Russlands Gebrauchtwagenmarkt wächst im ersten Halbjahr 2026 um 3,5%
In Russland wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 3,2 Millionen Gebrauchtwagen gekauft, 3,5% mehr als im Vorjahr. Lada blieb klarer Marktführer, während Chery mit dem wachsenden Bestand chinesischer Fahrzeuge vom 28. auf den 20. Platz vorrückte.
Gebrauchtwagenmarkt erreicht 3,2 Millionen Fahrzeuge
Russlands Gebrauchtwagenmarkt ist im ersten Halbjahr 2026 gewachsen. Nach Angaben von Alexey Podshchekoldin, dem Leiter des Verbands Russischer Automobilhändler ROAD, kauften Verbraucher rund 3,2 Millionen gebrauchte Fahrzeuge. Gegenüber den ersten sechs Monaten 2025 entsprach dies einem Plus von 3,5%.
Die Monatszahlen zeigen, dass das Wachstum nach einem schwachen Jahresauftakt einsetzte. Im Januar gingen die Verkäufe um 5% zurück, von Februar bis Juni verzeichnete der Markt jedoch durchgehend Zuwächse gegenüber dem Vorjahr. Der Juni war mit 568.000 Halterwechseln der stärkste Monat, nach 523.000 Fahrzeugen im Juni 2025. Laut Pravda.ru und KP.RU betrug der Anstieg 9%.
Lada verteidigt deutlichen Vorsprung vor ausländischen Marken
Die Rangfolge der größten Marken blieb weitgehend stabil. Lada führte mit 706.700 verkauften Gebrauchtwagen. Gemessen am gemeldeten Gesamtvolumen entfiel damit mehr als jede fünfte Transaktion auf die Marke. Toyota belegte den zweiten Platz, gefolgt von Kia, Hyundai und Volkswagen. Die ersten fünf Ränge blieben somit Marken mit großen, über Jahre aufgebauten Fahrzeugbeständen in Russland vorbehalten.
Die Zahlen verdeutlichen, wie wichtig Flottengröße und Fahrzeugalter für den Sekundärmarkt sind. Marken, die seit vielen Jahren in Russland verkauft werden, bieten ein breites Angebot über verschiedene Preisklassen, Baujahre und Regionen hinweg. Dies verschafft russischen, japanischen, südkoreanischen und deutschen Herstellern einen Vorteil, den neue Anbieter auch bei rasch steigenden Neuwagenverkäufen nicht kurzfristig aufholen können.
Chery profitiert vom wachsenden Bestand chinesischer Autos
Chinesische Hersteller gewinnen an Boden, weil zunehmend mehr Fahrzeuge in den Wiederverkaufszyklus gelangen. Den deutlichsten Sprung erzielte Chery: Die Marke stieg binnen eines Jahres vom 28. auf den 20. Platz. Podshchekoldin führte dies auf ihre vergleichsweise lange Präsenz in Russland zurück. Dadurch sei inzwischen ein ausreichend großer Bestand für ein sichtbares Gebrauchtwagenangebot entstanden. Bei anhaltendem Trend könnte Chery innerhalb von fünf Jahren die Top 10 erreichen.
Der Automobilexperte Igor Morzharetto bezeichnete den steigenden Anteil chinesischer Marken als natürliche Folge des wachsenden Fahrzeugbestands. Ihre langfristige Position werde jedoch teilweise davon abhängen, wie gut sich die ersten großen Serien von Elektroautos und Hybriden in einigen Jahren weiterverkaufen lassen. Neben Kilometerstand und Alter werden Käufer und Händler Batteriezustand, Wartungskosten, Ersatzteilversorgung und Restwerte prüfen.
Das Wachstum schafft Chancen, etablierte Vorteile bleiben
Das Plus von 3,5% zeigt, dass die Nachfrage trotz des Rückgangs im Januar widerstandsfähig blieb. Für Händler unterstützt die Beschleunigung im Juni den Lagerumschlag und verbundene Geschäfte wie Finanzierung, Wartung und Ersatzteilverkauf. Der Anstieg um 45.000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahresmonat deutet zudem darauf hin, dass die Marktaktivität gegen Ende des Halbjahres an Dynamik gewann.
Für chinesische Hersteller wird die Entwicklung des Gebrauchtsegments zu einem wichtigen Test des Kundenvertrauens nach dem Erstverkauf. Cherys Aufstieg um acht Positionen belegt den wachsenden Bestand, doch der Abstand zu Lada und anderen etablierten Marktführern bleibt groß. Die künftige Rangfolge hängt nicht allein von Neuwagenauslieferungen ab, sondern auch davon, wie schnell Fahrzeuge wieder auf den Markt kommen und wie Käufer Wiederverkaufspreise, Reparaturkosten und technischen Zustand bewerten.