Russlands Netzbetreiber prognostiziert bis 2032 jährlich 1,87 Prozent mehr Stromverbrauch
Der Systemoperator des Einheitlichen Energiesystems Russlands erwartet von 2027 bis 2032 ein durchschnittliches Wachstum des Stromverbrauchs von 1,87 Prozent pro Jahr auf einen Rekordwert von 1.301.828 Millionen kWh. Der Programmentwurf sieht die Stilllegung von mehr als 7 GW Kern- und Wärmekraftleistung, den Zubau von über 22 GW und eine installierte Gesamtleistung von 275 GW bis 2032 vor.
Der Stromverbrauch in Russland wird zwischen 2027 und 2032 im Durchschnitt um 1,87 Prozent pro Jahr steigen und zum Ende des Zeitraums Rekordwerte erreichen. Das geht aus einer Prognose des Systemoperators des Einheitlichen Energiesystems hervor, über die RIA Nowosti berichtet.
Die Schätzung ist Teil eines Entwurfs für Schema und Programm zur Entwicklung der Elektrizitätssysteme des Landes in diesen Jahren. Das Dokument wurde föderalen und regionalen Behörden zur Prüfung zugeleitet, seine Parameter sind damit noch nicht endgültig.
Verbrauch steuert auf Rekordwert von 1.301.828 Millionen kWh zu
"Verbrauchsprognose bis 2032. Einheitliches Energiesystem Russlands: Strom - 1.301.828 Millionen kWh (durchschnittlich +1,87 Prozent pro Jahr), Leistung - 190.265 MW (+2,19 Prozent pro Jahr)", heißt es in der von RIA Nowosti zitierten Mitteilung des Betreibers.
Der Arbeitswert entspricht rund 1.302 TWh. Für die Planung ist die zweite Zahl aussagekräftiger: Die Spitzenlast wächst mit 2,19 Prozent pro Jahr schneller als der Verbrauch mit 1,87 Prozent. Eine schneller steigende Höchstlast bestimmt, wie viel Erzeugungs- und Netzkapazität in den angespanntesten Stunden des Jahres verfügbar sein muss - nicht die Zahl der über zwölf Monate abgesetzten Kilowattstunden.
Über 22 GW Zubau gegen mehr als 7 GW Stilllegungen
Das Programm sieht in den kommenden sechs Jahren einen deutlichen Umbau des Kraftwerksparks vor. Die wesentlichen Eckwerte:
- Stilllegung von mehr als 7 GW Kern- und Wärmekraftleistung;
- Zubau von über 22 GW neuer Erzeugung, darunter Wärme-, Kern-, Solar- und Windkraftwerke;
- installierte Gesamtleistung aller Kraftwerke des Landes von 275 GW bis 2032;
- leicht sinkender Anteil der Wärmekraftwerke, während sich der Anteil erneuerbarer Quellen verdoppelt.
Nach den eigenen Zahlen des Betreibers stehen 275 GW installierter Leistung einer prognostizierten Spitzenlast von 190.265 MW gegenüber, ein Puffer von rund 85 GW. Diese Reserve deckt geplante und ungeplante Ausfälle, saisonale Verfügbarkeitsgrenzen und Reserveanforderungen ab. Deshalb werden Stilllegungen und Zubau in einem Dokument geplant und nicht getrennt betrachtet.
Anteil der Erneuerbaren verdoppelt sich, Wärmekraft gibt leicht nach
Absolute Werte zur Struktur des Jahres 2032 nennt der Betreiber in den veröffentlichten Angaben nicht; es heißt lediglich, der Anteil der Wärmekraftwerke sinke leicht, jener der erneuerbaren Quellen verdopple sich. Da die Zubauliste neben Solar und Wind auch Wärme- und Kernkraftblöcke enthält, kommt das Wachstum der Erneuerbaren zusätzlich zum konventionellen Zubau und nicht an dessen Stelle. Bei über 22 GW Zubau und gut 7 GW Stilllegungen wächst der Park netto, was die Geschwindigkeit von Anteilsverschiebungen begrenzt.
Für Anlagenbauer, Engineering-Unternehmen und Finanzierer ist der Sechsjahreshorizont der entscheidende Punkt. Turbinen, Reaktorkomponenten, Transformatoren und Netzanschlüsse werden Jahre vor der Inbetriebnahme bestellt, ein Programm bis 2032 schlägt sich also deutlich früher in Beschaffungsentscheidungen nieder.
Aktuelle Nachfrage bleibt hinter dem Prognosetrend zurück
Die tatsächliche Entwicklung liegt derzeit unter dem ab 2027 unterstellten Tempo. Wie die Zeitung WSGLJAD berichtete, teilte der Leiter des Systemoperators, Fedor Opadtschi, im Sommer mit, der Stromverbrauch in Russland sei seit Jahresbeginn um 0,7 Prozent gestiegen.
Auf der Leistungsseite zeigt sich ein anderes Bild. Im Januar verzeichnete das Einheitliche Energiesystem einen historischen Rekord beim Verbrauch elektrischer Leistung, und das Unternehmen meldete für das Vorjahr einen Zuwachs der installierten Leistung russischer Kraftwerke um 1,1 GW. Der Abstand zwischen heutigen 0,7 Prozent und 1,87 Prozent pro Jahr ab 2027 ist die zentrale Annahme des Dokuments: Sie unterstellt, dass im Prognosezeitraum neue industrielle und andere große Verbraucher ans Netz gehen. Da der Entwurf noch von föderalen und regionalen Behörden geprüft wird, können sowohl der Nachfragepfad als auch der Zubaufahrplan vor der Genehmigung noch geändert werden.