Rumänien erwartet 2027 mindestens 5 % höhere Energierechnungen
Rumäniens Energieministerium rechnet 2027 mit einem Anstieg der Energierechnungen für Haushalte und Unternehmen um mindestens 5 %, betont aber den vorläufigen Charakter der Prognose. Entscheidend werden neue Stromverträge, Gasspeicherkosten, zusätzliche Erzeugungsleistung und die Wiederinbetriebnahme eines Reaktors in Cernavodă sein.
Vorläufige Prognose signalisiert höhere Rechnungen
Die Energierechnungen rumänischer Haushalte und Unternehmen könnten 2027 um mindestens 5 % steigen. Diese Schätzung legte Energiestaatssekretär Sorin Elisei am 2. September vor. Laut Digi24 ist die Prognose noch nicht endgültig und kann angepasst werden, sobald Versorger und Erzeuger weitere Lieferverträge für 2027 abschließen.
In die Bewertung des Ministeriums fließen bereits geschlossene Verträge, kontrahierte Strommengen und die Entwicklung der Großhandelspreise ein. Die Behörde prüft die Daten gemeinsam mit der Energieregulierungsbehörde und will in etwa ein bis zwei Wochen eine neue Einschätzung vorlegen. Für eine belastbarere Prognose der Großhandelspreise 2027 benötigt das Ministerium jedoch noch die Daten aus September, Oktober und November.
Rumänien verbraucht jährlich etwa 50-52 TWh Strom. Nach Angaben von Elisei entfallen auf Strom, der mit einem Preisaufschlag von 12 % verkauft wurde, weniger als 2-3 % des erwarteten nationalen Verbrauchs im Folgejahr. Versuche einzelner Erzeuger und Versorger, größere Mengen zu höheren Preisen zu kontrahieren, erreichten nicht den erwarteten Umfang. Zugleich laufen bestehende Verträge aus, darunter einige zum Jahresende.
Gasvorräte liegen unter dem Vorjahresniveau
Rumänien hat derzeit fast 2,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas gespeichert. Bis zum 1. Oktober soll der Füllstand annähernd 80 % erreichen. Elisei zufolge läge Rumänien damit über dem Durchschnitt der Europäischen Union. Die tatsächlich eingelagerte Menge ist allerdings rund 10 % geringer als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.
Der Beamte führte die Differenz teilweise auf gestiegene internationale Gasnotierungen und die durch Entwicklungen im Nahen Osten beeinflusste Volatilität zurück. Versorger kaufen teures Gas nur vorsichtig zur Einlagerung, weil beim späteren Bezug im Winter zusätzlich zum Kaufpreis Speicherentgelte anfallen. Zudem besteht das Risiko, für den daraus resultierenden höheren Preis keine ausreichende Nachfrage zu finden.
Nach Einschätzung des Ministeriums sollten die Vorräte den Bedarf während einer etwa einwöchigen Phase außergewöhnlicher Kälte bei Temperaturen von -10 bis -20 Grad Celsius decken. Das bietet einen begrenzten Sicherheitspuffer. Der niedrigere Lagerbestand und die Zurückhaltung der Versorger machen den Markt jedoch anfällig für Wintertemperaturen und internationale Preisschwankungen.
Neue Leistung könnte den Strompreis dämpfen
Neue erneuerbare Erzeugungsanlagen und Batteriespeicher werden in das rumänische Stromsystem integriert; zusätzliche konventionelle Kraftwerksleistung wird ebenfalls erwartet. Elisei zufolge könnten sich die Preise neu einpendeln, wenn das zusätzliche Angebot den Verbrauch übersteigt. Hohe Energiepreise seien zudem kein rein rumänisches Problem, da die miteinander verbundenen europäischen Märkte Preisbewegungen über Grenzen hinweg übertragen.
Kurzfristig wird das Angebot weiterhin durch Arbeiten am Kernkraftwerk Cernavodă beeinträchtigt. Der Wasserstand im Rückhaltebecken ist gestiegen, doch die Behörden beobachten noch die Wirkung der Maßnahmen, bevor sie einen Termin für die Wiederinbetriebnahme mindestens eines Reaktors nennen. Für die folgende Woche wurde kein Neustart erwartet.
Bei der Kohleverstromung stellt sich eine gesonderte regulatorische Kostenfrage. Rumänien könnte wegen nicht erfüllter Ziele für Kohlekapazitäten im Rahmen des Aufbauplans eine Strafe zahlen müssen. Die Europäische Kommission legt den endgültigen Betrag fest; rumänische Berechnungen gehen in einem optimistischen Szenario von 77 Millionen bis 124 Millionen Euro aus. Elisei argumentiert, der Weiterbetrieb des Blocks Turceni 5 in den laufenden Monaten, im kommenden Winter, im nächsten Sommer und im darauffolgenden Winter könne einen höheren wirtschaftlichen Wert schaffen als die mögliche Strafe.
Für Verbraucher und Versorger bleibt der erwartete Anstieg um 5 % damit eine Arbeitshypothese und kein feststehendes Tarifergebnis. Der geringe Anteil des bereits mit 12 % Aufschlag kontrahierten Stroms begrenzt dessen unmittelbare Wirkung. Auslaufende Verträge, Gaskosten, die Verfügbarkeit der Kernkraft und das Tempo beim Zubau werden bestimmen, ob das Ministerium seine Prognose korrigiert.