Polen verzeichnet zum Start der Rübenkampagne den stärksten Zuckerpreisrückgang der EU
Die polnischen Einzelhandelspreise für Zucker sanken im Juli 2026 binnen Jahresfrist um 16,6 % und damit stärker als in jedem anderen EU-Land. Die neue Kampagne dürfte 2,0–2,1 Millionen Tonnen Zucker liefern, sodass der Export den Überschuss über den Inlandsverbrauch aufnehmen muss.
Polen meldet den größten Preisrückgang der EU
Polen ist mit Zuckerpreisen deutlich unter dem Vorjahresniveau in die Zuckerrübenkampagne 2026/27 gestartet. Die Verarbeitung begann Ende August; in den folgenden Tagen nahmen weitere Fabriken ihre Arbeit auf und die ersten Rüben wurden geerntet. Das niedrige Preisniveau erhöht den Druck auf Anbauer und Zuckerproduzenten, während neue Ware auf einen bereits gut versorgten Markt trifft.
Nach Angaben von Piotr Szajner vom Institut für Agrar- und Ernährungswirtschaft — Nationales Forschungsinstitut in Warschau sank der Abgabepreis für Sackzucker im Juli 2026 gegenüber Juni um 2,0 % auf 2,46 PLN je Kilogramm. Damit lag er 15,5 % unter dem Wert vom Juli 2025. Der durchschnittliche Einzelhandelspreis fiel im Monatsvergleich um 1,1 % auf 2,75 PLN je Kilogramm und im Jahresvergleich um 15,6 %.
Unterschiedliche Preisentwicklung in Europa
Dem Bericht des Instituts zufolge verzeichnete Polen mit 16,6 % den stärksten jährlichen Rückgang der Zuckerpreise im EU-Einzelhandel. In Slowenien betrug das Minus 16,0 %, in Dänemark 12,8 %. Frankreich meldete einen Rückgang um 7,8 % und die Niederlande um 3,1 %, während die Preise in Deutschland um 4,6 % und in Österreich um 4,3 % stiegen.
Das hohe Angebot auf dem europäischen Markt belastet die Preise. Von farmer.pl zitierte Schätzungen der Europäischen Kommission beziffern die EU-Zuckerproduktion 2025/26 auf 16,6 Millionen Tonnen, ein Plus von 0,2 %. Die Importe stiegen um 5,2 % auf 1,5 Millionen Tonnen, der Binnenverbrauch um 1,4 % auf 13,8 Millionen Tonnen. Gleichzeitig sanken die EU-Exporte um 5,2 % auf 4,0 Millionen Tonnen, sodass mehr Zucker innerhalb der Union um Käufer konkurriert.
Exporte bleiben für Polen unverzichtbar
Der durchschnittliche polnische Zuckerrübenertrag wird auf 65–67 Tonnen je Hektar geschätzt. Der technologische Zuckerertrag dürfte vorläufig 8,5–9,0 Tonnen je Hektar erreichen. Für die Zuckerproduktion werden 2,0–2,1 Millionen Tonnen erwartet. Das liegt unter den jeweils rund 2,5 Millionen Tonnen der beiden vorherigen Kampagnen, aber weiterhin über dem Inlandsverbrauch von 1,8 Millionen Tonnen.
Damit bleibt die Auslandsnachfrage für die polnische Marktbilanz entscheidend. Laut dem Bericht des Instituts exportierte Polen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 512.900 Tonnen Zucker, davon 200.000 Tonnen in andere EU-Länder. Der durchschnittliche Transaktionspreis lag über alle Absatzmärkte bei 456 EUR je Tonne und innerhalb der EU bei 548 EUR je Tonne. Deutschland war mit 60.500 Tonnen der größte EU-Abnehmer, gefolgt von Ungarn mit 22.800 Tonnen, Litauen mit 18.300 Tonnen und Rumänien mit 14.400 Tonnen.
Globale Überschüsse begrenzen die Erholung
Auch die Weltmarktpreise blieben niedrig, zogen im August jedoch an. Von Szajner zitierte USDA-Daten wiesen für Juli 464 USD je Tonne Weißzucker und 326 USD je Tonne Rohzucker aus. Nach Angaben der International Sugar Organization stiegen die Preise im August auf 506 USD je Tonne Weißzucker und 350 USD je Tonne Rohzucker. Szajner führte den Anstieg möglicherweise auf den bewaffneten Konflikt am Persischen Golf zurück, der das Angebot verringert und die Preise für Rohöl und Flüssigerdgas erhöht habe.
Der Energiemarkt ist relevant, weil Brasilien große Mengen Zuckerrohr zu Ethanol für Flüssigkraftstoffe verarbeiten kann. Dennoch bleibt das hohe globale Angebot der wichtigste Belastungsfaktor. Der Economic Research Service des USDA erwartet für 2026/27 einen Rückgang der Weltzuckerproduktion um 0,6 % auf 184,9 Millionen Tonnen bei einem stabilen Verbrauch von 180,5 Millionen Tonnen. Die Endbestände sollen um 2,0 % auf 44,4 Millionen Tonnen wachsen. Für polnische Anbauer und Verarbeiter begrenzen der heimische Überschuss, schwächere EU-Exporte und steigende Weltbestände die Aussicht auf eine schnelle Preiserholung.