Rumänien öffnet über Ruse-Giurgiu zweite Gasimportroute aus Bulgarien
Rumänien bezieht über den Interkonnektor Ruse-Giurgiu inzwischen rund 0,2 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag und nutzt damit eine zweite Importstrecke aus Bulgarien. Der Zufluss ist gegenüber Kardam-Negru Vodă klein, erhöht aber die Flexibilität bei Inlandsversorgung, Speicherung und Lieferungen nach Ungarn und Moldau.
Erste Mengen fließen über Ruse-Giurgiu
Rumänien hat mit Gasimporten über eine zweite Verbindung zu Bulgarien begonnen und nutzt nun den Interkonnektor Ruse-Giurgiu. Nach Angaben von Stiridecluj.ro gelangten in den vergangenen Tagen rund 0,2 Millionen Kubikmeter pro Tag über diese Strecke ins Land. Gegenüber dem wichtigsten bulgarischen Einspeisepunkt Kardam-Negru Vodă bleibt das Volumen gering: Dort erreichen die täglichen Zuflüsse 12-13 Millionen Kubikmeter.
Durch die zusätzliche Route nähern sich Rumäniens gesamte Gasimporte 14 Millionen Kubikmetern pro Tag. Ruse-Giurgiu trägt bislang nur einen kleinen Teil dazu bei, schafft aber einen weiteren Einspeisepunkt und unterstützt sowohl die laufende Versorgung als auch den Aufbau von Vorräten für die kalte Jahreszeit. Diese Flexibilität ist relevant, weil Rumänien gleichzeitig den Binnenmarkt beliefert, Speicher befüllt und grenzüberschreitende Lieferungen aufrechterhält.
Rumänien bleibt regionaler Transitkorridor
Mehr als die Hälfte des nach Rumänien importierten Gases verbleibt laut Stiridecluj.ro nicht auf dem heimischen Markt. Rund 7,7-7,8 Millionen Kubikmeter pro Tag fließen über den mit maximaler Kapazität betriebenen Interkonnektor Arad-Szeged nach Ungarn. Neben Serbien ist Rumänien eine von zwei wichtigen Transitrouten für russisches Gas, das Ungarn auf Grundlage seines langfristigen Liefervertrags mit Russland erhält.
Rumänien liefert außerdem weiterhin rund 2,2-2,5 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag nach Moldau. Nachdem Moldau seinen Vertrag mit Gazprom aufgegeben hat, sind die Lieferungen über Rumänien zu einem zentralen Bestandteil der Versorgung geworden; in der kalten Jahreszeit nimmt ihre Bedeutung weiter zu. Der ungarische Transit und die Lieferungen nach Moldau führen dazu, dass die Bruttoimporte deutlich über der Gasmenge liegen, die allein für rumänische Verbraucher oder Speicher verfügbar ist.
Das aus Bulgarien nach Rumänien gelangende Gas ist Teil der aus der Türkei kommenden Ströme. Nach Angaben der Quelle kann das Gemisch aserbaidschanisches und russisches Gas sowie in der Türkei gefördertes Gas enthalten. Die bulgarisch-rumänische Grenze ist damit Bestandteil einer breiteren, nach Norden gerichteten Lieferkette und kein ausschließlich an ein Förderland gebundener Korridor.
Speicherfüllstand steigt bei geringerer Inlandsförderung
Der in Rumänien verbleibende Anteil versorgt den Binnenmarkt und stockt während einer Phase mit vergleichsweise niedrigem Verbrauch die Wintervorräte auf. In der laufenden Einspeichersaison, die am 31. Oktober endet, haben die rumänischen Gasspeicher einen geschätzten Füllstand von rund 75 % erreicht. Damit liegt das Land über dem genannten europäischen Durchschnitt von etwa 67 % und verfügt vor dem saisonalen Nachfrageanstieg über ein stärkeres Bestandspolster.
Die heimische Gasförderung liegt seit mehreren Monaten bei rund 22 Millionen Kubikmetern pro Tag und damit etwa 10 % unter dem üblichen Durchschnitt. Als Grund gelten nacheinander ausgeführte Wartungsarbeiten an von Romgaz und OMV Petrom betriebenen Feldern während der nachfrageschwächeren Sommerperiode. Ruse-Giurgiu ersetzt vor diesem Hintergrund nicht die wesentlich größeren Zuflüsse über Kardam-Negru Vodă, erhöht aber die betriebliche Flexibilität, während die Förderung unter dem Normalniveau liegt und mehrere regionale Lieferverpflichtungen um verfügbares Gas konkurrieren.