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Russland prüft Mini-Raffinerien gegen Kraftstoffdefizit, doch Rohöl und Finanzierung fehlen

Russland erwägt ein größeres Netz von Mini-Raffinerien als Reserve bei Wartungsarbeiten und logistischen Störungen. Begrenzte Rohölmengen, hohe Verluste und fehlende Anlagen für normgerechtes Benzin schränken das Vorhaben ein.

Russland prüft Mini-Raffinerien gegen Kraftstoffdefizit, doch Rohöl und Finanzierung fehlen

Kleine Raffinerien als Reservekapazität

Die russische Regierung prüft den Aufbau eines Netzes von Mini-Raffinerien als Instrument gegen Kraftstoffengpässe auf dem Binnenmarkt, berichtet Pravda.ru. Präsident Wladimir Putin unterstützte den Bau kleiner Anlagen im Juli 2026. Sie könnten Reservekapazität bereitstellen, wenn große Raffinerien planmäßig gewartet werden oder logistische Störungen die Kraftstoffversorgung behindern.

Als Mini-Raffinerien gelten Betriebe mit einer primären Rohölverarbeitung von bis zu 1 Million Tonnen pro Jahr. Russland verfügte früher über einen bedeutenden Sektor: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren zwischen 250 und 300 solcher Anlagen in Betrieb. Bis Ende 2015 schlossen die meisten wegen mangelnder Rentabilität oder weil sie die Vorgaben der russischen Aufsichtsbehörde Rostekhnadzor nicht erfüllten.

Kraftstoffnorm offenbart technische Lücke

Ministerpräsident Michail Mischustin unterzeichnete im Juli 2026 die Verordnung Nr. 819. Sie erlaubt bis zum Jahresende die Herstellung von Benzin der Umweltklasse K3, die der Euro-3-Norm entspricht. Die Regelung soll den Aufbau einer Notfallreserve erleichtern, macht Mini-Raffinerien aber nicht automatisch wirtschaftlich oder technisch zur Produktion des benötigten Kraftstoffs fähig.

Die meisten kleinen Anlagen nutzen lediglich die atmosphärische Destillation von Rohöl. Dabei entsteht Straight-Run-Benzin mit einer niedrigen Oktanzahl von 40-60. Für K3-Kraftstoff sind weitere Verarbeitungsschritte wie katalytisches Cracken, Reformieren oder Hydrotreating erforderlich, über die russische Mini-Raffinerien kaum verfügen. Der Mineralölmarktanalyst Gennadi Tschernow erklärte, Additive allein könnten Straight-Run-Benzin nicht auf K3-Niveau bringen, da auch die Fraktionszusammensetzung verändert und der Schwefelgehalt reduziert werden müssten.

Hinzu kommt die schwache Finanzlage. Nach von Pravda.ru zitierten Daten von НААНС-МЕДИА verbuchte eine Gruppe von 21 kleinen Raffinerien 2025 einen Gesamtverlust von rund 12 Milliarden Rubel. Zugleich fehlt es an Rohöl. Im Zuge der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten stiegen Russlands Rohölexporte, während die Förderung stabil blieb und im Juni 2026 bei 8,929 Millionen Barrel pro Tag lag. Der Makroökonom Artjom Loginow erklärte, für eine Wiederbelebung der kleinen Anlagen müsse der Staat Produzenten und Raffinerien koordinieren, um ausreichende Rohöllieferungen sicherzustellen.

Modernisierung könnte schneller sein als Neubau

Neue Mini-Raffinerien bieten keine schnelle Lösung, weil ihre Errichtung zwischen 2 und 6 Jahren dauert. Die Modernisierung vorhandener Standorte könnte schneller erfolgen, vor allem wenn Tanklager, Bahnverladeanlagen und weitere grundlegende Infrastruktur bereits bestehen. Auch dafür werden jedoch Kapital und Anlagen zur Sekundärverarbeitung benötigt.

China könnte Ausrüstung liefern. Im Rahmen seines Programms zur Umstrukturierung des Energiesektors für 2026-2028 will das Land ältere Raffinerien mit einer Kapazität von weniger als 2 Millionen Tonnen pro Jahr schließen. Dadurch könnte ein Markt für günstige gebrauchte Crack-, Reforming- oder Hydrotreating-Anlagen für russische Käufer entstehen. Pravda.ru weist jedoch auf Sicherheits- und Umweltrisiken hin, die ihren Einsatz erschweren könnten.

Mini-Raffinerien würden dem System damit zusätzliche Flexibilität geben, große Kapazitäten aber nicht kurzfristig ersetzen. Pravda.ru nennt außerdem mehrere eingefrorene Projekte, die Russlands Raffineriebasis deutlich erweitern könnten: das Projekt der Eastern Petrochemical Company mit 12 Millionen Tonnen pro Jahr, eine Anlage auf Sachalin mit 3 Millionen Tonnen sowie die zweite Ausbaustufe der Raffinerie Chabarowsk mit 10 Millionen Tonnen pro Jahr. Rohölzuteilung, Finanzierung und Ausrüstungsverfügbarkeit entscheiden darüber, ob kleine Raffinerien vor dem Fortschritt dieser Großprojekte zur Kraftstoffreserve beitragen können.

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