Russische Gewächshausbetriebe fordern Mindestpreise und Quoten für Gemüseimporte
Russlands Obst- und Gemüseverband schlägt eine Zollquote von rund 300.000 Tonnen, saisonale Zölle und einen Mindesteinfuhrpreis von etwa 200 Rubel je Kilogramm vor. Die Maßnahmen könnten Gewächshausbetriebe schützen, zugleich aber Importe und die Versorgung in produktionsschwachen Monaten verteuern.
Erzeuger verlangen Schutz vor günstigeren Importen
Russische Erzeuger von Gewächshausgemüse haben strengere Regeln für preisgünstige Importe vorgeschlagen. Dazu zählen eine Zollquote, saisonale Zölle und ein Mindesteinfuhrpreis. Igor Mosgowenko, Leiter des russischen Obst- und Gemüseverbandes, stellte die Vorschläge auf der Konferenz „Agroinvestor: PRO Pflanzenbau“ vor, wie Amic.ru unter Berufung auf Konkurent berichtete.
Der Verband will Gemüseimporte mit einer Zollquote von rund 300.000 Tonnen pro Jahr begrenzen. Lieferungen oberhalb dieses Volumens sollen einem höheren Zoll unterliegen. Vorgeschlagen werden außerdem ein Mindesteinfuhrpreis von etwa 200 Rubel je Kilogramm und saisonale Zölle in Zeiten, in denen russische Gewächshausbetriebe dem ausländischen Wettbewerb besonders stark ausgesetzt sind. Welche Lieferländer und Gemüsegruppen jeweils betroffen wären, geht aus dem Bericht nicht hervor.
Im Frühjahr ist der Preisabstand am größten
Nach Angaben Mosgowenkos können importierte Tomaten in einzelnen Frühlingsmonaten 2,5-mal günstiger sein als russische Ware. Die Produktionskosten einheimischer Betriebe lägen häufig über den Verkaufspreisen der Importeure. Mosgowenko äußerte zudem Bedenken zur Sicherheit eingeführten Gemüses. Der veröffentlichte Bericht nennt jedoch weder Untersuchungsergebnisse noch konkrete Verstöße.
Ein Mindestpreis würde Anbieter unmittelbar daran hindern, unterhalb der festgelegten Schwelle zu verkaufen. Saisonale Zölle und ein höherer Tarif für Mengen außerhalb der Quote würden die Einfuhrkosten auf anderem Weg erhöhen. Die Folgen für Importeure hängen von der endgültigen Produktabgrenzung, den Zollsätzen und dem Anwendungszeitraum ab. Russische Betriebe könnten in Phasen intensiven Wettbewerbs entlastet werden, während der Wegfall günstiger Lieferungen die Groß- und Einzelhandelspreise erhöhen könnte.
Die Winterversorgung bleibt der entscheidende Engpass
Nach Zahlen des Verbandes erreicht Russland bei Gurken einen Selbstversorgungsgrad von 97% und bei Tomaten von 89%. Im Winter sinken die Werte, weil die Produktion stärker von Gewächshausanlagen mit künstlicher Beleuchtung abhängt. Bei Tomaten fällt der Selbstversorgungsgrad dann auf etwa 61%, wodurch Importe deutlich wichtiger werden.
Russische Gewächshausbetriebe produzierten 2025 laut den von Mosgowenko vorgelegten Zahlen 681.000 Tonnen Tomaten und 879.000 Tonnen Gurken. Frühjahrsgewächshäuser und ähnliche Anlagen umfassen schätzungsweise 2.200 Hektar. Weitere 1.800 Hektar entfallen auf Komplexe mit Zusatzbeleuchtung. Die Gesamtinvestitionen in den Sektor erreichten den im Bericht genannten Daten zufolge 900 Milliarden Rubel.
Die Vorschläge betreffen damit zwei unterschiedliche Marktlagen: den Wettbewerb mit günstigeren Importen während Teilen der russischen Anbausaison und die unzureichende heimische Verfügbarkeit im Winter. Eine Quote von rund 300.000 Tonnen könnte die Beschaffung verändern, falls sie einen erheblichen Teil der heutigen Einfuhren erfasst. Eine Vergleichszahl für die gesamten Importe nennt die Quelle jedoch nicht. Die Folgen für Handelsströme und Preise hängen davon ab, ob die Regierung die Vorschläge übernimmt, welche Produkte sie einbezieht und wie genau die Regeln auf das saisonale Angebot abgestimmt werden.