Russisches Rohöl bleibt Indiens wichtigste Bezugsquelle trotz wachsender Risiken
Russland blieb bis zum 27. September Indiens größter Rohöllieferant, obwohl mögliche US-Maßnahmen und Ausfälle im Nahen Osten den Handel belasten. Indische Raffinerien dürften weiter russisches Urals kaufen, da physisch verfügbares Rohöl mittlerer Qualität knapp bleibt.
Russland behauptet die Spitzenposition
Russland blieb im September Indiens größte Rohölquelle. Daran änderten weder mögliche neue US-Beschränkungen noch der Konflikt im Nahen Osten etwas, der alternative Versorgungswege erschwerte. Nach Daten des maritimen Analyse- und Forschungsunternehmens Kpler, die Business Standard veröffentlichte, importierte Indien bis zum 27. September täglich 5,251 Millionen Barrel Rohöl. Das waren 13% mehr als die im gesamten August 2026 eingeführten 4,654 Millionen Barrel pro Tag.
Russland lieferte im September täglich 1,742 Millionen Barrel und lag damit vor dem Irak mit 579.000 Barrel, Saudi-Arabien mit 570.000 Barrel, den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 483.000 Barrel und Kuwait mit 333.000 Barrel pro Tag. Gegenüber den 2,090 Millionen Barrel pro Tag im August ging das russische Volumen jedoch zurück. Die Zahlen zeigen, dass Indien seine gesamten Einfuhren steigerte und zugleich den Lieferantenmix verbreiterte, ohne Russland von der Spitzenposition zu verdrängen.
Markt für mittlere Rohölqualitäten bleibt eng
Analysten erwarten kurzfristig keine deutliche Kürzung der indischen Käufe von russischem Urals, solange sich die physische Verfügbarkeit anderer Rohölsorten nicht verbessert. Nikhil Dubey, leitender Raffinerieanalyst bei Kpler, sagte Business Standard, der Markt für tatsächlich verfügbares Rohöl sei besonders bei mittleren Qualitäten angespannt. Diese Sorten sind für indische Raffinerien wichtig, weil Mitteldestillate einen großen Anteil an der Produktion von Mineralölerzeugnissen des Landes haben.
Ein Ersatz russischer Mengen ist zudem schwieriger geworden, weil der Konflikt die Rohölverfügbarkeit aus Westasien beeinträchtigt und Transporte über die Route durch das Rote Meer stört. Sobald sich die regionale Versorgung stabilisiert, sprechen die geografische Nähe, niedrigere Frachtkosten und die Eignung für den indischen Produktmix für höhere Käufe im Nahen Osten. Bis dahin dürften Versorgungssicherheit und Flexibilität zwischen verschiedenen Bezugsquellen die Beschaffung bestimmen.
Zolldrohung trifft auf Priorität der Energiesicherheit
Ein kürzlich gebilligter Gesetzentwurf zu Russland-Sanktionen könnte US-Präsident Donald Trump nach Angaben von Business Standard ermöglichen, Indien und andere Käufer russischer Energie mit Zöllen von 100% zu belegen. Prashant Vashisht, Senior Vice President und Co-Group Head für Unternehmensratings bei ICRA, erklärte, selbst eine Kürzung um 20%-30% würde erhebliche russische Lieferungen nach Indien bestehen lassen und könnte US-Maßnahmen nicht verhindern. Rund 2 Millionen Barrel pro Tag aus Russland zu ersetzen, sei äußerst schwierig, insbesondere wenn auch saudische Lieferungen beeinträchtigt seien.
Indien hat die Energiesicherheit zu seiner höchsten Priorität erklärt, und nach Einschätzung Vashishts kann die Regierung keine inländische Treibstoffknappheit riskieren. Wahrscheinlicher seien daher Verhandlungen oder die Übernahme der Zollbelastung bei fortgesetzten Käufen aus Russland. Der Preisanstieg verschärft den Druck: Brent verteuerte sich am Montag um mehr als 2% auf 107 $ je Barrel, nachdem Trump einen iranischen Friedensvorschlag zur Beendigung des Konflikts und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt hatte. Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und Iran Ende Februar 2026 ist Brent von 71 $ je Barrel um 50% gestiegen. Ein schneller Ersatz russischen Rohöls würde für indische Raffinerien somit nicht nur logistische Hürden, sondern auch den Wechsel in einen deutlich teureren Markt bedeuten.