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Russland prüft Aufnahme von 19 Arzneimitteln in die Liste unentbehrlicher Medikamente

Eine Kommission des russischen Gesundheitsministeriums prüft 19 Arzneimittel für die nationale Liste unentbehrlicher Medikamente. Neun davon bewerben sich zugleich um die Aufnahme in ein föderal finanziertes Programm für 14 kostenintensive Erkrankungen.

Russland prüft Aufnahme von 19 Arzneimitteln in die Liste unentbehrlicher Medikamente

Kommission prüft 19 Arzneimittel

Russland bereitet eine umfassende Anpassung seiner Arzneimittelversorgung vor. Eine Fachkommission des Gesundheitsministeriums wird Anträge auf Aufnahme von 19 Medikamenten in die nationale Liste lebenswichtiger und unentbehrlicher Arzneimittel, kurz ZhNVLP, prüfen. Nach Angaben von Pravda.ru soll die Beratung Anfang August stattfinden. Neun Kandidaten streben gleichzeitig die Aufnahme in das föderale Programm für 14 kostenintensive Erkrankungen an, über das besonders teure Therapien aus dem Bundeshaushalt finanziert werden.

Die Aufnahme in die Liste unterwirft ein Arzneimittel staatlichen Preisobergrenzen und schafft einen Rahmen für kontinuierliche öffentliche Beschaffung. Anspruchsberechtigte Patienten können die Präparate zudem kostenlos auf Rezept erhalten. Hersteller gewinnen dadurch besser planbare institutionelle Nachfrage, müssen jedoch mit begrenztem Spielraum bei der Preisgestaltung arbeiten.

Die Anträge betreffen vor allem schwere chronische und seltene Krankheiten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Kombination aus Ivacaftor, Tezacaftor und Elexacaftor gegen Mukoviszidose sowie Therapien gegen das multiple Myelom. Die Kommission wird außerdem Verenafusp alfa unter dem Handelsnamen Clotilia beraten. Pravda.ru bezeichnet es als das erste in Russland entwickelte Medikament gegen das Hunter-Syndrom.

Inländische Anbieter ersetzen weggefallene Marken

Die Überprüfung erfolgt, während russische Pharmaunternehmen Ersatz für Arzneimittel und Marken suchen, die den Markt verlassen haben. Promomed lässt die Marke Esperansa für ein Generikum von Molnupiravir registrieren, das gegen COVID-19 und akute virale Atemwegsinfektionen eingesetzt wird. Laut Pravda.ru wurde das amerikanische Originalpräparat seit 2023 nicht mehr nach Russland geliefert.

Der klinische Pharmakologe Alexey Ryabtsev erklärte gegenüber der Publikation, die Erweiterung der Liste um moderne und insbesondere russische Medikamente betreffe die Sicherheit von Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen. Eine Aufnahme könne Engpässe verhindern und Therapien über die gesetzliche Krankenversicherung zugänglich machen.

Eine gesonderte Versorgungsentscheidung betrifft das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom, eine seltene genetische Störung des Cholesterinstoffwechsels. Die staatlich finanzierte Stiftung Circle of Kindness hat die Krankheit in ihr Förderprogramm aufgenommen. Betroffene Kinder erhalten damit künftig eine Behandlung mit Cholsäure.

Patente und Forschung bestimmen den Markt

Auseinandersetzungen um geistiges Eigentum prägen weiterhin den Wettbewerb. Die russische Patentbehörde wies den Einspruch von Geropharm gegen das Patent des dänischen Herstellers Lundbeck auf das Antidepressivum Vortioxetin zurück, das als Brintellix vertrieben wird. Geropharm hatte der Wirkstoffformel mangelnde Neuheit vorgeworfen. Die Behörde bestätigte jedoch Lundbecks Schutzrechte bis 2031.

Auch das Kosmetiksegment ist von Rechtsstreitigkeiten betroffen. Das schwedische Unternehmen Beauty Generation fordert von der russischen Gesellschaft Almea 60 Millionen Rubel wegen der Nutzung der Marke Xlash für ein Wimpernserum. Klagen richten sich ebenfalls gegen Wildberries, Ozon und Megamarket, die großen Online-Marktplätze, über die das umstrittene Produkt verkauft wurde.

Neue klinische Forschung könnte die Behandlungsmöglichkeiten später erweitern, gehört jedoch nicht zu den russischen Listenanträgen. Forschende der Stanford University berichteten in JAMA Pediatrics, dass Omalizumab bei einem Drittel der Kinder mit mehreren Lebensmittelallergien eine anhaltende Verträglichkeit zuvor gefährlicher Lebensmittel bewirkte und sicherer erschien als die herkömmliche orale Immuntherapie. Auch das experimentelle Mittel Pemvidutide schloss eine erfolgreiche Phase-II-Studie ab: Behandelte Patienten kehrten deutlich seltener zu schwerem Alkoholkonsum zurück als die Placebogruppe. Beide Befunde stammen aus kontrollierten klinischen Bedingungen und erlauben keine uneingeschränkte Anwendung.

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