Russlands Kohleexporte nach Indien steigen im Juli auf 3,62 Millionen Tonnen
Russland lieferte im Juli 2026 insgesamt 3,62 Millionen Tonnen Kohle nach Indien und damit fast das 2,9-Fache des Vorjahresvolumens, zeigen Daten von BigMint. Sowohl Kokskohle als auch Kraftwerkskohle legten deutlich zu, doch Hafenengpässe und Risiken im Schwarzen Meer könnten den Logistikvorteil schmälern.
Beide Kohlesegmente legen im Juli zu
Russlands Kohleexporte nach Indien erreichten im Juli 2026 insgesamt 3,62 Millionen Tonnen. Damit lagen sie fast beim 2,9-Fachen des Volumens vom Vorjahresmonat, wie von Kommersant veröffentlichte Berechnungen des Rohstoffmarktbeobachters BigMint zeigen. Unter Indiens wichtigsten Kohlelieferanten verzeichnete Russland im Juli das stärkste Wachstum.
Die Lieferungen von Kokskohle verdreifachten sich gegenüber dem Vorjahr auf 1,8 Millionen Tonnen. Die Ausfuhren von Kraftwerkskohle stiegen auf das 2,5-Fache und erreichten 1,82 Millionen Tonnen. Gegenüber Juni nahmen die beiden Warenströme um 50% beziehungsweise 21% zu. Die nahezu gleichmäßige Verteilung zeigt, dass russische Anbieter sowohl bei indischen Stahlherstellern als auch bei industriellen Brennstoffverbrauchern Marktanteile gewinnen.
Russland war im Juli Indiens zweitgrößter Kokskohlelieferant hinter Australien, das 3,5 Millionen Tonnen bereitstellte. Diese Stellung ist besonders relevant, weil Indien seine Stahlproduktion erhöht, während die globale Erzeugung sinkt. Der russische Produzent Raspadskaya erklärte, Indien stelle inzwischen den größten Anteil an den Exportlieferungen des Unternehmens.
Rabatte stärken die russische Position
In den ersten sieben Monaten 2026 stiegen Russlands Lieferungen von Kraftwerkskohle nach Indien laut BigMint um 48% auf 7,2 Millionen Tonnen. Damit belegte Russland Rang vier hinter Indonesien mit 49 Millionen Tonnen, Südafrika mit 19 Millionen Tonnen und den USA mit 9,1 Millionen Tonnen. Für russische Kokskohle nannte BigMint keine Siebenmonatszahl.
BigMint führt den wachsenden Anteil russischer Kraftwerkskohle auf Rabatte und wettbewerbsfähige Frachtraten zurück. Für indische Zementhersteller, die stark auf den Endpreis des gelieferten Brennstoffs achten, sind beide Faktoren besonders wichtig. So kann russische Kohle gegen etablierte Lieferanten bestehen, obwohl Indien auf mehrere große Exportregionen zurückgreifen kann.
Die Julizahlen spiegeln zudem die breitere Umlenkung russischer Rohstoffströme zu asiatischen Abnehmern wider. Indische Käufer erhalten eine breitere Lieferantenbasis und Zugang zu rabattierten Ladungen. Russische Bergbauunternehmen finden in Indien Nachfrage nach Kraftwerkskohle und nach Kohle für die Koksherstellung, wodurch ihre Abhängigkeit von schwerer zugänglichen Märkten sinkt.
Hafenzugang bleibt ein Logistikrisiko
Ob der Anstieg Bestand hat, hängt teilweise von den Transportwegen ab. NEFT Research zufolge zwingt die begrenzte Verfügbarkeit russischer Südhäfen indische Käufer von Kokskohle dazu, alternative Lieferwege frühzeitig zu planen. Risiken für die Schifffahrt im Schwarzen Meer belasten diese südlichen Exportkanäle zusätzlich.
Von Kommersant zitierte Marktexperten schätzen, dass indische Importeure etwa 25% der russischen Lieferungen teilweise oder vollständig durch Kohle aus Australien und den USA ersetzen könnten. Eine Umlenkung über östliche und nordwestliche Häfen würde die Bahnstrecken stärker belasten. Steigende Logistikkosten könnten zugleich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit russischer Exporteure schwächen. Langfristige Verträge stützen bislang das indische Interesse, doch Rabatte, Frachtkosten und Liefersicherheit entscheiden darüber, ob das außergewöhnliche Wachstum vom Juli anhält.