Russisches Industrieministerium haelt hoehere Zoelle auf Pkw- und Lkw-Reifen aus China fuer moeglich
Russlands Ministerium fuer Industrie und Handel hat bestaetigt, dass die Einfuhrzoelle auf Pkw- und Lkw-Reifen angehoben werden koennten. Die Entscheidung haengt vom Ergebnis einer Untersuchung der Eurasischen Wirtschaftskommission ab. Im Gespraech sind Quoten oder Zoelle von rund 30 Prozent; China stellt etwa 75 Prozent der Reifenimporte.
Russlands Ministerium für Industrie und Handel hat bestätigt, dass die Einfuhrzölle auf Reifen für Pkw und Lkw angehoben werden könnten. Eine Entscheidung würde dem Ergebnis einer Untersuchung der Eurasischen Wirtschaftskommission (EWK) folgen. Darüber berichtete Autonews am 11. August; die Zeitung Iswestija griff die Meldung auf.
Höhere Einfuhrzölle seien möglich, wenn sich bestätige, dass der gestiegene Import den Reifenmarkt negativ beeinflusst habe, erklärte das Ministerium.
Wie der Fall begann
Im April hatten große Reifenhersteller die EWK gebeten, den russischen Markt vor den stetig wachsenden Einfuhren zu schützen, die überwiegend aus China stammen. Damals hieß es, die Untersuchung könne in Quoten oder in Zöllen auf Importlieferungen von rund 30 Prozent münden. Auf China entfallen etwa 75 Prozent der Reifenimporte, vor allem im Billigsegment.
Im Frühjahr forderte der Föderale Antimonopoldienst (FAS) von den russischen Reifenherstellern Angaben zu Produktions- und Liefermengen für 2025 sowie zu den Exporten an. Die Abfrage umfasste sowohl den Inlandsabsatz als auch die Ausfuhren und gab der Behörde damit ein Bild davon, welchen Marktanteil die heimischen Werke tatsächlich bedienen.
Rekordlieferungen aus China im Juni
Am 30. Juli wurde bekannt, dass sich die Lieferungen von Pkw-Reifen aus China nach Russland im Juni 2026 im Jahresvergleich verdoppelt haben, sowohl in Stück als auch im Wert. Nach allen verfügbaren Daten des chinesischen Zolls seit 2015 war das der stärkste Monat überhaupt. Der Juni-Anstieg könnte eine Folge des im Mai eingeleiteten speziellen Schutzverfahrens zu in die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) eingeführten Pkw- und leichten Nutzfahrzeugreifen sein.
Die Größenordnung wiegt schwer, weil die Vergleichsbasis bereits hoch war: Vor dem Juni-Sprung lieferte China rund drei Viertel aller importierten Reifen.
- Instrument: spezielles Schutzverfahren der EWK, eingeleitet im Mai
- Gegenstand: in die EAWU eingeführte Pkw- und leichte Nutzfahrzeugreifen
- Mögliches Ergebnis: Quoten oder Zölle auf Importlieferungen von rund 30 Prozent
- Chinas Anteil an den Reifenimporten: etwa 75 Prozent, überwiegend Billigsegment
- Juni 2026: Lieferungen chinesischer Pkw-Reifen nach Russland im Jahresvergleich verdoppelt, in Stück und im Wert, Rekord in den Daten seit 2015
Was auf dem Spiel steht
Eine von der EWK beschlossene Schutzmaßnahme gilt für das Zollgebiet der gesamten EAWU und nicht nur für Russland. Ein Zoll oder eine Quote würde damit auch Einfuhren über jeden anderen Mitgliedstaat erfassen. Für chinesische Hersteller, deren Produkte das untere Preissegment des russischen Ersatzgeschäfts dominieren, träfe eine Abgabe von rund 30 Prozent genau jene Nische, in der der Preiswettbewerb am schärfsten ist.
Auch die Wahl des Instruments zählt. Eine Quote begrenzt die Menge und verschafft demjenigen die Knappheitsprämie, der die Zuteilung hält; ein Zoll überlässt die Menge dem Markt, hebt aber die Landekosten jedes einzelnen Reifens. Für Importeure, Distributoren und Handelsketten sind das zwei sehr unterschiedliche Szenarien.
Zwei weitere Variablen bestimmen die Wirkung: die Höhe der Maßnahme und die Lagerbestände, die Importeure vor deren Inkrafttreten aufgebaut haben. Der Juni-Rekord deutet darauf hin, dass Einkäufe nach dem Start des Verfahrens vorgezogen wurden. Die russischen Hersteller, die den Antrag im April eingereicht haben, begründen ihn mit dem Schaden durch die gestiegenen Einfuhren; das Ministerium hat seine Unterstützung ausdrücklich daran geknüpft, dass die EWK genau das bestätigt.