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Polnische Stahlunternehmen sehen Preisstütze, warten aber auf nachhaltige Nachfrage

Steigende Stahlpreise und neue EU-Schutzmaßnahmen haben die Stimmung in Polens Stahlbranche nach einem schwierigen ersten Halbjahr verbessert. Stalprofil, Bowim und Cognor erwarten eine dauerhafte Erholung jedoch erst, wenn Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte in die Umsetzung gehen.

Polnische Stahlunternehmen sehen Preisstütze, warten aber auf nachhaltige Nachfrage

Preise und Handelsschutz stoppen die Talfahrt

Nach einem schwierigen ersten Halbjahr werden Polens Stahlunternehmen vorsichtig optimistischer. Höhere Stahlpreise und ein verstärkter Handelsschutz der Europäischen Union stützen den Markt. Die von WNP.pl befragten Unternehmen unterscheiden jedoch klar zwischen besseren Erwartungen und einer messbaren Erholung der Nachfrage.

Henryk Orczykowski, Vorstandsvorsitzender von Stalprofil, wertet den Preisanstieg im zweiten Halbjahr als erstes Zeichen dafür, dass der CO₂-Grenzausgleich CBAM und die neuen Stahlimportquoten wirken. Die Maßnahmen hätten den Zustrom importierten Stahls gebremst und die Verschlechterung der Marktbedingungen gestoppt und umgekehrt. Ohne diese Instrumente wären der europäische Markt und die Stahlindustrie seiner Einschätzung nach schwer eingebrochen.

Die Schutzwirkung ist noch nicht vollständig sichtbar. Laut Orczykowski haben europäische Käufer Ende des vergangenen Jahres und im ersten Quartal große Bestände an Importmaterial aufgebaut. Diese Vorräte belasten den Markt weiterhin. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Investitionsgütern in Polen und Europa sehr niedrig, und eine klare Belebung der Wirtschaft ist noch nicht erkennbar.

Stabilisierung statt Nachfrageboom

Auch Bowim erkennt in seinen vorläufigen Finanzdaten für das erste Halbjahr eine Verbesserung. Das Unternehmen führt seine Ergebnisse auf die Stabilisierung der Nachfrage und der Stahlproduktpreise nach einer vorangegangenen Marktkorrektur zurück. Optimierungen bei Einkauf und Betriebskosten unterstützten Rentabilität und Margen.

Bowim verweist zudem auf regulatorische Änderungen: CBAM gilt seit dem 1. Januar 2026, während am 1. Juli 2026 neue Schutzmaßnahmen zur Begrenzung billiger, zollfreier Stahlimporte in Kraft traten. Dennoch bleibt das Marktumfeld wegen der Energiekosten, der Geschwindigkeit der Nachfrageerholung in stahlverbrauchenden Branchen und geopolitischer Risiken volatil.

Cognor Holding, dessen Ergebnisse sich im ersten Halbjahr deutlich verbesserten, sieht mittel- und langfristig günstigere politische und makroökonomische Bedingungen. Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär Przemysław Sztuczkowski erklärte, die Politik der EU und Polens beginne, Reindustrialisierung und Investitionen in Branchen mit hoher Wertschöpfung zu fördern. CBAM und das geplante System für die Zeit nach den Safeguards seien nützliche, aber noch zu verbessernde Instrumente. Cognor spürt bislang keinen wesentlichen Effekt, erwartet jedoch Vorteile, wenn diese Maßnahmen mit Nachfrageimpulsen aus SAFE und Polens nationalem Wiederaufbauplan KPO zusammenkommen.

Aus Investitionsplänen müssen Aufträge werden

Der Entwurf des polnischen Staatshaushalts für 2027 räumt strategischen Infrastrukturinvestitionen laut Sztuczkowski Priorität ein. Port Polska, der Bau eines Kernkraftwerks, der Östliche Schutzschild, neue und modernisierte Bahnstrecken sowie der Ausbau von Häfen könnten eine erhebliche Nachfrage nach unterschiedlichen Stahlsorten erzeugen.

Stalprofil, Bowim und Cognor knüpfen eine weitere Verbesserung dennoch an einen tatsächlichen Anstieg der Wirtschaftsaktivität. Orczykowski zufolge wartet der Markt auf KPO-Projekte und Investitionen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Im dritten Quartal erwartet er noch keine deutliche Erholung, weil die Urlaubszeit üblicherweise Industrieaktivität und Stahlbedarf reduziert. Stalprofil rechnet ab dem vierten Quartal mit besseren Bedingungen.

Ein weiteres Hindernis ist die Lücke zwischen politischen Zusagen zu heimischen oder europäischen Komponenten und deren Verankerung in Vorschriften und Ausschreibungen. Stalprofil meldet bereits sinkende Infrastrukturerlöse, weil kaum neue Investitionen tatsächlich beginnen. Das Unternehmen will Local-Content-Vorgaben in Ausschreibungen verankern, bevor die Zahl der Verträge steigt. Für Hersteller und Händler lautet die entscheidende Frage daher nicht mehr, ob die Politik die Stimmung verbessern kann, sondern wann angekündigte Projekte zu Aufträgen und realem Stahlverbrauch führen.

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