Russland zählt nach starkem Wachstum zu Chinas drei größten LNG-Lieferanten
Russlands LNG-Lieferungen sind binnen zehn Jahren um mehr als das 50-Fache gestiegen, womit das Land zu Chinas drei größten Anbietern gehört, erklärte Vizepremier Alexander Nowak. Gleichzeitig belasten höhere Preise und Störungen im Nahen Osten Chinas gesamte LNG-Nachfrage.
Russisches LNG gewinnt in China an Bedeutung
Russland ist nach einem raschen Lieferwachstum im vergangenen Jahrzehnt zu einem der drei führenden Lieferanten von Flüssigerdgas für China aufgestiegen. Die russischen LNG-Exporte hätten sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verfünfzigfacht, sagte Vizepremier Alexander Nowak laut einer von Lenta.ru aufgegriffenen Meldung der Nachrichtenagentur TASS.
Nowak bezeichnete den LNG-Transport über See als Ergänzung zu den Pipeline-Lieferungen. Russische Produzenten erhalten damit einen weiteren Zugang zum chinesischen Energiemarkt. Absolute Liefermengen, den Handelswert sowie die Namen und Marktanteile der beiden anderen führenden Anbieter nannte er nicht. Die gemeldete Platzierung zeigt dennoch, dass sich russisches LNG von einem begrenzten Warenstrom zu einem bedeutenden Bestandteil der diversifizierten chinesischen Gasbeschaffung entwickelt hat.
Chinesische Beteiligung reicht über den Einkauf hinaus
Chinesische Konzerne seien zudem an großen Energieprojekten in der russischen Arktis beteiligt, erklärte Nowak. Damit wird die langfristige Projektentwicklung mit dem Ausbau der LNG-Lieferungen nach China verbunden. Chinesische Käufer und Investoren sind dadurch direkter mit russischen Produktionskapazitäten verknüpft.
Russland kann mit LNG Märkte erreichen, die nicht an sein Pipelinenetz angeschlossen sind. Für China können Käufe aus russischen Arktisprojekten die Auswahl an Bezugsquellen und Transportrouten erweitern. Aus dem Ausgangsmaterial geht nicht hervor, auf welche Projekte und Unternehmen sich Nowak bezog. Auch Beteiligungsquoten, Finanzierungsbedingungen und geplante Kapazitäten wurden nicht genannt.
Der Anstieg um mehr als das 50-Fache bezieht sich auf zehn Jahre und begann somit auf einer vergleichsweise niedrigen Basis. Die Zahl belegt das hohe Wachstumstempo, zeigt für sich genommen aber weder Russlands aktuellen Anteil an den chinesischen LNG-Importen noch eine Fortsetzung dieses Tempos im jüngsten Jahr.
Hohe Preise belasten Chinas LNG-Nachfrage
Russlands stärkere Lieferposition fällt in eine Phase, in der Chinas gesamte LNG-Einfuhren unter Druck stehen. Analysten von Kpler schätzen, dass die chinesischen Importe im August gegenüber August 2025 um 18 % auf vermutlich 5,2 Millionen Tonnen zurückgingen. Lenta.ru führte den Rückgang auf die Lage im Nahen Osten und den dadurch ausgelösten Preisanstieg zurück.
Auf die Golfstaaten entfallen rund 30 % der chinesischen LNG-Importe. Chinesische Käufer sind daher Störungen und Preisbewegungen in dieser Region ausgesetzt. In den letzten Augusttagen verlängerte Katar die Erklärung höherer Gewalt für LNG-Lieferungen an Kunden in Europa und Asien. Betroffene Mengen, einzelne Verträge und die Dauer der Maßnahme wurden nicht angegeben.
Für die Marktteilnehmer wirken diese Faktoren in unterschiedliche Richtungen. Geringere chinesische Käufe können die kurzfristige Nachfrage nach Spotladungen begrenzen, während die Unsicherheit über Lieferungen aus der Golfregion alternative Quellen aufwertet. Russische Exporteure könnten von ihrer etablierten Position und der chinesischen Beteiligung an Arktisprojekten profitieren. Die verfügbaren Zahlen belegen jedoch nicht, dass Russlands Lieferungen im August trotz sinkender chinesischer Gesamtimporte gestiegen sind.