Russlands Edelstahlproduktion sinkt im ersten Halbjahr 2026 um 18,3 %
Russland produzierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 70.800 Tonnen wichtiger Edelstahlprodukte, teilte der Branchenverband Spetsstal mit. Das waren 18,3 % weniger als im Vorjahr; die Ausfuhren sanken um 16,5 % auf 14.500 Tonnen.
Rückgang in sämtlichen erfassten Produktgruppen
Die russische Produktion wichtiger Edelstahlprodukte ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gesunken. Die Entwicklung weist auf eine breite Abschwächung entlang der Verarbeitungskette hin. Von Januar bis Juni wurden 70.800 Tonnen hergestellt, 18,3 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte der Verband der Verbraucher und Lieferanten von Spezialstählen und Legierungen Spetsstal mit.
Alle vom Verband ausgewiesenen Produktgruppen verzeichneten einen Rückgang. Die Produktion von Edelstahl-Langerzeugnissen sank um 16,7 %, die von geschweißten Rohren um 20,9 %. Bei warmgewalzten Flacherzeugnissen betrug das Minus 14,9 %, bei kaltgewalzten Flacherzeugnissen 11,5 %. Den stärksten Einbruch meldete Spetsstal für nahtlose Rohre mit 31,4 %. Damit schwächte sich die Aktivität sowohl bei Flach- und Langerzeugnissen als auch in der höherwertigen Rohrfertigung ab.
Exporte schrumpfen parallel zur Produktion
Auch Russlands Ausfuhren von Edelstahlprodukten gingen zurück. Die Angabe schließt Lieferungen in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion ein. Im ersten Halbjahr sanken die Exporte laut Spetsstal gegenüber dem Vorjahr um 16,5 % auf 14.500 Tonnen. Der Rückgang fiel etwas geringer aus als bei der Gesamtproduktion, entzog Hüttenwerken und Verarbeitern aber dennoch einen wichtigen Teil der Nachfrage.
Gemessen an den Verbandszahlen entsprach die Exportmenge ungefähr einem Fünftel der ausgewiesenen Produktion. Allerdings könnten die beiden Datensätze unterschiedliche Produktgruppen abdecken. Dass sowohl Produktion als auch grenzüberschreitende Lieferungen zurückgingen, zeigt, dass Auslandsmärkte die Schwäche anderer Absatzkanäle nicht ausgleichen konnten. Die Ausgangsdaten enthalten weder eine Aufschlüsselung nach Ländern noch Preise, Produktionszahlen einzelner Unternehmen oder Importdaten. Der Einfluss von Nachfrage, ausländischem Wettbewerb, Anlagenauslastung und weiteren betrieblichen Faktoren lässt sich deshalb nicht eindeutig bestimmen.
Weitere stahlverarbeitende Branchen unter Druck
Die Edelstahlzahlen treffen auf einen schwachen Ausblick für ein weiteres wichtiges Segment des russischen Metallmarktes. Nach den von Lenta.ru und Rossaprimavera.ru wiedergegebenen Angaben dürfte die Produktion von Metallkonstruktionen im Gesamtjahr 2026 um 10 % sinken. Bereits im Vorjahr war der russische Walzstahlverbrauch zur Herstellung von Metallkonstruktionen um 12 % auf 5,3 Millionen Tonnen zurückgegangen.
Edelstahl und Baustahl bedienen unterschiedliche Endmärkte, weshalb die Kennzahlen nicht unmittelbar vergleichbar sind. Der Rückgang in beiden Bereichen signalisiert dennoch Belastungen für Verarbeiter und stahlverbrauchende Industrien. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Minus von 31,4 % bei nahtlosen Edelstahlrohren, vor allem für Lieferanten industrieller Anwendungen. Die niedrigere Produktion kalt- und warmgewalzter Flacherzeugnisse betrifft einen breiteren Kreis von Herstellern. Für Werke und Händler wird im zweiten Halbjahr entscheidend sein, ob sich Inlandsaufträge stabilisieren, die Exporte erholen und wie sich der schwächere nachgelagerte Verbrauch auf Auslastung und Lagerbestände auswirkt.