Polens Pfandsystem verändert die Getränkenachfrage, doch die Glasfrage bleibt offen
Im ersten Jahr des polnischen Pfandsystems wurden mehr als 5 Milliarden Flaschen und Dosen zurückgegeben. Händler melden eine steigende Nachfrage nach größeren Wassergebinden, Wassersprudlern und Konzentraten, während die Branche für die Einbeziehung von Einwegglas weitere Investitionen von 2 Milliarden Złoty erwartet.
Mehr als 5 Milliarden Gebinde zurückgegeben
Polens Pfandsystem ist schnell zum Bestandteil des alltäglichen Getränkeeinkaufs geworden. Im ersten Betriebsjahr wurden mehr als 5 Milliarden Flaschen und Dosen zurückgegeben. Nach Daten des Ministeriums für Klima und Umwelt, die dlahandlu.pl zitiert, umfasst das landesweite Rückgabenetz inzwischen mehr als 65.500 Sammelstellen.
Das System sollte in erster Linie die Sammelquote für Getränkeverpackungen erhöhen, wirkt sich inzwischen aber auch auf Regalsortimente und Produktentwicklung aus. Hersteller und Händler müssen Verpackungen anpassen, Rückführungslogistik organisieren und in Infrastruktur investieren. Verbraucher prüfen zugleich genauer, wie viele Einwegverpackungen sie nach Hause tragen.
Eine breite Abkehr von abgefüllten Getränken beobachten die Handelsketten nicht. Wasser, Erfrischungsgetränke und Säfte bleiben besonders bei der Arbeit, auf Reisen und in anderen Situationen gefragt, in denen Bequemlichkeit zählt. Deutlicher ist die Veränderung beim Konsum zu Hause: Großgebinde, Mehrwegflaschen, Filter und Wassersprudler bieten Alternativen zum wiederholten Kauf und zur Rückgabe einzelner Verpackungen.
Konzentrate und zuckerfreie Getränke legen zu
Carrefour Polska verzeichnet laut Unternehmensmanager Paweł Gadawski ein wachsendes Interesse an größeren Wassergebinden, vor allem an 5-Liter-Formaten, sowie an Filtern und Wassersprudlern. Aldi-Polska-Einkaufsdirektor Szymon Czubak meldete ebenfalls eine höhere Nachfrage nach Sirupen und Konzentraten für Wassersprudler. Dennoch kaufen die Kunden weiterhin Mineralwasser, Erfrischungsgetränke und Säfte in Flaschen und nutzen regelmäßig die Rücknahmeautomaten von Aldi.
Nach Daten des Centrum Monitorowania Rynku, die dlahandlu.pl anführt, stieg der Verkaufswert von Sirupen für Wassersprudler im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 277 %. Auch die Distribution wurde breiter: Anfang des Jahres waren die Produkte in rund 20 % der Geschäfte erhältlich, im ersten Halbjahr bereits in etwa 25 %. Das Segment bleibt im Verhältnis zum gesamten Getränkemarkt klein, schafft für Händler aber ein Geschäft mit wiederkehrend gekauften Verbrauchsartikeln. Hersteller können zudem Getränkezutaten anbieten, ohne ein Fertiggetränk in einer Einwegflasche auszuliefern.
Auch bei klassischen Erfrischungsgetränken verschieben sich die Präferenzen. Im ersten Halbjahr 2026 nahm der Absatz zuckerfreier Getränke laut Centrum Monitorowania Rynku gegenüber dem Vorjahr um 13 % zu, während zuckerhaltige Produkte 7 % verloren. Zuckerfreie Varianten stehen inzwischen für 38 % des wertmäßigen Marktes für kohlensäurehaltige Getränke. Bei Sirupen für Wassersprudler erreichen sie dagegen erst 2,9 % des Verkaufswerts, sodass Hersteller in diesem Segment noch Spielraum für zusätzliche Zero-Rezepturen haben.
Einwegglas verschärft den Kostenstreit
Die gesamte Kategorie der kohlensäurehaltigen Getränke wächst nicht einheitlich. Ihr Wert sank im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 1 %, obwohl zuckerfreie Produkte und Konzentrate zulegten. Die Zahlen sprechen eher für eine Verlagerung der Ausgaben zwischen Rezepturen, Verpackungsformaten und Zubereitungsarten als für ein Verschwinden der Getränkenachfrage.
Der nächste politische Streit betrifft die mögliche Aufnahme von Einwegglas, einschließlich kleiner Spirituosenflaschen, in das Pfandsystem. Krzysztof Pawiński, Vorstandsvorsitzender der Grupa Maspex, erklärte, der Handel habe bereits 2 Milliarden Złoty für Automaten des bestehenden Systems ausgegeben. Die Anpassung an eine getrennte Glasfraktion würde nach seiner Schätzung weitere 2 Milliarden Złoty kosten. Hersteller und Händler benötigten belastbare Betriebsdaten und Zeit zur Stabilisierung des bestehenden Netzes, bevor dessen Umfang erweitert werde. Die Ergebnisse des ersten Jahres belegen eine Sammlung im großen Maßstab; Gesamtkosten, Effizienz und praktische Einbindung von Glas bleiben jedoch ungeklärt.
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