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Russland verschärft Methanolkontrollen nach Fund von rund 280 Tonnen illegaler Ware

Russland verbietet den Einzelhandelsverkauf von Methanol sowie dessen Verkehr durch Privatpersonen und regelt Kennzeichnung, Vergällung, Lagerung, Transport und Vernichtung. In diesem Jahr wurden bereits rund 280 Tonnen illegales Methanol und methanolhaltige Flüssigkeiten entdeckt.

Russland verschärft Methanolkontrollen nach Fund von rund 280 Tonnen illegaler Ware

Russland schafft ein einheitliches Kontrollsystem

Russland verschärft die Aufsicht über Herstellung, Vertrieb und Handhabung von Methanol, nachdem es jahrelang keine einheitliche Regulierung gab. Das neue System untersagt den Einzelhandelsverkauf und den Verkehr durch Privatpersonen. Zugleich gelten Anforderungen für Warnkennzeichnungen, Lagerung, Transport und Vernichtung.

Sergej Rjabuchin, erster stellvertretender Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses des Föderationsrates, erklärte gegenüber der Parlamentskaja Gaseta, das Gesetz solle Vergiftungen reduzieren, ohne die legitime industrielle Nutzung zu beeinträchtigen. Methanol wird für Produkte von Kunststoffen bis zu Benzin verwendet und dient in einigen Ländern auch als Kraftstoff.

Methanol und methanolhaltige Flüssigkeiten müssen mit Warnhinweisen versehen werden, die den gefährlichen Inhalt klar ausweisen. Bis auf einzelne Ausnahmen ist Methanol außerdem zu vergällen, damit es nicht als Alkohol konsumiert werden kann. Dabei müssen die wesentlichen chemischen Eigenschaften erhalten bleiben, was für Hersteller und industrielle Abnehmer entscheidend ist.

Sicherstellungen zeigen Lücken in der Lieferkette

Nach Angaben des Industrie- und Handelsministeriums, die von der Parlamentskaja Gaseta zitiert wurden, entdeckten die Behörden in diesem Jahr rund 280 Tonnen illegales Methanol und methanolhaltige Flüssigkeiten. Der größte Teil entfiel auf Scheibenwaschmittel; Methanol wurde jedoch auch in einem Antiseptikum gefunden.

Rjabuchin zufolge lässt sich dieses Volumen nicht durch versehentliche Abflüsse aus der Produktion erklären. Die Regierung erwägt deshalb ein Erfassungssystem für Produktions-, Verkaufs- und Lagerbestände. Abweichungen zwischen diesen Werten könnten den Kontrolleuren als Ausgangspunkt für Ermittlungen wegen einer möglichen Umleitung in illegale Kanäle dienen.

Das geplante Modell könnte sich an den Kontrollen des russischen Alkoholmarkts orientieren. Zudem bereiten die Behörden Vorschläge zur Sperrung von Internetseiten mit Methanolverkaufsangeboten vor. Rjabuchin zufolge könnten entsprechende Initiativen im nächsten Jahr nach einer Zwischenbilanz der Regulierung vorgelegt werden.

Höhere Strafen steigern das Compliance-Risiko

Unternehmen, die Methanol im Einzelhandel verkaufen, drohen Geldbußen von 200.000 bis 300.000 Rubel. Illegale Produkte und die zu ihrer Herstellung eingesetzten Anlagen können ebenfalls beschlagnahmt werden. Bei illegalem Methanol in Erzeugnissen wie Scheibenwaschmitteln stieg die Höchststrafe laut dem Interview von 2.000 auf 50.000 Rubel.

Für besonders schwere Fälle gelten strafrechtliche Sanktionen. Führt das Verhalten eines Verantwortlichen zum Tod von zwei oder mehr Menschen durch Methanolvergiftung, drohen bis zu 10 Jahre Haft. Rjabuchin betonte, der Erfolg der Vorschriften werde von ihrer konsequenten Anwendung durch die Kontrollbehörden abhängen.

Industriekunden müssen mehr Nachweise führen

Die erweiterte Regulierung dürfte Hersteller, Händler, Lagerbetreiber, Frachtführer und industrielle Verbraucher zu detaillierteren Aufzeichnungen und strengeren Prüfungen ihrer Geschäftspartner verpflichten. Kennzeichnung und Vergällung schaffen zusätzliche Arbeitsschritte, insbesondere für Anbieter von Methanol in loser Form und Unternehmen, die den Stoff weiterverarbeiten.

Die gesundheitspolitische Begründung ist erheblich. Bereits 5-10 Gramm Methanol können eine schwere Vergiftung verursachen; die tödliche Dosis beginnt bei 30 Gramm. Die amtliche Statistik verzeichnet jährlich rund 1.500 Vergiftungen. Etwa 10 % der Vergiftungen durch alkoholhaltige Produkte entfielen auf Methanol.

Russland hat binnen neun Jahren mehr als 30 Gesetze gegen den illegalen Alkoholmarkt verabschiedet. Laut Rjabuchin sank die Zahl der Vergiftungen in diesem Zeitraum um fast 40 %, die alkoholbedingte Sterblichkeit um ein Drittel und die illegale Produktion um die Hälfte. In der nächsten Phase soll Methanol lückenloser nachvollziehbar werden, wodurch korrekte Bestände und dokumentierte Warenbewegungen zu zentralen Pflichten für legale Marktteilnehmer werden.

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