Absatz süßer Liköre in Russland steigt um 21,5% auf 2,44 Mio. Dekaliter
Der russische Einzelhandelsabsatz süßer Ansatzspirituosen stieg von Januar bis Juli 2026 um 21,5% auf 2,44 Millionen Dekaliter. Marktteilnehmer führen das Wachstum auf attraktive Preise und mehr Cocktails zu Hause zurück, wobei die Bedeutung des Cocktailtrends umstritten ist.
Süße Liköre wachsen gegen den Markttrend
Der russische Einzelhandelsabsatz süßer Ansatzspirituosen stieg von Januar bis Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr um 21,5% auf 2,44 Millionen Dekaliter. Das geht aus Daten von Teilnehmern des Alkoholmarktes hervor, die Kommersant veröffentlichte. Damit gehörte das Segment zu den am schnellsten wachsenden Bereichen des russischen Spirituosenmarktes, obwohl der Gesamtmarkt rückläufig war.
Im Juli beschleunigte sich das Wachstum auf 27,4%; verkauft wurden 390.610 Dekaliter. Halbsüße Varianten legten in den ersten sieben Monaten um 5,6% auf 574.250 Dekaliter zu. Bittere Ansatzspirituosen blieben das größte der drei genannten Segmente, verloren jedoch 0,4% und kamen auf 3,03 Millionen Dekaliter.
D.I.S.T. Spirits bezifferte den Gesamtabsatz der breiteren Kategorie auf 6,69 Millionen Dekaliter, 7,5% mehr als im Vorjahreszeitraum. Süße Produkte wuchsen damit wesentlich schneller als halbsüße und bittere Varianten. Die Zahlen deuten auf eine klare Verschiebung innerhalb des Sortiments hin.
Preis und Alkoholgehalt stützen die Nachfrage
Der Alkoholmarktexperte Sergei Gladyschuk erklärte, nahezu alle russischen Spirituosenhersteller interessierten sich für die Produktion solcher Getränke. Das Segment bietet ihnen eine seltene Wachstumschance in einem ansonsten schrumpfenden Markt. Gleichzeitig dürfte der Wettbewerb um Regalplätze und die Aufmerksamkeit der Verbraucher zunehmen.
Ladoga führt den Zuwachs teilweise auf die Erschwinglichkeit zurück. Der Alkoholgehalt dieser Produkte liegt in der Regel bei höchstens 28%, wodurch attraktive Ladenpreise möglich werden. Diese Positionierung gewinnt an Bedeutung, wenn eine sinkende Kaufkraft die frei verfügbaren Ausgaben belastet und Verbraucher nach günstigeren Alternativen suchen.
Das Wachstum verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig. Bittere Varianten stagnierten nicht nur, sondern gaben leicht nach, während halbsüße Produkte deutlich langsamer wuchsen als süße. Hersteller sollten deshalb jedes Teilsegment gesondert prüfen, bevor sie Kapazitäten erweitern oder neue Marken einführen.
Cocktails zu Hause erweitern die Konsumanlässe
Alevtina Khasanova, Vizepräsidentin von D.I.S.T. Spirits, verbindet die höhere Nachfrage mit dem wachsenden Cocktailkonsum zu Hause. Auch traditionell für Mixgetränke genutzte Kategorien wie Rum und Gin verzeichnen steigende Verkäufe. Kommersant zufolge schafft die rückläufige Besucherzahl in Gastronomiebetrieben ein zusätzlich günstiges Umfeld für den Heimkonsum.
Andrei Moskovsky, Präsident der Alcopro-Gilde, bewertet diesen Zusammenhang zurückhaltender. Ansatzspirituosen würden seltener für Cocktails verwendet, weshalb dieser Faktor nicht entscheidend sei. Wahrscheinlich verstärken sich günstige Preise und neue Konsumanlässe gegenseitig, anstatt dass Cocktails allein den Zuwachs erklären.
Benachbarte Kategorien expandieren ebenfalls
Die russische Produktion alkoholischer Cocktails stieg 2025 laut Kommersant um 11,53% auf 2,56 Millionen Dekaliter, obwohl die Verbrauchsteuer 2024 nahezu vervierfacht worden war. Ladoga erhöhte die Produktion fast um das 309-Fache, die Brennerei Nowokusnezk um mehr als das 17-Fache. Dies zeigt, wie schnell Anbieter in das Segment einsteigen oder ihre Kapazitäten ausbauen.
Der Absatz von Aperitifs nahm von Januar bis November 2025 um 50,2% auf 1,48 Millionen Dekaliter zu. Ladoga-Präsident Veniamin Grabar verwies auf die Abwanderung von Weinkonsumenten und den Anstieg des Anteils russischer Aperitifs von 76,6% auf 86,1%. Im Januar 2026 wuchs der Absatz hochprozentiger Getränke um 4,1% auf 10 Millionen Dekaliter. Wodka legte um 1,9% auf 6 Millionen Dekaliter zu, Likör- und Spirituosenerzeugnisse um 17,7% auf 1,71 Millionen Dekaliter. Die Daten zeigen eine Verlagerung zu aromatisierten und cocktailnahen Formaten, während der breite Alkoholmarkt unter Druck bleibt.