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Russische Getreidepreise fallen wegen Störungen an südlichen Häfen

Störungen an Russlands südlichen Häfen begrenzen den Getreideexport und drücken während der Ernte die Preise für Weizen und Gerste. Während die Margen der Landwirte sinken, könnte eine längere Blockade auch internationale Abnehmer treffen.

Russische Getreidepreise fallen wegen Störungen an südlichen Häfen

Hafenstörungen beschleunigen den Preisverfall

Die Preise für Weizen und Gerste auf dem russischen Binnenmarkt sanken von Mitte bis Ende Juli um 8-14,5%, nachdem Beschränkungen in den Häfen am Asowschen Meer die Getreideannahme und Exportverladung behindert hatten. Kommersant berichtete unter Berufung auf ProZerno, dass Weizen der dritten Klasse im europäischen Teil Russlands bei Abnahme ab Hof oder Silo auf 13.500 Rubel je Tonne und Weizen der vierten Klasse auf 12.200 Rubel gefallen war.

Nach den von Lenta.ru veröffentlichten Daten lagen die Preise der beiden Weizenklassen 17,8% beziehungsweise 20,1% unter dem Vorjahresniveau. Futtergerste verbilligte sich binnen Jahresfrist um 18,7%. Einige Erzeuger akzeptierten für Weizen nur noch 8.000-9.000 Rubel je Tonne, nachdem wenige Wochen zuvor 14.000-15.000 Rubel gezahlt worden waren. SovEcon veranschlagt die Gewinnschwelle der Landwirte auf rund 10.000 Rubel je Tonne.

Ernteangebot trifft auf schwächere Exportnachfrage

Der Preisrückgang fällt mit einem wachsenden Angebot während der Ernte und stark sinkender Nachfrage der Exporteure zusammen. Lenta.ru zufolge hatten fast alle Unternehmen Absatzprobleme: Verladen wurde vor allem im Rahmen von Terminkontrakten mit den größten Exporteuren, während weitere Mengen an Weizen, Gerste und Erbsen in den Silos blieben. In den vergangenen Jahren exportierte Russland rund die Hälfte seiner Weizenernte und bis zu ein Viertel seiner Gerstenernte.

Im Juli gingen die russischen Weizenexporte laut Lenta.ru gegenüber dem Vorjahr um rund 20% und die Gerstenexporte um 80% zurück. Business FM bezifferte den Rückgang der Getreideausfuhren breiter auf 17-83%. SovEcon-Direktor Andrey Sizov erklärte, die Umleitung der Transportströme habe die Schiffsfracht für Getreide um 30-50% verteuert. Auch zwei wichtige Käufer halten sich zurück: Die Türkei verfügt über eine hohe Ernte, Ägypten über erhebliche Lagerbestände.

Margen der Betriebe und Weltversorgung unter Druck

Auch außerhalb Südrusslands verschlechtern sich die Bedingungen. In Sibirien, wo die Weizen- und Gerstenernte erst anlief, lagen die Preise bereits 10-15% unter dem Vorjahresniveau, berichtete Business FM. Die Produzenten haben nur begrenzte Transportmöglichkeiten und müssen mit höheren Bahntarifen sowie Konkurrenz um Kapazitäten in den nördlichen Häfen rechnen. Ein Landwirt aus der Region Rostow berichtete von Warteschlangen mit bis zu 300 Lastwagen pro Tag an arbeitenden Silos und warnte, manchen Betrieben fehle Geld für die nächste Aussaat.

Sizov erwartet in den kommenden Wochen weitere Preisrückgänge. Das Institut für Agrarmarktstudien prognostiziert für August einen Einbruch der russischen Weizenexporte um 32-43%. Der Russische Verband der Getreideexporteure und -produzenten warnte, eine vollständige Blockade der Schwarzmeerkorridore könne Ausfuhren von 30-35 Millionen Tonnen Weizen verhindern, was etwa 15% des weltweiten Weizenhandels entspreche. Andere Exportländer könnten diese Menge nach Einschätzung des Verbands nicht vollständig ersetzen. Damit steigen die Risiken für importabhängige Märkte in Afrika und im Nahen Osten.

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