Russland fordert Lieferstopp für Sonnenblumen aus Kasachstan bis 2027
Rosselchosnadsor hat Kasachstan aufgefordert, Lieferungen von Speisesonnenblumen nach Russland bis zum 1. Januar 2027 auszusetzen. Anlass ist ein mutmaßlich illegaler Vertrieb von Saatgut; russische Forscher warnen vor Ertragsverlusten, Pflanzenkrankheiten und Quarantäneunkräutern.
Behörde beantragt Aussetzung bis 2027
Die russische Veterinär- und Pflanzenschutzbehörde Rosselchosnadsor bat das kasachische Landwirtschaftsministerium im Juli, Lieferungen von Speisesonnenblumen nach Russland bis zum 1. Januar 2027 auszusetzen. Vorausgegangen war die Aufdeckung eines mutmaßlich illegalen Vertriebs von aus Kasachstan eingeführtem Sonnenblumensaatgut, berichtete Kommersant.
Mitarbeiter der südlichen interregionalen Direktion von Rosselchosnadsor und des russischen Innenministeriums in der Region Krasnodar fanden ein Lager, über das die Ware mutmaßlich vertrieben wurde. Nach Angaben von Rosselchosnadsor trafen seit Jahresbeginn 40 Lastwagen mit entsprechenden Produkten ein.
Etiketten nannten Elternlinien aus Frankreich und Chile
Die äußere Verpackung bezeichnete den Inhalt als Sonnenblumen für Lebensmittelzwecke. Im Inneren gefundene Etiketten verwiesen dagegen auf Elternlinien von Sonnenblumensaatgut aus Frankreich und Chile. Die Abweichung nährte den Verdacht, dass Saatgut unter einer anderen Warenbezeichnung nach Russland gelangte.
Marina Trunowa, stellvertretende Forschungsdirektorin des Allrussischen W.S.-Pustowoit-Forschungsinstituts für Ölpflanzen, sagte der Kuban-Ausgabe von Kommersant, Saatguthersteller und Händler berichteten häufig über Schmuggel und Fälschungen aus Kasachstan. Sie führte dies auf Gewinnstreben während der laufenden Änderungen der russischen Saatgutregeln zurück.
Laut Trunowa stoßen Landwirte anschließend auf minderwertige Hybride. Das molekulargenetische Labor des Instituts erhalte deshalb Hunderte Anfragen zur Echtheitsprüfung. Nur 20 % der eingereichten Samen entsprächen der Angabe auf dem Sack. Die übrigen Proben, die Landwirten als ausländische Hybride verkauft worden seien, seien gefälscht. Dieser Anteil bezieht sich auf gezielt zur Untersuchung eingereichtes Material und bildet nicht den gesamten russischen Sonnenblumensaatgutmarkt ab.
Risiken für Ertrag und Pflanzengesundheit
Gefälschtes Saatgut belastet die Wirtschaftlichkeit einzelner Betriebe unmittelbar. Trunowa zufolge fehlt häufig die zugesagte Herbizidresistenz, während die Aussaat gewöhnlicher Handelsware niedrige Erträge und einen geringen Ölgehalt zur Folge hat. Krankheitsanfällige Hybride können vollständig ausfallen. Zudem seien zuletzt Prüfprotokolle des Instituts zur Identifizierung von Sonnenblumenhybriden gefälscht worden.
Hinzu kommt das pflanzengesundheitliche Risiko. Unzureichend kontrolliertes Saatgut kann Quarantäneunkräuter, neue Krankheiten oder neue Rassen der Sommerwurz einschleppen. Trunowa warnte, ein massenhafter Einsatz könne Russlands Stellung als bedeutender Sonnenblumenproduzent schwächen. Sie empfahl strengere Grenzkontrollen mit ersten Tests von Saatgeneration und Ölgehalt, um Saatgut von Rohware für die Verarbeitung zu unterscheiden.
Käufer sollten Saatgut bei in Russland etablierten Züchtern, Herstellern und Händlern beziehen, sagte Trunowa. Ohne ausreichende Qualitätskontrollen könne die Sonnenblumenproduktivität in den kommenden Jahren auf 1 Tonne je Hektar oder weniger sinken, wie bereits in einigen europäischen Ländern. Die beantragte Aussetzung könnte kasachische Lieferanten und russische Käufer treffen und zugleich die Prüfung von Warenklassifizierung, Verpackung und Herkunft entlang der Lieferkette verschärfen.