Russland und Türkei unterzeichnen Memorandum über Düngemittellieferungen
Russland und die Türkei haben eine Absichtserklärung über Lieferungen mineralischer Düngemittel unterzeichnet, die Grundlage für wachsende russische Exporte schaffen soll. Das Dokument nimmt die Türkei von russischen Ausfuhrbeschränkungen für Stickstoff- und Phosphatdünger sowie Ammoniak aus. Die Türkei benötigt rund 7 Millionen Tonnen Dünger im Jahr, produziert aber kaum 5 Millionen Tonnen.
Russland und die Türkei haben eine Absichtserklärung über Lieferungen mineralischer Düngemittel unterzeichnet. Das Dokument soll die Grundlage für ein Wachstum der russischen Düngemittelexporte schaffen, wie die Agentur PRIME am 9. September 2026 berichtete.
Die Vereinbarung entstand, während Ankara vor der Aussaatkampagne nach Alternativen zu Lieferungen aus dem Nahen Osten suchte. Nach Angaben von Bloomberg, die 24tv.ua zitiert, sollte das Memorandum in Moskau vom türkischen Vizeminister Ahmet Bağcı und seinem russischen Amtskollegen Maxim Borovoy unterzeichnet werden.
Inhalt des Memorandums
Das Dokument nimmt die Türkei von den russischen Ausfuhrbeschränkungen für Stickstoff- und Phosphatdünger sowie für Ammoniak aus. Genau diese Ausnahme ist der operative Kern der Vereinbarung: Türkische Käufer können damit Mengen kontrahieren, die sonst unter das Moskauer Quotenregime fielen.
Unmittelbarer Zweck ist es, ein Harnstoffdefizit zu decken, das durch Lieferunterbrechungen bei Produzenten aus den Golfstaaten entstanden ist. Wegen des Krieges im Iran und der faktischen Schließung der Straße von Hormus hat die Türkei Schwierigkeiten beim Einkauf von Harnstoff, Ammoniak und Schwefel, berichtet 24tv.ua. Russland hatte bereits zuvor einen Teil seiner Beschränkungen für Ammoniak- und Harnstoffexporte gelockert, um der Türkei bei der steigenden Nachfrage zu helfen. Die neue Vereinbarung soll den Landwirten die Rohstoffversorgung vor Beginn der Aussaat sichern.
Die türkische Produktionslücke
Hinter dem Geschäft steht eine strukturelle Lücke im Land selbst. Türkische Werke können mehr als 8 Millionen Tonnen Dünger pro Jahr herstellen, die tatsächliche Produktion erreicht jedoch kaum 5 Millionen Tonnen bei einem Jahresbedarf von 7 Millionen Tonnen. Rund ein Drittel des ausgebrachten Düngers stammt damit aus Importen, und dieses Importportfolio muss jedes Mal neu zusammengestellt werden, wenn eine wichtige Bezugsquelle ausfällt.
- Nennkapazität: mehr als 8 Millionen Tonnen jährlich
- Tatsächliche Produktion: kaum 5 Millionen Tonnen
- Jahresbedarf: 7 Millionen Tonnen
Russische Quoten und Schwarzmeer-Logistik
Russland ist der zweitgrößte Düngemittelproduzent der Welt und liefert rund 20 % der weltweit gehandelten Nährstoffe. Der Export ist durch den Krieg gegen die Ukraine gestört, und zwar kommerziell wie physisch. Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer haben den Transport erschwert und russische Lieferungen in die Türkei verteuert. Moskau verlädt deshalb einen wachsenden Anteil über Häfen an der Ostsee – ein deutlich längerer Seeweg zu den türkischen Terminals.
Zugleich beschränkt Moskau die Ausfuhren insgesamt und gibt dem Binnenmarkt Vorrang. Russische Produzenten dürfen vom 1. Juni bis 30. November nur 20 Millionen Tonnen Dünger ausführen, darunter Stickstoffprodukte; der Export von Ammoniumnitrat wurde vorübergehend vollständig ausgesetzt. Die türkische Ausnahme wirkt somit innerhalb der Obergrenze und nicht daneben – die Verteilung der Restquote wird damit für andere Käufer zur akuten kommerziellen Frage.
Nachfragedruck über die Türkei hinaus
Nicht nur Ankara greift auf russische Mengen zurück. Indien, einer der größten Düngemittelimporteure der Welt, verhandelt laut 24tv.ua mit Russland über höhere Lieferungen – wegen der angespannten Lage im Nahen Osten und der Exportbeschränkungen aus China. Zwei große Importprogramme konkurrieren damit um die Mengen eines Produzenten, der seine eigene Exportobergrenze per Verordnung festlegt. Das setzt den Rahmen für die Stickstoffpreise bis zur nächsten Ausbringungssaison.
Die Darstellung des Ablaufs unterscheidet sich zwischen den Medien: 24tv.ua beschrieb Ankara als in Vorbereitung zur Unterzeichnung, während PRIME das Dokument als unterzeichnet meldete.