Russland hebt Weizenprognose an, senkt aber Ausblick für die Maisernte
Russlands Weizenprognose steigt auf 88,5 Millionen Tonnen, während die Erwartungen für Mais und Hülsenfrüchte sinken. Grund sind aktualisierte Anbauflächendaten und schlechtere Bedingungen als erwartet in der Wolgaregion.
Weizenschätzung steigt, bleibt aber unter 2025
Nach einer Aktualisierung der Anbauflächendaten wurde Russlands erwartete Weizenernte von 87,5 Millionen auf 88,5 Millionen Tonnen angehoben. Trotz des Zuwachses liegt die Prognose unter den 91,1 Millionen Tonnen, die 2025 geerntet wurden, wie Evening Kazan berichtete.
Die gesamte russische Ernte wird nun auf 132,9 Millionen Tonnen geschätzt. Interfax berichtete unter Berufung auf ProZerno-Geschäftsführer Wladimir Petritschenko und Schätzungen des Instituts für Agrarmarktstudien, die Änderungen seien nach präziseren Angaben zu den Anbauflächen erfolgt. In mehreren Regionen, darunter im Wolgagebiet, war die Lage schlechter als zuvor erwartet.
Die im Bericht genannten Gerstenzahlen widersprechen sich. Evening Kazan bezeichnet die Anpassung als Erhöhung, nennt jedoch eine Veränderung von 19,9 Millionen auf 18,9 Millionen Tonnen, was einer Senkung entspräche. Da das Ausgangsmaterial keine weitere Erklärung enthält, lässt sich die Richtung der Korrektur nicht verlässlich bestimmen.
Weniger Mais und Hülsenfrüchte erwartet
Die Prognose für die Maisernte wurde von 15,6 Millionen auf 15 Millionen Tonnen gesenkt. Bei Hülsenfrüchten ging die Erwartung von 5,6 Millionen auf 5,1 Millionen Tonnen zurück. Im Gegensatz zur höheren Weizenschätzung zeigen diese Änderungen, dass sich die aktualisierten Flächendaten je nach Kultur unterschiedlich auswirken.
Russlands Anbaufläche sank landesweit um 6% und erreichte einen im Bericht als Rekordtief bezeichneten Stand. Eine Gesamtfläche in Hektar wurde nicht genannt. Durch den Rückgang wird jedoch der Flächenertrag für das endgültige Getreideangebot noch wichtiger.
Die Erträge liegen weiterhin im normalen Bereich und nur knapp unter dem Höchststand von 2022. Laut Petritschenko werden derzeit 32,8 Dezitonnen je Hektar erzielt, verglichen mit 33,2 Dezitonnen je Hektar vier Jahre zuvor. Er bezeichnete den aktuellen Wert als zweithöchstes Ergebnis der Geschichte. Daten aus den neuen Regionen wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt.
Absatzprobleme überlagern das Ernteergebnis
Dmitri Rylko, Leiter des Instituts für Agrarmarktstudien, erklärte, die Ernteergebnisse würden in diesem Jahr von den Schwierigkeiten beim Verkauf des Getreides überschattet. Laut dem Bericht ist die Exportnachfrage wegen Problemen in der Schifffahrt und Schäden an Häfen durch ukrainische Drohnen gesunken.
Damit ergibt sich ein geteiltes Marktbild. Hohe Erträge und die angehobene Weizenprognose stützen das Gesamtangebot, während niedrigere Erwartungen für Mais und Hülsenfrüchte die verfügbaren Mengen in diesen Segmenten begrenzen. Zugleich können eine schwächere Exportnachfrage und logistische Engpässe den Absatz erschweren, selbst wenn die physische Produktion vergleichsweise hoch bleibt.
In Tatarstan näherte sich die Erntekampagne laut Bericht ihrem Abschluss. Die Betriebe hatten 861.000 Hektar gedroschen und mehr als 3 Millionen Tonnen Getreide eingebracht. Das regionale Ergebnis belegt eine erhebliche Produktion. Der nationale Ausblick hängt jedoch davon ab, ob hohe Erträge den Rückgang der Anbaufläche um 6% weiter ausgleichen und ob Exporteure das Getreide trotz logistischer Einschränkungen transportieren können.