Russlands Alkoholkonsum fällt auf 7,52 Liter und damit auf den tiefsten Stand seit 1996
Der Alkoholkonsum in Russland sank bis Ende August auf 7,52 Liter reinen Alkohol je Einwohner und damit auf den niedrigsten Stand seit 1996. Höhere Preise und Verbrauchsteuern, strengere Kontrollen und veränderte Vorlieben belasten vor allem Wodka und andere traditionelle Spirituosen.
Konsum erreicht den niedrigsten Stand seit 1996
Der Alkoholkonsum in Russland ist weiter gesunken und lag Ende August bei 7,52 Litern reinem Alkohol je Einwohner, berichtete Vesti unter Berufung auf den Alkoholmarktexperten Maxim Tschernigowski, außerordentlicher Professor an der Präsidentenakademie in St. Petersburg. Damit wurde der niedrigste Wert seit 1996 erreicht.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums konsumierten die Einwohner 1996 jährlich 7,5 Liter reinen Alkohol pro Kopf. Tschernigowski bezweifelt allerdings, dass die drei Jahrzehnte alten Daten präzise und uneingeschränkt vergleichbar sind. Unterschiedliche Berechnungsmethoden führen auch bei aktuellen Marktwerten zu erheblichen Abweichungen.
Rosstat bezifferte den Konsum im vergangenen Jahr auf 6,16 Liter reinen Alkohol je durchschnittlichem Einwohner. Der Unterschied ist methodisch bedingt: Rosstat erfasst offizielle Verkäufe, während das Gesundheitsministerium den Gesamtkonsum einschließlich legal produzierter, selbst hergestellter und illegaler Getränke schätzt.
Preise, Kontrollen und Generationenwechsel verändern die Nachfrage
Tschernigowski führte den Rückgang auf höhere Einzelhandelspreise und Verbrauchsteuern, strengere Marktkontrollen, einen veränderten Lebensstil und den Generationenwechsel zurück. Besonders deutlich schrumpft das Spirituosensegment. Wodka verliert einen Teil der dominierenden Stellung, die das Getränk bei Konsumenten mit in der Sowjetzeit geprägten Vorlieben innehatte.
Jüngere Verbraucher verzichten laut dem Experten nicht vollständig auf Alkohol, orientieren sich aber weniger an Wodka und anderen traditionellen Spirituosen. Der Wandel gehört zu einer breiteren Veränderung beim Umgang mit Rauchen, E-Zigaretten, Energydrinks und Gesundheit. Zugleich nimmt die Zahl der Verbraucher mit sowjetisch geprägten Präferenzen ab.
Der Produktmix ist dadurch breiter geworden. Bier und Biermischgetränke spielen eine größere Rolle, während die Auswahl an Wein, Schaumwein, Likören, Spirituosen und Cocktailformaten gewachsen ist. Tschernigowski bewertete den sinkenden Spirituosenanteil positiv, betonte jedoch, dass Wodka und Bier weiterhin den größten Teil des legalen Alkoholumlaufs stellen.
Wodkaabsatz zeigt das Ausmaß der Veränderung
In Russland wurden 1995 insgesamt 284,8 Millionen Dekaliter Wodka und andere destillierte alkoholische Getränke verkauft. 2025 waren es nach Tschernigowskis Auswertung statistischer Daten und eigener Untersuchungen rund 92 Millionen Dekaliter. Der Rückgang auf weniger als ein Drittel verdeutlicht den tiefgreifenden Wandel der russischen Alkoholnachfrage.
Jüngere Produktionszahlen weisen in dieselbe Richtung. Die russische Wodkaproduktion sank gegenüber dem Vorjahreswert um 12,1% auf 39,64 Millionen Dekaliter. Hersteller und Händler müssen daher mit anhaltendem Druck auf traditionelle, volumenstarke Wodkaportfolios und stärkerem Wettbewerb bei Bier, Wein, Schaumwein und trinkfertigen Cocktails rechnen. Bei der Bewertung des legalen Marktvolumens bleibt zudem die Differenz zwischen offiziellen Verkaufszahlen und breiteren Konsumschätzungen einschließlich selbst hergestellter und illegaler Produkte relevant.