Höhere rPET-Quoten verteuern Flaschenproduktion in Polen - Rezyklat in Lebensmittelqualität bleibt knapp
rPET-Granulat ist derzeit teurer als Neuware, weil Sammlung, Sortierung und Dekontamination auf Lebensmittelqualität Kosten verursachen, sagte der polnische Verband der Kunststoffverarbeiter gegenüber portalspozywczy.pl. Der Preisunterschied schlägt mit knapp 7 Groszy je 1,5-Liter-Flasche aus reinem Rezyklat zu Buche. Die Rückgewinnung von PET-Flaschen in Polen liegt weiter unter 50 Prozent.
Getränkeflaschen aus polnischer Produktion werden teurer und können sichtbar anders aussehen, weil der vorgeschriebene Rezyklatanteil steigt. Das geht aus einem Interview des Branchenportals portalspozywczy.pl mit Robert Szyman hervor, dem Generaldirektor des polnischen Verbands der Kunststoffverarbeiter (Polski Zwiazek Przetworcow Tworzyw Sztucznych). Verpackungen mit einem höheren Anteil an recyceltem PET können dunkler und weniger transparent werden, berichtet das Portal.
Die Hersteller arbeiten auf eine Vorgabe von 25 Prozent rPET hin, die ab 2030 auf 30 Prozent steigt. Die Technik für beide Stufen sei vorhanden, so Szyman, doch der polnische Markt erzeuge noch nicht genug Rezyklat in Lebensmittelqualität.
Warum Rezyklat teurer ist als Neuware
rPET-Granulat ist derzeit teurer als Neuware, sagte Szyman gegenüber portalspozywczy.pl. Der Unterschied ergibt sich aus den Kosten für Sammlung, Sortierung, Reinigung und den Recyclingprozess selbst und fällt bei Material in Lebensmittelqualität am stärksten aus. Die Produktion von Neu-PET ist ein hoch optimierter Prozess, während das Recycling eine energieintensive Dekontamination, präzise Sortierung und laufende Qualitätskontrolle des Eingangsmaterials erfordert.
Die Qualität des Inputs wirkt unmittelbar auf den Preis. Je weniger sauberes, gut getrenntes Material bei den Recyclern ankomme, desto höher seien die Aufbereitungskosten, sagte Szyman. Damit werden die Quote der getrennten Sammlung und die tatsächliche Rückführung gebrauchter Flaschen zu den entscheidenden Größen für die Wirtschaftlichkeit von rPET.
Anlagen müssen angepasst, nicht ersetzt werden
Der Einsatz von Rezyklat ist für den Maschinenpark nicht neutral. Ein höherer rPET-Anteil erhöht die technischen Anforderungen, weil die Eigenschaften von Rezyklat stärker schwanken als die von Neuware. Laut Szyman kann ein höherer Rezyklatanteil Änderungen erfordern bei:
- den Trocknungsparametern
- dem Spritzguss der Preforms
- dem Blasformen der Flaschen
Polnische Preform-Hersteller und die großen Getränkekonzerne seien technisch auf 25 bis 50 Prozent rPET vorbereitet, ein Teil von ihnen produziere bereits heute Verpackungen mit höherem Rezyklatanteil, sagte Szyman. Ein höherer Recyclinganteil sei damit keine unüberwindbare technologische Hürde, verlange aber angepasste Anlagen, strengere Qualitätskontrolle und zusätzliche Investitionen.
Der Engpass liegt bei lebensmitteltauglichem Material
In Polen gibt es derzeit nicht genug rPET in Lebensmittelqualität, so Szyman. Die Rückgewinnung der in Verkehr gebrachten PET-Flaschen liegt weiter unter 50 Prozent, und die Recycler haben Mühe, aus der Sammlung von Haushaltskunststoffen genügend saubere, transparente Getränkeflaschen zu gewinnen, um Granulat mit Lebensmittelzulassung herzustellen.
Das Pfandsystem werde die Lage deutlich verbessern, sagte er. Sein größter Vorteil für das Recycling sei die größere Menge hochwertigen Materials, die direkt zu den Recyclern gelangt: Über ein Pfandsystem gesammelte Flaschen sind sauberer und besser sortiert als Abfälle aus der herkömmlichen Sammlung.
Knapp 7 Groszy je Flasche
Die Weitergabe an die Verbraucher fällt moderat aus. Aus einer Tonne Granulat lassen sich rund 30.000 Flaschen à 1,5 Liter herstellen, sodass selbst eine Preisdifferenz von 500 Euro je Tonne zwischen Rezyklat und Neuware nur knapp 7 Groszy - Hundertstel Zloty - bei einer vollständig aus rPET gefertigten Flasche ausmacht, rechnete Szyman vor.
Der Verpackungspreis hänge von vielen weiteren Faktoren ab, darunter Energie, Transport, Arbeitskosten und andere Materialien; die Differenz beim Granulat allein dürfte den Getränkepreis nicht spürbar erhöhen. Mit wachsendem Recyclingvolumen und besserer Materialverfügbarkeit sinken die Kosten für Erfassung und Aufbereitung.
Studien bestätigten, dass der Einsatz von Rezyklat statt Neuware den Verbrauch fossiler Rohstoffe und die Umweltwirkung der Kunststoffproduktion senkt, sagte Szyman; ein geschlossener Kreislauf von Flasche zu Flasche sei bei PET technisch machbar, anders als bei vielen anderen Materialien. Begrenzend seien Menge und Qualität des Materials: Die Nachfrage nach Rezyklat steigt, das Angebot geeigneter Ware bleibt knapp. Hinzu kommt der Abfluss von PET in die Bekleidungsindustrie, wo Rezyklat breit zu Polyesterfasern verarbeitet wird und bislang kein wirksames System dieses Material in die Verpackung zurückführt.