Polens Sammelerfolge bei Verpackungen legen Recyclinglücken offen
Polens Pfandsystem bewältigt große Sammelmengen, doch fragmentierte Daten und eine schwache Nachfrage nach Rezyklaten erschweren die Bewertung des Gesamtsystems. Die Branche fordert klarere Abrechnungsregeln, eine zentrale Aufsicht und Vorgaben für nicht abgeholte Verbrauchereinlagen.
Sammelsystem bewältigt das erste Betriebsjahr
Ein Jahr nach dem Start des polnischen Pfandsystems hat die physische Sammelinfrastruktur einen wichtigen Praxistest bestanden. Nach Angaben von Rzeczpospolita sammelte allein OK Operator Kaucyjny mehr als 1,4 Milliarden Verpackungen und übergab mehr als 30.000 Tonnen Material an Recyclingunternehmen. Die gesamte Menge ging an polnische Recycler; aus jeder Tonne wurden mehr als 90 % zurückgewonnen.
Das Sammelnetz bewältigte auch die sommerliche Spitze ohne Störungen. Der Wettbewerb zwischen mehreren Betreibern beschleunigte die Automatisierung und brachte mehr als ein Dutzend Maschinenlieferanten in den Markt, darunter polnische Unternehmen. Hinzu kamen neue Lösungen wie die direkte Rückzahlung des Pfands auf Zahlungskarten. Tomasz Suligowski, Präsident von OK Operator Kaucyjny, bezeichnete die Zulassung mehrerer Betreiber als richtige Entscheidung.
Fragmentierte Daten verdecken die Gesamtleistung
Die Zahlen eines einzelnen Betreibers reichen nicht aus, um die Wirksamkeit des gesamten Systems zu beurteilen. Suligowski zufolge wäre dafür eine Auswertung der Daten aller Marktteilnehmer nötig. Derzeit teilen die Betreiber ihre Informationen nicht vollständig, und ihre IT-Systeme sind noch nicht durchgängig integriert. Regulierungsbehörden und Unternehmen können deshalb die landesweiten Geld- und Materialströme nur schwer nachvollziehen.
Auch die Sammelmenge ist lediglich ein Leistungsindikator. Das eigentliche Ziel besteht darin, das zurückgewonnene Material zu recyceln und erneut für neue Verpackungen einzusetzen. Gerade hier bestehen weiterhin Schwierigkeiten: Einem Überangebot an gesammeltem Material steht eine unzureichende Nachfrage nach bestimmten Rezyklaten gegenüber, darunter blaues Rezyklat. Hohe Sammelquoten können daher mit wirtschaftlichen Engpässen in den nachgelagerten Stufen der Recyclingkette einhergehen.
Branche verlangt klare Regeln und zentrale Aufsicht
OK Operator Kaucyjny fordert eine Änderung der Vorschriften für Abrechnungen zwischen den Betreibern. Ein Betreiber kann Verpackungen von Herstellern sammeln, die durch einen anderen Betreiber vertreten werden. Definition und Berechnung der dafür fälligen Ausgleichszahlung sind jedoch nicht eindeutig geregelt. Das führt zu Streitigkeiten; eine abschließende Position des Ministeriums liegt Suligowski zufolge nicht vor.
Klärungsbedarf besteht auch beim Status nicht abgeholter Pfandbeträge. Das Geld stammt von Verbrauchern, und für die Rückgabe berechtigter Verpackungen gibt es keine Ausschlussfrist. Daher sollten Betreiber nach Auffassung des Unternehmens nicht eigenständig darüber verfügen. Das Ministerium müsse festlegen, ob die Mittel etwa für Rücknahmeautomaten, IT-Systeme oder andere Verbesserungen für Verbraucher eingesetzt werden dürfen. Suligowski sprach sich dagegen aus, damit laufende Betriebskosten zu decken oder Herstellergebühren zu senken. OK Operator Kaucyjny verwahrt die nicht abgeholten Beträge auf einem separaten Konto und nutzt sie derzeit nicht.
Suligowski schlug eine nicht kommerzielle Stelle vor, etwa eine Kammer, Stiftung oder gemeinnützige Gesellschaft. Sie könnte Streitfälle schlichten, gleiche Wettbewerbsbedingungen sichern, Geld- und Materialströme überwachen und eine zentrale Datenbank für das Umweltministerium führen. In ihrem Rat sollten Hersteller, Händler, Recycler und staatliche Stellen vertreten sein. Nach einem Jahr des Infrastrukturaufbaus hängt die nächste Phase von integrierten Daten, der Rezyklatnachfrage und Regeln ab, die aus dem polnischen Mehrbetreibermodell ein einheitliches nationales System machen.