Rumäniens Elektroautomarkt wächst wieder, Ladenetz überschreitet 10.000 Punkte
In Rumänien wurden in den ersten acht Monaten 2026 insgesamt 7.067 neue Elektroautos zugelassen, 51 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das öffentliche Ladenetz überschritt 10.000 Punkte, doch die geringe Auslastung und der Abstand zu Europa bleiben Herausforderungen.
Zulassungen erholen sich nach zwei Jahren Rückgang
Der rumänische Markt für reine Elektroautos ist 2026 nach zwei Jahren der Schrumpfung wieder gewachsen. In den ersten acht Monaten wurden 7.067 neue batterieelektrische Pkw zugelassen, 51 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Die Zahlen stammen aus der EV-Charging-Index-2026-Studie von Roland Berger, über die Forbes Romania berichtete.
Der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen von Pkw stieg von 4,9 % in den ersten acht Monaten 2025 auf 8,2 % im entsprechenden Zeitraum 2026. Zuvor hatten gekürzte Fördermittel und Verzögerungen beim Programm Rabla Plus die Nachfrage belastet. Die aktuellen Daten zeigen eine Rückkehr des Käuferinteresses, der Markt bleibt jedoch vom Zeitpunkt und Umfang staatlicher Förderung abhängig.
Chinesische Marken und Gebrauchtwagen verbreitern den Markt
Auch das größere Fahrzeugangebot stützt die Nachfrage. Die Zahl der in Rumänien verfügbaren chinesischen Elektroautomarken hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verfünffacht. Diese Hersteller stehen inzwischen für rund 22 % der Verkäufe neuer Elektroautos und sorgen damit für mehr Auswahl sowie einen intensiveren Wettbewerb unter den Anbietern.
Parallel zum Neuwagengeschäft wächst der Gebrauchtmarkt. In den ersten acht Monaten 2026 wurden mehr als 4.100 gebrauchte Elektroautos zugelassen, 55 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Rund jedes zweite erstmals in Rumänien zugelassene reine Elektroauto ist inzwischen gebraucht. Damit wird Elektromobilität für Käufer zugänglicher, die den Preis eines Neuwagens nicht zahlen können oder wollen. Zugleich verändert dieser Absatzkanal den Wettbewerb für Hersteller und Händler.
Ladekapazität wächst schneller als der Fahrzeugbestand
Die Ladeinfrastruktur expandierte noch schneller als die Fahrzeugnachfrage. Im August 2026 überschritt Rumänien die Marke von 10.000 öffentlichen Ladepunkten. Das waren mehr als sechsmal so viele wie fünf Jahre zuvor. Besonders stark wuchs die Zahl ultraschneller Ladepunkte mit mehr als 150 kW: von 45 im Jahr 2022 auf über 2.060 im August 2026.
Laut Roland Berger wuchs die Ladeinfrastruktur in den vergangenen drei Jahren 1,4-mal schneller als der Elektrofahrzeugbestand. Die durchschnittliche Auslastung öffentlicher Stationen beträgt deshalb nur 4-5 %. Das zeigt, dass bereits Kapazität für einen größeren Fahrzeugbestand vorhanden ist. Gleichzeitig stellt die geringe Nutzung Betreiber vor die Aufgabe, genügend Verkehr und Einnahmen zur Finanzierung ihrer Investitionen zu erreichen.
Rumänien bleibt bei der Verbreitung hinter Europa
Trotz der Erholung im Jahr 2026 liegt Rumäniens Elektrifizierung weiter unter dem europäischen Niveau. Elektroautos machten 2025 rund 6 % der rumänischen Neuzulassungen aus, gegenüber 17 % in Europa. Ihr Anteil am nationalen Fahrzeugbestand betrug nur 0,7 %, verglichen mit 3,4 % in Europa. Diese Abstände eröffnen Wachstumsspielraum, zeigen aber auch, dass der Ausbau der Infrastruktur allein noch keine Verbreitung auf europäischem Niveau bewirkt hat.
Szabolcs Nemes, Managing Partner von Roland Berger Romania, erklärte, das Land bewege sich von einem auf den Infrastrukturaufbau konzentrierten Markt zu einer Phase, in der Auslastung und wirtschaftliche Tragfähigkeit der Investitionen in den Mittelpunkt rückten. Für Hersteller und Händler besteht die unmittelbare Chance darin, das breitere Modellangebot in dauerhaft höhere Zulassungen umzusetzen. Für Ladebetreiber wird entscheidend, ob der wachsende Bestand die Nutzung über die heutigen 4-5 % hebt, ohne dass erneute Schwankungen der Förderpolitik die Nachfrage bremsen.
Vollständige Marktanalyse