Rumäniens Arzneimittelhersteller fordern strategischen Status wegen Importabhängigkeit
Rumänische Arzneimittelhersteller fordern, die Branche als strategisch einzustufen und Hindernisse für die heimische Produktion abzubauen. Branchenvertreter Dragoș Damian warnt, dass Importabhängigkeit, Steuern und steigende Kosten das Risiko von Engpässen erhöhen, besonders bei preisgünstigen Generika.
Branche fordert Einstufung als strategischer Sektor
Rumänische Arzneimittelhersteller sollten als strategische Unternehmen behandelt und durch eine klare nationale Industriepolitik unterstützt werden. Das fordert Dragoș Damian, Geschäftsführer des Verbands der industriellen Arzneimittelhersteller Rumäniens PRIMER und CEO von Terapia Cluj. Seine Warnung richtet sich auf Rumäniens Abhängigkeit von Arzneimittelimporten und das Risiko, dass unzureichende heimische Kapazitäten das Land bei einer Verknappung des regionalen Angebots besonders anfällig machen.
Wie Știri de Cluj berichtet, hat Rumänien Damian zufolge weder genügend ausländisches Kapital für die Arzneimittelproduktion gewonnen noch heimische Investitionen in neue Fabriken ausreichend angeregt. Das Fehlen einer nationalen Strategie habe die Abhängigkeit von Nachbarländern und anderen ausländischen Lieferanten vergrößert. Sein Vorschlag würde einheimische Hersteller offiziell einem Wirtschaftszweig von nationalem Interesse zuordnen.
Steuern erhöhen den Druck auf die Produktion
Damian stellte der rumänischen Politik Maßnahmen anderer europäischer Staaten gegenüber. Als Beispiel nannte er Ungarn, wo die Mehrwertsteuer auf erstattungsfähige Arzneimittel abgeschafft wurde. Eine solche Maßnahme könne Medikamentenpreise und Ausgaben des Gesundheitssystems senken. In Rumänien wurde die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel dagegen von 9% auf 11% erhöht.
Zusätzlich zahlen rumänische Hersteller laut Damian eine Clawback-Abgabe von 15% bis 25%. Die kombinierte Belastung erschwere den Zugang zu Medikamenten, da sie die Kosten in einem Markt erhöhe, in dem viele etablierte Produkte bereits zu niedrigen Preisen verkauft werden. Für die Hersteller ist entscheidend, ob regulierte Preise und Erstattungsbedingungen eine Fortsetzung der Produktion erlauben, wenn Betriebs- und Logistikkosten steigen.
Die Debatte betrifft auch die Rolle von Generika. Damian kommentierte Aussagen des amtierenden Ministerpräsidenten Ilie Bolojan über den Einsatz von Generika anstelle teurerer innovativer Präparate. Der Unterschied betreffe weder Qualität noch Wirksamkeit oder Sicherheit. Nach Ablauf eines Patents dürfen andere Hersteller Medikamente mit demselben Wirkstoff produzieren, üblicherweise zu einem niedrigeren Preis. Dadurch kann das Gesundheitssystem mehr Patienten behandeln und zugleich seinen Haushalt entlasten.
Engpässe verstärken die Argumente für Rückverlagerung
Lieferunterbrechungen treffen besonders preisgünstige Generika. Als mögliche Ursachen nannte Damian technische Probleme in Produktionsstätten, eine höhere Nachfrage in einzelnen Märkten sowie gestiegene Produktions- und Transportkosten. Diese Faktoren können eine kontinuierliche Belieferung wirtschaftlich erschweren, obwohl die Nachfrage der Patienten hoch bleibt.
Auf europäischer Ebene wird eine stärkere lokale Produktion kritischer Arzneimittel als Mittel gegen die Importabhängigkeit diskutiert. Die Rückverlagerung soll die Herstellung wichtiger Präparate näher an die Absatzmärkte bringen, Lieferketten stabilisieren und das Risiko verringern, dass Medikamente zeitweise aus Apotheken und Krankenhäusern verschwinden.
Rumänien produziert laut Damian lediglich 2% des Arzneimittelbedarfs der Europäischen Union. Die Zahl verdeutlicht sowohl die begrenzte Größe der heimischen Produktionsbasis als auch die Aufgabe für die Politik: Maßnahmen zur Verbesserung der Bezahlbarkeit müssen zugleich Anreize für die Herstellung preisgünstiger Produkte erhalten. Ein strategischer Status allein schafft keine zusätzlichen Kapazitäten, könnte aber den Rahmen für Steuer-, Investitions- und Industriemaßnahmen bilden, die eine wirtschaftlich tragfähige Produktion unentbehrlicher Arzneimittel ermöglichen.
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