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Polens Bahnindustrie drängt nach Westeuropa – Export 2024 bei fast 2 Milliarden US-Dollar

Die polnische Bahnindustrie entwickelt sich laut der Polnischen Agentur für Investitionen und Handel (PAIH) vom Komponentenzulieferer zum eigenständigen europäischen Akteur: Der Export geht in über 100 Märkte, der Exportwert lag 2024 bei fast 2 Milliarden US-Dollar. Deutschland ist das zentrale Zielland – NEWAG startete 2026 die Zulassung der Griffin-Lokomotive, PESA schloss eine Vereinbarung mit Hitachi Rail.

Polens Bahnindustrie drängt nach Westeuropa – Export 2024 bei fast 2 Milliarden US-Dollar

Die polnische Bahnindustrie entwickelt sich von der Rolle des heimischen Produzenten und Komponentenzulieferers für ausländische Hersteller zu einem eigenständigen europäischen Akteur. Das teilte die Polnische Agentur für Investitionen und Handel (PAIH) in einer Mitteilung mit, die das Fachportal lok-report.de veröffentlichte. Demnach exportiert die Branche derzeit in über 100 Märkte; der Exportwert des polnischen Eisenbahnsektors belief sich 2024 auf fast 2 Milliarden US-Dollar.

Industrielle Basis hinter dem Export

Die PAIH beschreibt eine Zulieferbasis, die den größten Teil der bahntechnischen Wertschöpfungskette abdeckt:

  • Produktion und Modernisierung von Schienenfahrzeugen;
  • elektrische Systeme, Steuerungs- und Automatisierungstechnik;
  • Komponenten und Infrastruktur;
  • Lösungen für den städtischen Verkehr.

Die Agentur verknüpft diese Fähigkeiten mit dem Heimatmarkt. Investitionen in die Modernisierung der Infrastruktur, in die Fahrzeugflotte und in die Vorbereitung von Hochgeschwindigkeitsstrecken stärken Kompetenzen, die anschließend im Ausland eingesetzt werden. Wichtigste Expansionsziele sind die EU-Länder; als Vorteile nennt die PAIH die ausgebaute industrielle Basis und die Lage Polens im Zentrum Europas vor dem Hintergrund der Transformation des europäischen Schienenverkehrs.

Auch organisatorisch hat die Branche Gewicht. Die Polnische Eisenbahnkammer (Polska Izba Kolei) vereint 500 Akteure des Schienenverkehrs – Hersteller von Schienenfahrzeugen und Komponenten, Infrastruktur- und Technologieunternehmen, Verkehrsunternehmen sowie Institutionen aus dem Branchenumfeld. „Immer mehr polnische Bahntechnologien, -produkte und -dienstleistungen gelangen als komplettes, wettbewerbsfähiges Angebot über die Landesgrenzen hinaus und nicht mehr nur als bloßes Element der Lieferkette“, sagte Adam Musiał, Generaldirektor der Kammer.

Deutschland als entscheidender Markt

Deutschland ist Polens größter Handelspartner und macht etwa ein Viertel des polnischen Außenhandels aus. Zugleich stellt der deutsche Bahnmarkt hohe technologische, regulatorische und zertifizierungsbezogene Anforderungen – die Präsenz dort gilt der PAIH deshalb als Bestätigung der Reife und Wettbewerbsfähigkeit polnischer Unternehmen.

NEWAG hat 2026 den Zulassungsprozess für die Mehrsystemlokomotive Griffin auf dem deutschen und österreichischen Markt gestartet. Die Erlangung der Betriebszulassung würde dem Hersteller nach Einschätzung der PAIH den Weg für eine breitere Präsenz auf weiteren westeuropäischen Märkten ebnen. PESA hat bereits Verträge auf dem deutschen Markt abgeschlossen und baut die Präsenz in weiteren europäischen Märkten aus; 2026 schloss das Unternehmen eine strategische Vereinbarung mit Hitachi Rail, die unter anderem die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr, Doppelstockzüge sowie den Transfer fortschrittlicher Technologien betrifft.

Parallel bewegt sich die Infrastruktur. Im Februar 2026 unterzeichneten Polen und Deutschland eine Vereinbarung über die Modernisierung und den Ausbau der Bahnverbindungen zwischen beiden Ländern. „Die Bahn wird als strategisches Element der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in den Bereichen grenzüberschreitende Mobilität, territorialer Zusammenhalt und Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes in der Europäischen Union betrachtet“, sagte Małgorzata Kucharek vom Büro für europäische Projekte der PAIH.

Zulassung, Finanzierung und die Berliner Agenda

Die PAIH weist darauf hin, dass der Markteintritt in Westeuropa nicht allein über Technologie entschieden wird. Die Zertifizierungs- und Zulassungsverfahren im Schienenverkehr sind komplex, und die Kaufentscheidungen der Betreiber beziehen sich häufig auf Verträge mit mehrjähriger Laufzeit. Ebenso entscheidend seien die Fähigkeit zur Entwicklungsfinanzierung, lokale Präsenz, Kenntnis der Verfahren sowie Beziehungen zu Betreibern und Integratoren.

Der institutionelle Vorstoß der Branche konzentriert sich auf Berlin. Polnische Unternehmen präsentieren sich gemeinsam mit der PAIH auf der InnoTrans 2026 an einem Nationalstand unter dem Motto „Poland. Business Forward“ in Halle 11.2, Stand 240. Begleitend organisieren die PAIH, die Botschaft der Republik Polen in Berlin und die Polnische Eisenbahnkammer die Rail Connect 2026, einen deutsch-polnischen Lieferantentag am 22. September in Berlin, der dem direkten Kontakt zwischen polnischen und deutschen Unternehmen sowie der Präsentation von Bahnprojekten auf beiden Märkten dienen soll.

Die PAIH ist eine Beratungseinrichtung innerhalb der Polnischen Entwicklungsfonds-Gruppe (PFR). Sie arbeitet in Polen und über ein weltweites Netzwerk von Büros, ist erste Anlaufstelle für Exporteure und Investoren und fördert den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Polen.

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