Russischer Wein könnte binnen drei Jahren über zwei Drittel des Absatzes erreichen
Russischer Wein könnte innerhalb von zwei bis drei Jahren mehr als zwei Drittel des heimischen Absatzes stellen. Sinkende Importe und größere Rebflächen treiben den Anteil, während knappe Qualitätstrauben und höhere Kosten die Durchschnittspreise steigen lassen könnten.
Heimischer Anteil soll weiter steigen
Russischer Wein könnte nach einer Prognose des Verbands der russischen Winzer und Weinbauern AVWR innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre mehr als zwei Drittel des Weinabsatzes im Land erreichen. Einige Berichte beziffern die Prognose auf mehr als 70% bis 2028, während die zitierte Schätzung des Verbands von einem Anteil von über zwei Dritteln am Gesamtabsatz spricht.
Der Verband erwartet einen stärker auf heimische Erzeugnisse ausgerichteten, reiferen und stärker segmentierten Markt. Russischer Wein soll zudem nicht länger lediglich als Ersatz für Importware gelten, sondern sich mit bekannten Marken, eigenständigen Stilrichtungen und einer stabileren Kundschaft als eigene Kategorie etablieren.
AVWR führt den erwarteten Zuwachs vor allem auf einen weiteren Rückgang der Importe und eine Ausweitung der russischen Rebflächen zurück. Dadurch könnten einheimische Kellereien im Einzelhandel und in der Gastronomie stärker vertreten sein. Ob sie die Nachfrage bedienen können, hängt jedoch von der Verfügbarkeit geeigneter Trauben und einer gleichbleibenden Weinqualität ab.
Premiumangebot bleibt knapp
Die Nachfrage nach hochwertigem russischem Wein übersteigt laut Verband bereits das Angebot. Gefragte Weine sind schnell ausverkauft, während im Premiumsegment weiterhin Engpässe bestehen. AVWR rechnet mit weiterem Wachstum bei Terroirweinen aus Trauben bestimmter Anbaugebiete sowie bei limitierten Weinen einzelner Winzer.
Das knappe Angebot schafft Chancen für Weinbergsbesitzer und Kellereien, die hochwertige Trauben erzeugen und etablierte Marken aufbauen können. Zugleich begrenzt es das Wachstum: Neue Rebflächen benötigen Zeit bis zum kommerziellen Ertrag, und das verfügbare Volumen an Qualitätstrauben bleibt gering. Parallel steigen die Produktionskosten, was nach Einschätzung der in den Veröffentlichungen zitierten Analysten den Durchschnittspreis russischer Weine erhöhen könnte.
Die Prognose eines wachsenden Marktanteils trifft auf einen aktuellen Produktionsrückgang. Profile berichtete, dass die russische Weinproduktion in den ersten sieben Monaten 2026 um 11,3% sank. Der Rückgang verdeutlicht die Lücke zwischen den langfristigen Ausbauplänen der Branche und den kurzfristig verfügbaren Mengen.
Neue Kategorien und Qualitätswettbewerb
AVWR erwartet zusätzliche Wachstumsimpulse von Biowein, alkoholfreiem Wein und kleineren Verpackungsformaten. Diese Nischen können neue Käufergruppen erschließen und zusätzliche Regalflächen gewinnen. Als zentralen Trend der kommenden Jahre betrachtet der Verband jedoch den Wettbewerb um Qualität statt einer bloßen Mengenausweitung. Klassifizierte Weine und eine größere Bekanntheit russischer Marken sollen stärker in den Vordergrund rücken.
Das Forschungsunternehmen Romir schätzt, dass russische Produkte 2026 einen Anteil von 75% am heimischen Schaumweinmarkt und von 63–65% bei Stillwein erreichen könnten. Auf dieser Grundlage hält AVWR es für möglich, dass heimischer Wein bis 2028–2029 das Grundangebot in Handelsketten und auf Restaurantkarten bildet. Für Erzeuger und Händler wird entscheidend sein, ob Investitionen in Rebflächen und Premiumkapazitäten die Angebotslücke schließen können, ohne die Preise für Verbraucher zu stark anzuheben.