Russland erlaubt vorübergehend Euro-2-Benzin wegen angespannter Versorgung
Russland erlaubt bis zum 1. Juli 2027 vorübergehend die Produktion, Einfuhr und den Verkauf von Benzin der Klassen K2, K3 und K4. Die Maßnahme soll den Binnenmarkt stabilisieren, birgt für moderne Fahrzeuge jedoch Qualitäts- und Kompatibilitätsrisiken.
Ältere Kraftstoffstandards kehren befristet zurück
Russland hat die Produktion, Einfuhr, Markteinführung und den Verkauf von Benzin der Umweltklassen K2, K3 und K4, besser bekannt als Euro 2, Euro 3 und Euro 4, vorübergehend genehmigt. Die Ausnahme beruht auf der Regierungsverordnung Nr. 976 vom 5. August 2026 und gilt bis zum 1. Juli 2027.
Damit wird der Übergang zu saubereren Straßenkraftstoffen für einen begrenzten Zeitraum teilweise zurückgenommen. Euro-2-Benzin wurde in Russland bis 2013 produziert, während sich der heutige Markt auf die höhere Umweltklasse K5 stützt. Die Regierung betont, dass die Lockerung keine Abkehr von der geltenden Umweltpolitik darstellt und nach Ablauf der Frist wieder die bisherigen Anforderungen gelten sollen.
Versorgungssicherheit gibt den Ausschlag
Das russische Energieministerium begründete die Genehmigung mit der Notwendigkeit, den Binnenmarkt stabil zu versorgen und das Risiko von Kraftstoffengpässen zu senken. Als Ursachen für die eingeschränkte Verfügbarkeit nannte das Ministerium veränderte Logistikketten und technische Beschränkungen. Zusätzliche zugelassene Sorten sollen die verfügbaren Mengen erhöhen und Lieferunterbrechungen begrenzen.
Die Regelung umfasst die heimische Herstellung ebenso wie Einfuhren, das Inverkehrbringen und den anschließenden Vertrieb. Raffinerien, Großhändler und Importeure erhalten dadurch mehr Möglichkeiten, regionale Versorgungslücken zu schließen. Angaben zu zusätzlichen Produktionskapazitäten, erwarteten Importmengen oder möglichen Auswirkungen auf die Endverbraucherpreise enthält das Ausgangsmaterial jedoch nicht.
Tankstellen müssen die Umweltklasse des Benzins gut sichtbar und leicht zugänglich ausweisen. Autofahrer sollen vor dem Tanken erkennen können, ob es sich um K2, K3, K4 oder K5 handelt. Eine eindeutige Kennzeichnung ist besonders wichtig, wenn während der Übergangsregelung mehrere Klassen parallel verkauft werden.
Kompatibilitätsrisiken für moderne Fahrzeuge
Der Autoexperte Igor Morzharetto erklärte gegenüber Aif.ru, Euro-2-Benzin werde nach älteren Standards hergestellt und enthalte deutlich mehr Schwefel als moderne Kraftstoffe. K2-Benzin darf bis zu 500 mg/kg Schwefel und bis zu 5 % Benzol enthalten. Zudem ist ein Volumenanteil von bis zu 1,3 % Monomethylanilin zulässig.
Nach Angaben von Morzharetto eignet sich der Kraftstoff eher für ältere Fahrzeugkonstruktionen, darunter klassische Zhiguli und ältere Opel-Modelle. Besitzer moderner Autos sollten sich dagegen an den Qualitätsvorgaben des Herstellers orientieren. Motoren, Einspritzanlagen und Abgasnachbehandlungssysteme, die für eine höhere Umweltklasse ausgelegt sind, können für eine regelmäßige Nutzung von Euro-2-Benzin ungeeignet sein.
Die befristete Zulassung schafft damit einen Zielkonflikt zwischen Kraftstoffverfügbarkeit und Produktqualität. Raffinerien und Händler gewinnen Spielraum für die Versorgung des Binnenmarktes, während Tankstellenbetreiber die Sorten eindeutig unterscheiden müssen. Für Autofahrer und Flottenmanager werden die Umweltkennzeichnung und die Herstellervorgaben bis zum Auslaufen der Ausnahme zu zentralen Einkaufskriterien.