Polen zielt in Sudan auf Getreide, Zucker, Milchprodukte und Eier
Polen will seine Agrar- und Lebensmittelexporte nach Sudan über den bislang dominierenden Tabak hinaus ausbauen. Von Januar bis Juli 2026 beliefen sich die Lieferungen auf lediglich 867.000 €, während fehlende Gesundheitsbescheinigungen Milch- und Eierexporte begrenzen.
Polen sucht eine breitere Position in Sudan
Polen will seine Präsenz auf dem sudanesischen Agrar- und Lebensmittelmarkt ausbauen. Getreide, Zucker, Milchprodukte und Eier wurden als mögliche Wachstumsfelder genannt. Die Initiative steht jedoch am Anfang: Von Januar bis Juli 2026 erreichten die polnischen Agrar- und Lebensmittelexporte nach Sudan laut dem polnischen Agrarmedium AgroNews lediglich 867.000 €.
Über die Ausweitung des Handels sprachen Jacek Czerniak, Staatssekretär im polnischen Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, und die in Berlin ansässige sudanesische Botschafterin in Polen, Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed. Im Mittelpunkt standen eine engere Zusammenarbeit im Agrarsektor und eine stärkere Präsenz polnischer Lebensmittel in Sudan.
Jacek Czerniak verwies auf Polens starke Stellung als europäischer Produzent von Getreide und Zucker. Die Regierung betrachtet Märkte außerhalb der Europäischen Union als zusätzliche Absatzmöglichkeit für Erzeuger und Verarbeiter, die ihren Kundenkreis verbreitern wollen. Sudan gehört zu den Zielen, auf denen polnische Exporteure bislang nur begrenzt vertreten sind.
Tabak dominiert den bisherigen Absatz
Die 867.000 € aus den ersten sieben Monaten 2026 verdeutlichen die geringe Größe der bestehenden Handelsbasis. Nach Angaben von AgroNews entfiel der größte Teil der polnischen Agrar- und Lebensmittelverkäufe nach Sudan auf Tabak. Das Potenzial für Getreide, Zucker, Milch, Milchprodukte, Eier und Eiprodukte ist damit weitgehend ungenutzt.
Die niedrige Ausgangsbasis bietet Wachstumsspielraum, macht aber auch die kommerzielle Herausforderung sichtbar. Polen erweitert keinen bereits etablierten und breit gefächerten Lebensmittelhandel, sondern muss für bislang schwach vertretene Produktgruppen neue Absatzkanäle schaffen. Produktionskapazität allein führt nicht zu Lieferungen; erforderlich sind Käufer, funktionierende Logistik und regulatorische Freigaben.
Für Getreide- und Zuckeranbieter sind die Gespräche Teil der Suche nach Absatzmärkten außerhalb der EU. Angaben zu möglichen Liefermengen, Verträgen, Preisen oder einem Zeitplan wurden nicht veröffentlicht. Die Gespräche stehen daher für staatliches Interesse und mögliche Marktöffnung, noch nicht für bestätigte neue Handelsströme.
Gesundheitsbescheinigungen bleiben die direkte Hürde
Für Erzeugnisse tierischen Ursprungs besteht ein zusätzliches Hindernis. Polen will die Abstimmung von Gesundheitsbescheinigungen für Milch und Milchprodukte sowie für Konsumeier und Eiprodukte abschließen. Solange Veterinäranforderungen und Dokumente nicht vereinbart sind, fehlt Unternehmen auch bei vorhandener Nachfrage der praktische Zugang zum sudanesischen Markt.
Der Abschluss dieser Verfahren ist deshalb einer der nächsten konkreten Schritte. Molkereien und Eierverarbeiter können erst dann regelmäßige Verkäufe entwickeln, wenn die zuständigen Behörden die Bescheinigungen vereinbart haben und Exporteure die Einhaltung der sudanesischen Anforderungen nachweisen können.
Beide Seiten erörterten außerdem institutionelle, wissenschaftliche und fachliche Zusammenarbeit in der Landwirtschaft, darunter Wissensaustausch und Kontakte zwischen einschlägigen Organisationen. Das polnische Landwirtschaftsministerium erklärte sich bereit, den Dialog fortzusetzen und gemeinsame Projekte im Interesse beider Länder umzusetzen. Die messbare Handelsbasis bleibt vorerst jedoch auf 867.000 € begrenzt. Größere Chancen für polnische Anbieter entstehen erst, wenn diplomatische Gespräche und technische Verhandlungen zu einem wirksamen Marktzugang führen.