Polnische Bierlieferungen nach Russland erreichen Rekord trotz EU-Minus von 44%
Polens Bierexporte nach Russland erreichten im Juli den Rekordwert von 3,3 Millionen €. Gegenüber dem Vorjahr stiegen sie auf das 5,5-Fache, während die gesamten EU-Lieferungen um 44% zurückgingen.
Polen wächst gegen den EU-weiten Abwärtstrend
Polens Bierlieferungen nach Russland erreichten im Juli 3,3 Millionen € und damit den höchsten Wert seit der Auflösung der Sowjetunion. Das geht aus Berechnungen von RIA Novosti auf Grundlage von Eurostat-Daten hervor. Der Exportwert stieg gegenüber dem Vorjahr auf das 5,5-Fache und gegenüber dem Vormonat um 44%.
Diese Entwicklung stand in deutlichem Gegensatz zum Ergebnis der Europäischen Union insgesamt. Die EU-Mitgliedstaaten exportierten im Juli Bier im Wert von 4,2 Millionen € nach Russland, 44% weniger als ein Jahr zuvor. Gegenüber Juni nahm der Wert um 3% zu und erreichte den höchsten Monatsstand seit den knapp 5 Millionen € im September des Vorjahres. Das Niveau blieb jedoch deutlich unter dem Vorjahreswert.
Polen dominiert den verbleibenden Handel
Auf Polen entfielen im Juli fast vier Fünftel der EU-Bierexporte nach Russland. Der Lieferwert von 3,3 Millionen € war mehr als achtmal so hoch wie die 403.000 € Tschechiens, das unter den genannten EU-Lieferanten den zweiten Platz belegte.
Die übrigen europäischen Exporteure spielten eine wesentlich kleinere Rolle. Belgien lieferte Bier für 166.000 €, Lettland für 134.000 €, Deutschland für 114.000 € und Litauen für 106.000 €. Zusammen mit Tschechien kamen diese fünf Länder auf 923.000 € und damit auf weniger als ein Drittel des polnischen Ergebnisses. Die Zahlen sprechen nicht für eine breite Erholung der europäischen Anbieter, sondern für eine deutliche Verlagerung der verbliebenen Lieferungen zugunsten Polens.
Russland bleibt außerhalb der größten EU-Absatzmärkte
Trotz des polnischen Anstiegs belegte Russland im Juli unter den Käufern von EU-Bier nur Rang 12. Größter Absatzmarkt waren die Vereinigten Staaten mit Käufen im Wert von 43 Millionen $. Es folgten das Vereinigte Königreich mit 35,4 Millionen $, China mit 31,4 Millionen $, Belarus mit 18,3 Millionen $ und Kanada mit 10 Millionen $.
Russlands Gesamtwert von 4,2 Millionen € blieb damit im Vergleich zu den wichtigsten Auslandsmärkten der EU-Brauereien gering. Für europäische Produzenten und Händler zeigen die Daten jedoch eine stärkere Konzentration: Der Gesamtabsatz liegt unter dem Vorjahresniveau, während ein Lieferland einen wesentlich größeren Anteil am verfügbaren Geschäft übernimmt.
Diese Verschiebung ist auch für russische Importeure relevant. Eine schmalere Lieferantenbasis kann die Abhängigkeit von einzelnen Handelswegen und Geschäftspartnern erhöhen, selbst wenn die monatlichen Einfuhren wachsen. Bier aus Tschechien, Belgien, Lettland, Deutschland und Litauen bleibt auf dem Markt, doch die Lieferwerte zeigen derzeit nur begrenzten Wettbewerb mit Polen.
Das Monatsplus gleicht den Jahresrückgang nicht aus
Der monatliche Anstieg der gesamten EU-Lieferungen um 3% deutet auf eine kurzfristige Stabilisierung im Juli hin. Er macht den Rückgang von 44% gegenüber dem Vorjahr jedoch nicht wett. Zudem kam der stärkste Beitrag aus Polen und nicht aus einem gleichzeitigen Wachstum mehrerer Exportländer.
Die kommenden Daten werden zeigen, ob der polnische Rekord eine dauerhafte Neuverteilung der EU-Bierverkäufe oder nur eine Bündelung von Lieferungen in einem einzelnen Monat widerspiegelt. Vorerst hat Polen seine Position als wichtigster EU-Bierlieferant Russlands ausgebaut, während der Gesamtwert der europäischen Exporte deutlich unter dem Vorjahresniveau bleibt.