Russland erhöht Exportzölle auf Weizen und Mais ab 9. September
Russland hebt den Exportzoll auf Weizen ab 9. September auf 1.170,3 Rubel je Tonne und auf Mais auf 898,1 Rubel an. Zugleich wartet der Markt auf eine Regierungsverordnung, die die Zölle auf Weizen, Gerste und Mais bis zum 31. Dezember 2026 aussetzen soll.
Weizenzoll steigt um fast 50%
Das russische Landwirtschaftsministerium hat den Exportzoll auf Weizen ab 9. September auf 1.170,3 Rubel je Tonne festgesetzt, berichtet ZOL. Bis einschließlich 8. September gilt ein Satz von 787,5 Rubel. Der Anstieg beträgt damit 382,8 Rubel beziehungsweise fast 49%.
Beim Mais fällt die Erhöhung noch deutlicher aus: Der Exportzoll steigt von 406,5 auf 898,1 Rubel je Tonne. Das entspricht einem Plus von 491,6 Rubel und mehr als einer Verdoppelung. Der Zoll auf Gerste bleibt bei null.
Der Berechnung liegen Richtpreise von 228 $ je Tonne Weizen, 188,7 $ für Gerste und 221,9 $ für Mais zugrunde. Im vorherigen Zeitraum waren es 228,6 $, 189,3 $ und 220,6 $. Die Zollsätze folgen somit nicht lediglich den geringen wöchentlichen Veränderungen der Dollar-Richtpreise. Auch die in Rubel festgelegten Basispreise und die Parameter des russischen Getreidedämpfers fließen in die Formel ein.
Geplante Aussetzung sorgt für Unsicherheit
Parallel zu den geplanten Erhöhungen zeichnet sich eine grundlegendere regulatorische Änderung ab. Eine Zollunterkommission hat nach Angaben von ZOL beschlossen, die Exportzölle auf Weizen, Gerste und Mais bis zum 31. Dezember 2026 auf null zu setzen. Die entsprechende Regierungsverordnung war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung allerdings noch nicht unterzeichnet.
Landwirtschaftsministerin Oksana Lut erklärte, ihr Ministerium erwarte die Verordnung in Kürze; die Maßnahmen sollten in jedem Fall ab 1. September gelten. Damit stehen die veröffentlichte wöchentliche Zollberechnung und die geplante Zollbefreiung zunächst nebeneinander. Bis die Verordnung formell erlassen und ihre Anwendung geklärt ist, müssen Exporteure die angekündigten Sätze in der Kalkulation von Lieferungen und Verträgen berücksichtigen.
Sollte die Aussetzung rückwirkend zum 1. September rechtswirksam werden, könnten die Sätze vom 9. September praktisch kaum ins Gewicht fallen. Verzögert sich die Umsetzung, entstehen Weizen- und Maisexporteuren zwischenzeitlich höhere Kosten. Besonders relevant ist das für Ladungen mit knappen Margen und für Verkäufe in internationale Märkte, auf denen Käufer stark auf Preisunterschiede zwischen den Herkünften reagieren.
Folgen für Schwarzmeerangebote
Russland führte seinen Getreidedämpfer am 2. Juni 2021 ein. Das System sieht variable Exportzölle auf Weizen, Mais und Gerste vor; die Einnahmen werden über Subventionen an landwirtschaftliche Erzeuger zurückgeführt. Die Sätze werden wöchentlich anhand von Indikatoren aus Exportverträgen neu berechnet, die an der Moskauer Börse registriert sind.
Der Zoll beträgt 70% der Differenz zwischen Basis- und Richtpreis. Der aktuelle Basispreis liegt bei 18.000 Rubel je Tonne Weizen sowie bei 17.875 Rubel für Gerste und Mais. Deshalb können Wechselkursbewegungen und registrierte Vertragspreise den Rubel-Zoll verändern, selbst wenn sich die Richtpreise in Dollar nur wenig bewegen.
Ohne die geplante Aussetzung würden höhere Zölle den Nettopreis drücken, den Exporteure russischen Lieferanten zahlen können, sofern sie die Zusatzkosten nicht auf ihre Exportangebote aufschlagen. Für Weizen steigt die wöchentliche Belastung um 382,8 Rubel je Tonne, für Mais um 491,6 Rubel. Das könnte die Flexibilität russischer Schwarzmeerangebote verringern oder die Einkaufspreise am Ursprung belasten. Eine bestätigte Zollbefreiung bis zum 31. Dezember 2026 würde diesen Druck beseitigen und die Margenkalkulation erleichtern. Für kurzfristige Preisentscheidungen bleiben jedoch Zeitpunkt und Wortlaut der Verordnung entscheidend.