Russland beansprucht rund 10 % der weltweiten Seltene-Erden-Reserven
Rosneft-Chef Igor Setschin zufolge verfügt Russland über rund 10 % der globalen Reserven an Seltenen Erden. Ob daraus eine industrielle Lieferbasis entsteht, hängt jedoch von der Verarbeitung ab, bei der China je nach Schätzung einen Weltmarktanteil von 87 % bis rund 90 % hält.
Russland verweist auf seine Rohstoffbasis
Russland verfügt über rund 10 % der weltweiten Reserven an Seltene-Erden-Metallen, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin auf dem Östlichen Wirtschaftsforum, wie Pronedra berichtet. Die Schätzung weist dem Land potenziell eine bedeutende Rohstoffbasis für Elektronik, Permanentmagnete, Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen, Präzisionsgeräte sowie Luftfahrt- und Rüstungstechnik zu.
Die Aussage betrifft Reserven, nicht die aktuelle Förderung oder am Markt verfügbares raffiniertes Material. Pronedra nennt weder eine Tonnage noch eine Aufschlüsselung nach Lagerstätten und einzelnen Elementen oder einen Zeitplan für neue Minen. Diese Angaben sind entscheidend, weil sich Seltenerdvorkommen bei Gehalt, Mineralogie, Zugänglichkeit und Kosten der Elementtrennung erheblich unterscheiden.
Die Verarbeitung bleibt der Engpass
Setschin zufolge ist die Kontrolle über die Verarbeitung inzwischen ebenso wichtig wie der Besitz der Rohstoffe. Nach den von Pronedra angeführten Zahlen befinden sich rund 90 % der weltweiten Verarbeitungskapazitäten für Seltene Erden in China. Das Medium verweist außerdem auf Schätzungen des US Geological Survey, wonach China mehr als 70 % der globalen Förderung und rund 87 % der Verarbeitung stellt.
Die beiden Angaben zur Verarbeitung unterscheiden sich, zeigen aber beide eine außergewöhnlich hohe Marktkonzentration. Besonders stark ist Chinas Stellung bei schweren Seltenen Erden, darunter Dysprosium und Terbium, die für moderne Hochleistungsmagnete benötigt werden. Eine neue Mine außerhalb Chinas schafft daher nicht automatisch eine unabhängige Lieferkette: Das Konzentrat muss weiterhin getrennt, gereinigt und auf die Spezifikationen industrieller Abnehmer gebracht werden.
Die Trennung der Seltenen Erden ist die entscheidende Zwischenstufe. Das geförderte Material enthält chemisch ähnliche Elemente, die in einzelne Verbindungen überführt werden müssen, bevor Hersteller sie einsetzen können. Dafür braucht es industrielle Verfahren, geeignete Anlagen und eine verlässliche Nachfrage nach mehreren Produkten, die aus demselben Erz entstehen.
Russland strebt eine heimische Wertschöpfungskette an
Die russische Regierung stuft Seltene Erden als strategische mineralische Rohstoffe ein und betont sowohl die Kontrolle der Reserven als auch den Ausbau der heimischen Ressourcenbasis, berichtet Pronedra. Staatliche Strategiedokumente sehen zudem eine tiefere Verarbeitung von Rohstoffen und eine geringere Abhängigkeit von importierten Technologien und Materialien vor.
Ein zentrales Ziel ist der Aufbau eigener Trennanlagen. Russische Strategiedokumente bezeichnen eine industrielle Technologie zur Trennung Seltene-Erden-Elemente als notwendig, um chinesische Importe zu ersetzen und eine geschlossene Produktionskette im Land zu schaffen. Dafür müssten geologische Ressourcen, Bergbau, chemische Trennung und Weiterverarbeitung miteinander verbunden werden, statt allein die Größe der Reserven als Maßstab zu verwenden.
Für Produzenten und Investoren steht die Schätzung von 10 % für geologisches Potenzial, aber noch nicht für eine entsprechende Marktleistung. Künftige Projekte müssen gewinnbare Gehalte, Verarbeitungswege, Kapitalbedarf und Abnehmer für getrennte Produkte nachweisen. Für Importeure und Hersteller, die ihre Bezugsquellen diversifizieren wollen, wird Russlands Rohstoffbasis erst relevant, wenn daraus eine verlässliche kommerzielle Produktion jenseits des Minentors entsteht. Bis dahin prägt Chinas Dominanz in der Förderung und vor allem in der Verarbeitung den Weltmarkt.
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