Rechtslage schließt Portwein von ViniPortugals Auslandskampagnen aus
ViniPortugal darf Portwein nach geltendem portugiesischem Recht nicht in seine internationale Werbung aufnehmen. Die Einschränkung trifft die Branche bei sinkendem Weinkonsum, wachsenden Beständen und schwachen Traubenpreisen im Douro.
Portugals bekanntester Wein fehlt in den Kampagnen
Der geltende portugiesische Rechtsrahmen hindert ViniPortugal daran, Portwein im Rahmen seiner Wines-of-Portugal-Kampagnen international zu bewerben. Das sagte der Präsident der Organisation, Frederico Falcão, gegenüber Dinheiro Vivo. Der Ausschluss beruhe auf nationalem Recht und nicht auf einer kommerziellen Entscheidung von ViniPortugal.
Damit bleibt eine der international bekanntesten portugiesischen Weinkategorien außerhalb des gemeinsamen nationalen Werbeprogramms. Die Einbindung von Portwein in die Strategie von Wines of Portugal könnte laut Falcão das globale Bild portugiesischer Weine stärken, Synergien schaffen und die Wirkung der Kampagnen für die gesamte Branche erhöhen.
ViniPortugal soll den Wert portugiesischer Weine auf Auslandsmärkten steigern. Die Organisation konzentriert sich auf höherpreisige Segmente, ausgewählte Märkte, qualifizierte Vertriebskanäle und die Aufwertung der Herkunft. Sie setzt weder Traubenpreise fest noch reguliert sie die Produktion, kann sich laut Falcão aber für eine ausgewogenere Wertverteilung in der Lieferkette einsetzen.
Der Verbrauch sinkt, die Bestände wachsen
Die rechtliche Einschränkung gewinnt an Gewicht, weil die Weinwirtschaft mit sinkender Nachfrage und anhaltenden Überschüssen kämpft. Von Dinheiro Vivo angeführte Daten zeigen, dass sich zwischen 2000 und 2023 weltweit 717 Millionen Hektoliter Wein angesammelt haben. Diese Menge entspricht 37 Monaten weltweiten Verbrauchs, ohne dass eine einzige zusätzliche Traube produziert würde.
Der weltweite Weinkonsum sank 2025 um 2,7 % und erreichte den niedrigsten Stand seit 1957, wie die Publikation berichtete. Portweinproduzenten beziffern den Rückgang ihrer Kategorie gegenüber der Zeit vor 20 oder 30 Jahren auf mindestens ein Drittel. Die geringere Nachfrage belastet die Traubenpreise im Douro erheblich; für Winzer liegen sie auf historisch niedrigem Niveau.
Auch die geringere Erzeugung hat das Ungleichgewicht nicht beseitigt. Die Weinproduktion im Douro sank 2025 um 40 %, dennoch nahmen die Bestände weiter zu. Schwache Nachfrage, hohe Lagerbestände und gedrückte Traubenpreise belasten Erzeuger, Weingüter und Händler. Produktionskürzungen allein reichen daher nicht aus, um die Margen wiederherzustellen.
Werbebudget zielt auf höherwertige Märkte
Für 2026 verfügt ViniPortugal über ein genehmigtes Werbebudget von 8,3 Millionen €. Die Organisation führt jährlich mehr als 100 Maßnahmen durch und bindet über 500 portugiesische Marktteilnehmer ein. Das Budget für das Folgejahr soll nach Abschluss der Planung, Abstimmung mit Branchenorganisationen und Genehmigung durch die zuständigen Gremien vorgelegt werden.
Nach Ansicht von Falcão darf der Erfolg der Werbung nicht allein an Verkostungen, Teilnehmerzahlen, Geschäftskontakten oder Medienberichten gemessen werden. Die Margen der Erzeuger hängen auch von Lieferverträgen, Produktionskosten, Mengen, Unternehmensstrukturen und regionaler Regulierung ab. ViniPortugal konzentriert sich deshalb darauf, neue Vertriebskanäle zu öffnen und die Marktposition portugiesischer Weine zu verbessern.
Portugal war laut Falcão 2025 das einzige Land mit einem Anstieg der Weinexportmenge und verzeichnete zugleich den geringsten Rückgang beim Exportwert. Nachhaltig über den niedrigsten Preis konkurrieren könne das Land dennoch nicht, da die Produzenten relativ klein, die durchschnittlichen Hektarerträge niedrig und die Kosten steigend seien. Zudem bleibe die Branche stark fragmentiert.
Werbung allein kann überschüssige Bestände nicht abbauen. Falcão nannte Nachfrageprognosen, Produktionsdisziplin, Instrumente zur Krisenbewältigung, Produktinnovation und die Koordination zwischen Regionalorganisationen, Produzenten, Handel und Behörden als notwendige Maßnahmen. Portwein würde das Instrumentarium der nationalen Kampagne erweitern, doch dafür muss der Rechtsrahmen geändert werden.