Russische Forscher fordern zentrale Planung für Sibiriens Seltene-Erden-Cluster
Russische Wissenschaftler und Branchenvertreter wollen Exploration, Förderung und Verarbeitung im geplanten sibirischen Seltene-Erden-Cluster zentral koordinieren. Das Vorhaben könnte 17 Lagerstätten umfassen, benötigt aber weitere Erkundung, Aufbereitungstechnik und belastbare Bedarfsprognosen.
Koordination von der Exploration bis zur Verarbeitung
Russische Wissenschaftler und Industrievertreter fordern eine zentrale Planung für das in Sibirien entstehende Cluster für Seltene Erden. Unkoordinierte Marktentscheidungen könnten ihrer Einschätzung nach zu Überkapazitäten, unverkäuflichen Metallen und Lücken in der Verarbeitung führen. Die Vorschläge wurden laut Infopro54 bei einem Runden Tisch zu kritischen Metallen Sibiriens im Rahmen des Technoprom-Forums vorgestellt.
Nikolai Kruk, Direktor des Sobolev-Instituts für Geologie und Mineralogie der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte, das Cluster solle durch 17 neue Lagerstätten versorgt werden. Sie wurden bereits zu Sowjetzeiten entdeckt, erkundet und in die staatliche Bilanz aufgenommen. Da sich die Standards zur Berechnung von Reserven inzwischen geändert haben, benötigen alle 17 Standorte systematische geologische und geophysikalische Nacherkundungen. An sieben Lagerstätten laufen Arbeiten; für fünf wurden Förderlizenzen vergeben.
Jede Lagerstätte enthält Kruk zufolge ein breites Spektrum nutzbarer Bestandteile. Für einige Minerale fehlen weiterhin verlässliche Verarbeitungsverfahren. Betreiber müssten deshalb entweder einzelne Mineralphasen verwerfen, eigene Prozesslinien für jedes Mineral entwickeln oder integrierte Aufschlussverfahren einsetzen. Die Planung müsse Exploration, Reserveberechnung, Grubenprojektierung und Verarbeitungstechnik umfassen.
Mehr Investitionen bei schwierigeren Fundbedingungen
Aslambek Germakhanov, stellvertretender Leiter der Föderalen Agentur für Bodennutzung, erklärte, dass 3.400 der 20.000 in Russland registrierten Lagerstätten in Sibirien liegen. Die Region führt bei Reserven und Förderung der wichtigsten strategischen Rohstoffe. Im Jahr 2025 investierten Rohstoffnutzer rund 100 Milliarden Rubel in die geologische Exploration. Binnen eines Jahres wurden in Sibirien 50 Lagerstätten fester mineralischer Rohstoffe und zwei Kohlenwasserstofflagerstätten entdeckt. Zudem stiegen die Reserven an Gold, Silber, Titan, Apatiterz und Kohle.
Sergei Aldoshin, Vizepräsident der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte, Russland verfüge grundsätzlich über die meisten derzeit importierten mineralischen Rohstoffe. Es fehle jedoch an wirtschaftlich förderbaren Reserven. Tiefere Suchziele, sinkende Vorräte leicht auffindbarer Lagerstätten und die Verlagerung des Bergbaus in abgelegene Regionen mit schwacher Infrastruktur verschärften das Problem. Neue Technologien könnten bislang unrentable Vorkommen erschließbar machen und Neubewertungen bestehender Reserven ermöglichen.
Zu den diskutierten Projekten gehört Tomtor. Nikolai Pokhilenko, wissenschaftlicher Leiter des Sobolev-Instituts, verwies auf Niob und Nioboxide, Scandium und Mangan sowie auf mögliche Vorkommen von Gold, Platin und großen Diamanten. Er schlug vor, ein staatliches System für regionale Untersuchungen und frühe Suchprogramme wiederaufzubauen und Fachinstitute stärker einzubinden.
Nachfrage und Verarbeitungskapazität bleiben offen
Die Wirtschaftlichkeit des Clusters hängt Kruk zufolge davon ab, den Bedarf russischer Verarbeiter zu bestimmen, bevor Lagerstätten und Fördermengen ausgewählt werden. Auch die Kapazitäten der ersten Verarbeitungsstufe müssten der Nachfrage entsprechen, damit keine großen Mengen unverkäuflicher Metalle entstehen. Das Risiko ist besonders hoch, weil sämtliche vorgesehenen Lagerstätten polymetallisch sind und nicht nur ein einzelnes Seltene-Erden-Produkt liefern.
Andrei Goliney, Leiter des chemisch-technologischen Bereichs von Rosatom Science und Chef von Giredmet, sagte, Russland müsse außerdem Branchen bestimmen, die den Inlandsverbrauch antreiben können. Weltweit stützen Elektronik, alternative Energien und Elektrofahrzeuge die Nachfrage. Die Abstimmung von Inlandsverbrauch und nachgelagerter Verarbeitung bleibe jedoch anspruchsvoll.
Weitere Engpässe sind der Zugang von Forschern zu lizenzierten Lagerstätten und das Fachkräfteangebot. Akademiemitglied Nikolai Goryachev schlug vor, Instituten und Hochschulen mit staatlichen Forschungsaufträgen gesetzlich geregelten Zugang zur Materialentnahme zu geben, unter Wahrung der Vorgaben der Lizenzinhaber. Zudem regte er regionale Analysezentren in Chabarowsk, Irkutsk und weiteren Städten an. Laut Pokhilenko beschäftigte die Geologiebranche 2021-2022 rund 62.000 Menschen; knapp 19.000 davon leisteten praktische geologische Arbeit. Das vorgeschlagene Modell müsste diese wissenschaftlichen und personellen Ressourcen mit Investitionen, Grubenbau und künftigem Verarbeitungsbedarf verbinden.
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