Russland meldet mehr als 230 Schiffe für das Verkehrsministerium in fünf Jahren
Russische Werften bauten innerhalb von fünf Jahren mehr als 230 Schiffe für das Verkehrsministerium, darunter drei nuklear angetriebene Eisbrecher. Bis 2035 werden 484 Passagierschiffe benötigt, während das Auftragsbuch bis 2027 insgesamt 63 Einheiten umfasst.
Mehr als 230 Schiffe in fünf Jahren gebaut
Russische Werften haben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 230 Seeschiffe für das Verkehrsministerium des Landes gebaut. Das berichtete TASS am 22. August unter Berufung auf eine Präsentation des Ministeriums. Zu den Ablieferungen gehörten die nuklear angetriebenen Eisbrecher Arktika, Sibir und Ural.
Die Zahl vermittelt einen breiten Eindruck vom Umfang des staatlich unterstützten Schiffbaus. Die Präsentation nannte jedoch weder die Zusammensetzung der übrigen Flotte noch den Gesamtwert des Programms oder die jeweiligen Bauwerften. Auch eine Aufschlüsselung der Ablieferungen nach Jahren fehlt. Das Programm umfasst dennoch unterschiedliche Kategorien, von strategischer Arktis-Tonnage bis zu Schiffen für inländische Verkehrsverbindungen.
Die drei nuklear angetriebenen Eisbrecher sind der prominenteste Teil der gemeldeten Ablieferungen. Sie verbinden das Fünfjahresprogramm unmittelbar mit Russlands maritimer Kapazität in eisbedeckten Gewässern, wo Spezialschiffe für die Sicherung der Schifffahrt und der Logistik erforderlich sind.
Autonome Fähren erreichen operativen Meilenstein
Die Präsentation hob außerdem die General Chernyakhovsky und die Marshal Rokossovsky hervor, die als Russlands erste autonome Fähren bezeichnet werden. Nach Angaben des Ministeriums haben beide Schiffe zusammen mehr als 150.000 Seemeilen zurückgelegt.
Diese Betriebsleistung zeigt, dass das Programm für autonome Schiffe über Bau und Erprobung hinaus in eine dauerhafte kommerzielle Nutzung übergegangen ist. Für Reedereien und Technologieanbieter ist die zurückgelegte Strecke relevant, weil Navigationssysteme, Kommunikationstechnik und landgestützte Kontrollstrukturen im regulären Betrieb und nicht nur bei Testfahrten funktionieren müssen.
Das Ministerium teilte nicht mit, wie sich die 150.000 Seemeilen auf die beiden Fähren verteilen oder in welchem Zeitraum sie zurückgelegt wurden. Angaben zu Betriebskosten, Frachtmengen und zum Automatisierungsgrad der Bordfunktionen fehlen ebenfalls. Der Meilenstein belegt somit die Nutzung, erlaubt aber für sich genommen keine Bewertung der wirtschaftlichen Einsparungen.
Bedarf an Passagierschiffen übersteigt aktuelle Aufträge
Industrie- und Handelsminister Anton Alikhanov hatte Russlands Bedarf an Passagierschiffen bis 2035 zuvor auf 484 Einheiten geschätzt. Das aktuelle Auftragsbuch bis 2027 enthält 63 Schiffe: 9 Kreuzfahrtschiffe, 27 Ausflugsschiffe sowie 27 Linien- und Schnellschiffe.
Der Abstand zwischen dem geschätzten Bedarf und dem bestehenden Auftragsbuch deutet auf erhebliches Nachfragepotenzial nach 2027 hin. Da die Zahlen unterschiedliche Zeiträume abdecken, stellen sie jedoch keine bestätigte Beschaffungslücke dar. Weitere Aufträge werden von Finanzierung, Werftkapazität und dem Zeitpunkt der Flottenerneuerung abhängen. Für den vollständigen Bedarf von 484 Schiffen wurden weder ein Budget noch ein Lieferplan genannt.
Alikhanov erklärte außerdem, Russland habe eine Ablieferungsrate von mehr als 100 Schiffen pro Jahr erreicht. Diese Jahreszahl dürfte sich auf die gesamte russische Schiffbauindustrie beziehen, während die mehr als 230 Einheiten ausschließlich Bestellungen des Verkehrsministeriums umfassen. Für Werften und Ausrüster stützt die bekannte Pipeline die Inlandsnachfrage; für Betreiber ist entscheidend, ob die Produktion rechtzeitig zusätzliche Passagier- und Arktislogistikkapazitäten schafft.