Polen will kasachisches Importverbot für Äpfel abwenden
Polen verhandelt mit Kasachstan, nachdem Astana ein mögliches Importverbot für Äpfel zum Schutz des Binnenmarktes signalisiert hat. Polnische Agrar- und Lebensmittelexporte nach Kasachstan erreichten im vergangenen Jahr fast 107 Millionen Euro; Äpfel zählen zu den wichtigsten Produkten.
Warschau interveniert wegen eines möglichen Verbots
Polens Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung will den Marktzugang in Kasachstan für polnische Äpfel und weitere Agrar- und Lebensmittelprodukte sichern. Astana hatte zuvor mögliche Einfuhrbeschränkungen für Äpfel signalisiert. Staatssekretär Jacek Czerniak sprach das Thema bei einem auf polnische Initiative anberaumten Treffen mit Kasachstans stellvertretendem Botschafter in Polen, Erzhan Zharylkanov, an.
Die Gespräche betreffen eine wirtschaftlich bedeutende Handelsbeziehung. Polnische Agrar- und Lebensmittelexporte nach Kasachstan hatten im vergangenen Jahr einen Wert von fast 107 Millionen Euro, wie Portal Spożywczy und Farmer.pl unter Berufung auf Ministeriumsdaten berichteten. Äpfel gehören zu den wichtigsten Produkten. Czerniak bezeichnete Polen als zentralen Lieferanten, der einen wesentlichen Teil des kasachischen Importbedarfs deckt.
Polen bestreitet wirtschaftliche und phytosanitäre Grundlage
Das polnische Ministerium warnte, ein Verbot könne sowohl Erzeugern und Exporteuren in Polen als auch Abnehmern in Kasachstan Verluste bringen. Warschau hält die geplante Maßnahme für wirtschaftlich unbegründet und sieht keine sachliche Rechtfertigung. Czerniak erklärte zudem, Kasachstan habe Polen bisher über keinen Fall informiert, in dem gelieferte Äpfel die kasachischen Pflanzenschutzanforderungen nicht erfüllt hätten.
Für Marktteilnehmer ist diese Unterscheidung wesentlich. Eine Beschränkung wegen belegter Pflanzengesundheitsrisiken hätte eine andere geschäftliche Grundlage als eine Maßnahme zur Unterstützung heimischer Anbieter. Die Angaben beider Seiten deuten darauf hin, dass Kasachstans Vorhaben dem Schutz des Binnenmarktes dient und nicht auf gemeldeten Problemen mit polnischen Früchten beruht.
Kasachstan verweist auf Schutz des Binnenmarktes
Zharylkanov erklärte, das geplante Verbot solle den kasachischen Binnenmarkt schützen und richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land. Er verwies außerdem darauf, dass Kasachstan im Oktober 2024 eine ähnliche Beschränkung eingeführt hatte. Der stellvertretende Botschafter sagte zu, die polnischen Argumente und Bedenken an Kasachstans Landwirtschaftsministerium weiterzuleiten. Wann Astana entscheiden könnte und welche Dauer oder Produktabdeckung vorgesehen ist, blieb jedoch offen.
Der fehlende Zeitplan erschwert polnischen Lieferanten die Planung künftiger Sendungen und Verkäufe. Die kasachische Begründung zeigt zugleich, dass die Einhaltung phytosanitärer Vorschriften allein den Marktzugang möglicherweise nicht sichert. Kasachische Importeure und andere Käufer könnten bei einem Verbot weniger Bezugsquellen haben. Die Quellen nennen allerdings weder die betroffenen Mengen noch mögliche Preiseffekte.
Tierische Produkte und Transit ebenfalls Thema
Bei dem Treffen ging es nicht nur um Äpfel. Polnische Vertreter forderten auch die Aufhebung kasachischer Beschränkungen für ausgewählte Erzeugnisse tierischen Ursprungs. Diese betreffen sowohl Einfuhren nach Kasachstan als auch den Transit durch das Land zu anderen Märkten der Region. Die stellvertretende leitende Veterinärbeamtin Katarzyna Wawrzak erläuterte die polnischen Forderungen, während Czerniak einen intensiveren Dialog zwischen den Veterinärbehörden beider Länder verlangte.
Zharylkanov stimmte einer Fortsetzung der Gespräche auf Expertenebene zu Veterinärfragen zu. Im Mittelpunkt steht dennoch das mögliche Apfelverbot, da die Früchte ein Spitzenprodukt der polnischen Agrar- und Lebensmittelexporte nach Kasachstan sind. Der diplomatische Austausch hält die Verhandlungen offen; eine Rücknahme oder Änderung der geplanten Beschränkung wurde aber nicht angekündigt.