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Polens schnellerer Kohleausstieg bedroht Arbeitsplätze in Bergbauregionen

Die sinkende Kohlenachfrage könnte polnische Bergwerke zu einer früheren Schließung zwingen, als es die Sozialvereinbarung der Branche vorsieht, warnt die Instrat-Stiftung. Die Folgen unterscheiden sich in 66 kohleabhängigen Kreisen deutlich; besonders gefährdet sind Bergbaustädte und wirtschaftlich schwächere ländliche Gebiete.

Polens schnellerer Kohleausstieg bedroht Arbeitsplätze in Bergbauregionen

Kohlenachfrage sinkt schneller als der offizielle Zeitplan

Polen steigt schneller aus der Kohle aus, als die geltenden Pläne vorsehen. Die Bergbauregionen müssen sich deshalb auf frühere Zechenschließungen und Arbeitsplatzverluste vorbereiten. Interia Biznes berichtet unter Berufung auf eine neue Studie der Instrat-Stiftung, dass der rasche Nachfragerückgang das Ende der Steinkohleförderung wahrscheinlich früher erzwingen wird, als in der Sozialvereinbarung für den Sektor vorgesehen.

Damit setzt sich die langfristige Schrumpfung der Branche fort. Polens heimische Steinkohleförderung ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um mehr als 70 % gesunken. Seit der Schließung der letzten Zeche in Tschechien ist Polen der einzige Steinkohleproduzent in der Europäischen Union.

Instrat untersuchte 66 polnische Kreise, die mit Förderung oder Verbrennung von Kohle verbunden sind. Die Bergbaugebiete wurden anhand von Arbeitsmarkt, Löhnen, Unternehmertum und Entwicklungspotenzial in fünf Gruppen eingeteilt. Die Ergebnisse zeigen erhebliche Unterschiede zwischen Großstädten, Bergbauzentren und ländlichen Kreisen rund um große Förderanlagen, die eine einheitliche Förderpolitik nicht abbilden kann.

Einige Arbeitsmärkte bieten Alternativen

Zu den Kohlegebieten mit Potenzial zählen unter anderem die Kreise Bełchatów, Bieruń-Lędziny, Mikołów, Pszczyna, Wodzisław, Gliwice und Rybnik sowie die Städte Rybnik, Jaworzno und Żory. Viele sind weiterhin eng mit Bergbau oder Stromerzeugung verbunden, verfügen jedoch über eine vergleichsweise vielfältige Wirtschaft und Löhne nahe dem Landesdurchschnitt. Industrie, Logistik, Dienstleistungen und Unternehmertum schaffen alternative Beschäftigung; ein positiver Wanderungssaldo zeigt zudem, dass die Einwohner dort berufliche Perspektiven sehen.

Die größte Gruppe umfasst 29 durchschnittlich entwickelte Kohle- und ehemalige Kohlekreise. Eine weitere Gruppe bilden bergbaunahe Großstädte und Kreise, darunter Dąbrowa Górnicza, Gliwice, Katowice, Opole, Tychy, Racibórz und Świebodzin. Laut Instrat verfügen sie über stabile Arbeitsmärkte, den höchsten Frauenanteil an der Beschäftigung, die niedrigste Langzeitarbeitslosigkeit und überdurchschnittliche Löhne. Bergbau und Energie stellen lediglich 1 % der Arbeitsplätze in Świebodzin und 4 % in Katowice, wodurch die direkte Belastung durch Zechenschließungen begrenzt bleibt.

Kohlekern und ländliches Umland sind stärker gefährdet

Schwieriger ist die Lage im Kohlekern mit Jastrzębie-Zdrój und mehreren schlesischen Bergbauzentren. Dort ist der Beschäftigungsanteil von Bergbau und Energie unter allen Gruppen am höchsten. Die Löhne liegen deutlich über dem Durchschnitt der übrigen Kreise und die Arbeitslosigkeit ist relativ niedrig, doch gut bezahlte Zechenstellen lassen sich kaum durch Jobs mit vergleichbarem Einkommen ersetzen. Eine geringere Förderung kann zudem die Nachfrage im lokalen Einzelhandel und Dienstleistungssektor senken und die kommunalen Haushalte schwächen.

Als besonders anfällig bewertet die Studie die bergbaulich geprägten ländlichen Ringe um große Förderkomplexe. Sie weisen höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne, weniger wirtschaftliche Aktivität und eine geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen auf. Im Lubliner Kohlerevier konzentrieren sich die wirtschaftlichen Vorteile auf den Kreis Łęczna mit der Zeche Bogdanka. Die angrenzenden ländlichen Kreise verzeichnen trotz zahlreicher in der Zeche beschäftigter Einwohner eine höhere Arbeitslosigkeit und eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung.

Gezielte Förderung und frühzeitige Investitionen

Einige gefährdete ostpolnische Kreise werden nicht vom EU-Fonds für einen gerechten Übergang erfasst, obwohl ihre sozioökonomische Lage der geförderter Regionen ähnelt. Instrat fordert Zugang zu diesen Mitteln für die Kohlekreise im Osten Polens, falls Bogdanka die Förderung reduziert. Zudem soll der Zeitplan für die Stilllegung der Steinkohlezechen an Polens Nationalen Energie- und Klimaplan angepasst werden.

In der EU-Finanzperiode 2028-2034 sollten die Mittel laut Studie vorrangig an Kreise mit der stärksten Bergbauabhängigkeit und der schwächsten sozioökonomischen Position fließen. Umschulungsprogramme sind besonders in Gebieten wie Łęczna nötig; Regionen, deren Wirtschaft traditionell auf männlicher Beschäftigung im Bergbau beruht, benötigen zugleich mehr Unterstützung für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Neue Investitionen müssen laut Instrat vor der Schließung einzelner Betriebe eintreffen, damit die lokalen Volkswirtschaften frei werdende Arbeitskräfte aufnehmen können.

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