraktiven Standorten. Auch in früheren Kraftstoffkrisen mussten Betreiber mehrere Monate mit Verlust verkaufen, bevor sie ihre Kosten später ausgleichen konnten.
Regierung lenkt mehr Kraftstoff in den Binnenmarkt
Die russische Regierung billigte am 16. Juli Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise auf dem Markt für Kraft- und Schmierstoffe. Vizepremier Alexander Nowak sagte am 10. Juli, Raffinerien müssten nach Angriffen ukrainischer Drohnen repariert werden. Er bestätigte Engpässe, Warteschlangen und einen instabilen Tankstellenbetrieb, erklärte jedoch, dass sich der Markt nach dem Verbot von Dieselausfuhren allmählich wieder fülle. Die benötigten Mengen sollen in die Regionen geliefert werden, damit Landwirtschaftsbetriebe ihre Erntearbeiten durchführen können.
Nach Angaben von Iswestija sind die Warteschlangen in den Regionen Brjansk, Kaliningrad, Nowgorod, Orjol und Smolensk sowie in Kalmückien, Komi, Primorje und dem Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen deutlich kürzer geworden. In Moskau und im Moskauer Gebiet ist der Mangel nahezu behoben, auch wenn zu Spitzenzeiten weiter Wartezeiten entstehen. Im Süden Russlands bleibt die Lage schwierig. RBC berichtete zudem, dass die sommerliche Krise Winzer auf der Krim getroffen habe; auf der Krim und in Sewastopol sei die Versorgungslage besonders angespannt. Anhaltende Engpässe erhöhen dort die Betriebsrisiken für Landwirtschaft und Verarbeitung, die auf verlässliche Kraftstofflieferungen angewiesen sind.